Angeklagt und verurteilt (2022)

Kriminelle vor Gericht: Diebe, Betrüger, Sexualtäter, Einbrecher, Räuber

Rechtsanwalt Benecken lässt seine Mandanten über den Alltag im Gefängnis erzählen. Der bekannte Marler Rechtsanwalt Burkhard Benecken hat sie alle vertreten: Mörder, Vergewaltiger, Menschenhändler, Prostituierte, Drogendealer… Und er hat sie alle, während sie zwischen Stuttgart-Stammheim, Castrop-Rauxel und Berlin-Moabit hinter Gittern saßen, in den deutschen Haftanstalten besucht. Grund war das Sammeln von Aussagen der von einzelnen Gefängnisinsassen über ihren Alltag hinter Gittern –für sein mittlerweise fünftes Buch „Inside Knast – Leben hinter Gittern – der knallharte Alltag in deutschen Gefängnissen“. Wie sieht die Realität der 67.000 Inhaftierten aus? Wie lebt es sich auf acht Quadratmetern ohne Küche, Bad, Internet und Handy? Wie viel Gewalt herrscht unter den Häftlingen? Wer hat im Knast das Sagen? Unter den Geschichten findet der Leser auch die von Sunny, einem ehemaligen Edel-Callgirl aus Marl, das in einer Betrügerbande in  millionenschwerer Kriminalität verwickelt wurde, was ihre eine mehrjährige Haftstrafe einbrachte. Burkhard Benecken: „Was Sunny im Frauenknast erlebt hat, hat mich derart bewegt, dass ich ihr ein eigenes Kapitel in meinem neuen Buch gewidmet habe.“ „Sunny“ (31) hat ihr altes Leben hinter sich gelassen. Sie ist seit November 2020 verheiratet und hat vor zwei Monaten ihr drittes Kind zur Welt gebracht. In Kürze will sie einen türkischen Lebensmittelmarkt an der Römerstraße in Hüls eröffnen. Aber auch andere inhaftierte Mandanten lässt Benecken in seinem Buch „Inside Knast“ ungeschönt zu Wort kommen. „Inside Knast – Leben hinter Gittern – der knallharte Alltag in deutschen Gefängnissen“, 224 Seiten, Riva-Verlag München, 29,99 Euro.

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Mutter von drei Kindern handelte mit Drogen. Eine alleinerziehende 32-j#hrige Mutter von drei Kindern im Alter von 9 bis 15 Jahren rutschte in die Drogensucht ab, dealte und musste sich im Januar 2022 vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten. Im August 2020 fand die Polizei in ihrer Wohnung 100 Gramm Amphetamine, dazu Marihuana, Kokain, Verpackungsmaterial  und Feinwaagen. „Drogenhandel“ so hieß dann auch der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Doch die Angeklagte wollte das alles für mehrere hundert Euro nur für den Eigenbedarf gekauft haben. Der Staatsanwalt glaubte ihr nicht, zumal die Polizei WhatsApp-Nachrichten sichergestellt hatte, die belegen sollten, dass die Frau doch gedealt hatte. Schließlich legte die Dorstenerin, die inzwischen clean ist, ein Geständnis ab. Das Gericht verurteilte sie zu 18 Monaten auf Bewährung. „Die Bewährungszeit von drei Jahren soll wie ein Damoklesschwert über ihr hängen, denn ihr muss klar werden, dass sie ansonsten ihre Kinder längere Zeit nicht sehen wird“, erklärte die Richterin. Zum eigenen Schutz soll sie sich regelmäßig bei der Drogenberatungsstelle melden, um zu zeigen, dass sie weiter drogenfrei lebt (Quelle: Michael Klein in DZ vom 18. Jan.2022).

Prozess Mitte Januar 2022 als Folge einer Sprengstoff-Polizei-Razzia 2019 in Rhade. Nachdem die Polizei am 20. August 2019 die frei im Internet zugängliche Sprengstoff-Plattform „xplosives.net“ stillgelegt hatte, fuhr bei einer internationalen Groß-Razzia mit 1000 eingesetzten Beamten gegen 7 Uhr eine spektakuläre Kolonne von Einsatzfahrzeugen auch an der Straße „Am Stuvenberg“ in Rhade vor. Darunter ein Panzerwagen, der zur Sicherung von Sprengstoffen dient. Denn auch der Mann aus Rhade war ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. Er gehörte zu den 360 aktiven Mitgliedern, die sich online über Sprengstoffe und zum Teil auch über den Bau von Waffen austauschten. Bei der Wohnungsdurchsuchung des damals 30-Jährigen sicherten die Einsatzkräfte jedenfalls eine Menge Chemikalien, Patronen-Munition, USB-Sticks – und fanden zwei Gegenstände, die dem Mann jetzt ein Verfahren vor dem Dorstener Schöffengericht einbrachten – wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und unerlaubten Waffenbesitzes. Vor allem der erste Vorwurf ist normalerweise eine schwere Straftat. Der Angeklagte hatte von einer 5,6 Millimeter-Geschosspatrone, die er vor 16 Jahren aus einer Kaserne als „Andenken“ mitgehen ließ, also Diebschlag oder Unterschlagung. Beim zweiten Anklagepunkt handelte es sich um eine 9 Millimeter-Gas-Signalpistole, also um eine Schreckschusswaffe, die der Mann im Internet erworben hatte. Das Problem dabei: Die Waffe ist in Deutschland nicht zugelassen, weil sie nicht das nötige Prüfsiegel aufweist. Der Staatsanwalt attestierte dem Angeklagten einen Hang „zu allem, was knallt, das fasziniert ihn“, Der Staatsanwalt forderte ein Jahr und drei Monate auf Bewährung, der Verteidiger plädierte auf „minderschweren Fall“, das Gericht verhängte sechs Monate auf Bewährung, dazu 600 Euro Geldstrafe. „Wir wollen das alles nicht verharmlosen, ihn aber auch nicht unnötig kriminalisieren“, hieß es. Zumal der Angeklagte bislang nur eine Vorstrafe hatte: Er war unberechtigt in ein stillgelegtes Bergwerk eingedrungen und hatte davon unvorsichtigerweise ein Foto auf einer „Verlassenen-Orte“-Internetseite gepostet (Quelle: M. Klein in DZ vom 14. Jan. 2022).

Oma in Dorsten sauer: Enkel sorgt für Drogen-Razzia in ihrem Haus. Bei einer Drogenrazzia in Dorsten fanden Kripobeamte in der Wohnung eines jungen Mannes gut 300 Gramm Marihuana und ein Messer. Der 21-jährige Angeklagte bewohnte eine Wohnung im Haus der Oma in Dorsten. Der Enkel hat seine Großmutter nach eigenen Angaben ziemlich sauer damit gemacht, dass in seiner Abwesenheit vor gut einem Jahr die Kripo mit einem Durchsuchungsbeschluss zu der gemeinsamen Adresse ausrückte. Das Drogendezernat hatte einen anonymen Hinweis bekommen, dass er mit Rauschgift handelt. Die Polizisten wurden fündig. 320 Gramm Marihuana lagen auf dem Wohnzimmertisch. Dazu eine Feinwaage, Verpackungsmaterial – und ein Messer. Der junge Mann stritt vor dem Schöffengericht Dorsten Mitte Januar 2022 ab, mit dem Stoff gedealt zu haben. Vielmehr habe er in einer „Einkaufsgemeinschaft“ mit Freunden einen Lieferanten beauftragt, das Cannabis für ihren Eigenbedarf vorbeizubringen. „Der hat dann die gesamte Tüte mit den anderen Sachen drei Tage bei mir gelagert“, sagte er vor dem Schöffengericht aus. Der Angeklagte beteuerte, dass er mit dem Thema Rauschgift abgeschlossen habe, das auch sein Verhältnis zu den Eltern sehr belastete. Inzwischen arbeite er wieder als Azubi in der Firma des Vaters, habe den Kontakt zu den alten Freunden abgebrochen. Dass er nicht mit Drogen gehandelt habe, glaubten ihm Staatsanwältin und Gericht aber nicht. Dass mit dem Messer eine Waffe bereit gelegen hatte, machte die Sache für ihn nicht besser. Um die von der Anklagevertreterin geforderte Haftstrafe kam er herum. Urteil: ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung (Quelle: Michael Klein in der DZ vom 11. Jan. 2022).

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