Angeklagt und verurteilt (2022)

Kriminelle vor Gericht: Diebe, Betrüger, Schläger, Einbrecher, Räuber

Rechtsanwalt Benecken lässt seine Mandanten über den Alltag im Gefängnis erzählen. Der bekannte Marler Rechtsanwalt Burkhard Benecken hat sie alle vertreten: Mörder, Vergewaltiger, Menschenhändler, Prostituierte, Drogendealer… Und er hat sie alle, während sie zwischen Stuttgart-Stammheim, Castrop-Rauxel und Berlin-Moabit hinter Gittern saßen, in den deutschen Haftanstalten besucht. Grund war das Sammeln von Aussagen der von einzelnen Gefängnisinsassen über ihren Alltag hinter Gittern –für sein mittlerweise fünftes Buch „Inside Knast – Leben hinter Gittern – der knallharte Alltag in deutschen Gefängnissen“. Wie sieht die Realität der 67.000 Inhaftierten aus? Wie lebt es sich auf acht Quadratmetern ohne Küche, Bad, Internet und Handy? Wie viel Gewalt herrscht unter den Häftlingen? Wer hat im Knast das Sagen? Unter den Geschichten findet der Leser auch die von Sunny, einem ehemaligen Edel-Callgirl aus Marl, das in einer Betrügerbande in  millionenschwerer Kriminalität verwickelt wurde, was ihre eine mehrjährige Haftstrafe einbrachte. Burkhard Benecken: „Was Sunny im Frauenknast erlebt hat, hat mich derart bewegt, dass ich ihr ein eigenes Kapitel in meinem neuen Buch gewidmet habe.“ „Sunny“ (31) hat ihr altes Leben hinter sich gelassen. Sie ist seit November 2020 verheiratet und hat vor zwei Monaten ihr drittes Kind zur Welt gebracht. In Kürze will sie einen türkischen Lebensmittelmarkt an der Römerstraße in Hüls eröffnen. Aber auch andere inhaftierte Mandanten lässt Benecken in seinem Buch „Inside Knast“ ungeschönt zu Wort kommen. „Inside Knast – Leben hinter Gittern – der knallharte Alltag in deutschen Gefängnissen“, 224 Seiten, Riva-Verlag München, 29,99 Euro.

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Falsche Polizisten kassierten ab: Fahrer verurteilt. Ein Kurierfahrer holt bei einer Frau aus Dorsten Schmuck und Geld im Wert von über 20.000 Euro ab. Die Anrufer müssen extrem überzeugend gewesen sein. Gleich mehrfach haben vor allem ältere Menschen falschen Polizisten im vergangenen Jahr Bargeld und Schmuck übergeben. Was sie nicht ahnten: Sie waren skrupellosen Betrügern in die Falle gegangen. Auch eine Frau aus Dorsten gehörte zu den Opfern. Einer, der am Rande mit dabei war, ist Ende Mai 2022 in Essen verurteilt worden. Die Richter am Essener Landgericht haben dreieinhalb Jahre Haft verhängt. Mit dem Betrug selbst hatte der 53-Jährige allerdings nichts zu tun. Er war nur der Abholer. Der Angeklagte hatte einen Job als Kurierfahrer gesucht und bekommen. Am 4. Oktober 2021 war er auch in Dorsten-Feldmark. Dort hatte er den Auftrag, gegen 18 Uhr eine Tasche abzuholen, die vor einer Haustür deponiert war. Gepackt hatte sie eine 77-Jährige – mit Schmuck und Bargeld im Wert von über 20.000 Euro. Ihr war von falschen Polizisten vorgegaukelt worden, dass sie Opfer eines Überfalls werden könnte und ihre Wertsachen lieber in Sicherheit bringen solle. Im Gegensatz zu vielen anderen, hat sie jedoch alles wiederbekommen. Der Angeklagte war kurze Zeit später festgenommen worden. Die Beute anderer Opfer – insgesamt über 170.000 Euro – soll in der Türkei gelandet sein. Der Lohn des 53-Jährigen soll sich pro Fahrt auf 100 bis 200 Euro belaufen haben (Jörn Hartwich in DZ vom 26. Mai 2022).

Hunde ausgehungert und verwahrlost: Streit um Rettungsaktion. Kein Straftatbestand. In einer Wohnung in Dorsten wurden 2018 zwei völlig verwahrloste Pudel entdeckt. Für die Rettungsaktion musste die Besitzerin zahlen. Doch sie weigerte sich. Daher kam es im Mai 2022 zur Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen. – Es musste ein trauriger Anblick gewesen sein: Vor viereinhalb Jahren wurden in einer Wohnung in Dorsten-Hervest zwei Pudel entdeckt, die weder Futter noch Wasser hatten und auch sonst ziemlich verwahrlost waren. Für die Rettungsaktion der Hunde muss die ehemalige Hundehalterin zahlen. Das hatte das Verwaltungsgericht in Gelsenkirchen entschieden. Die beiden Pudel, die auf die Namen „Maxi“ und „Josi“ hörten, waren damals sofort untersucht und vier Wochen lang im Dorstener Tierheim wieder aufgepäppelt worden. Die Kosten hatte das Kreisveterinäramt später für Unterbringung, Tierarztkosten und Transport auf 873,20 Euro beziffert. Das war der Frau aus Hervest, die damals offenbar unter großen gesundheitlichen Problemen litt, zu viel. Ihrer Meinung nach hätten „Maxi“ und „Josi“ damals sofort einer Nachbarin übergeben werden können. Dann wären auch keine Tierheimkosten angefallen. So einfach war die Sache aber nicht. „Das war aus tierärztlicher Sicht nicht zu verantworten“, so der Verwaltungsrichter. Außerdem sollten die Hunde dauerhaft in gute Hände gegeben und nicht mal eben schnell irgendwo zwischengeparkt werden. Dass die Hervesterin ihre Hunde „Maxi“ und „Josi“ nicht wieder zurückbekommt, stand damals schnell fest. „Die Haltungsbedingungen waren katastrophal“, heißt es im Urteil (Quelle: Jörn Hartwich in DZ vom 14. Mai 2022).

Schmuck aus Polizistentrick-Betrug bei Juwelier in Dorsten versetzt. Nachdem die 52-jährige Dorstenerin ihrem Sohn 1240 Euro per Western Union in die Türkei transferiert hatte, machte sie den anderen Teil der Beute zu Bargeld. Sie verkaufte diverse Schmuckstücke für 1650 Euro bei einem Juwelier in der Innenstadt, zwei Diamant-Ringe behielt sie für sich. Sie steckten an ihren Fingern, als die Polizei die Frau Minuten später beim Bäcker gegenüber schnappte. Die Pretiosen und das Bargeld stammten von einem sogenannten „Polizistentrick-Betrug“, mit dem tags zuvor eine Seniorin um einige wertvolle Dinge erleichtert worden war. Aber nicht nur die 52-Jährige musste sich dafür am Anfang Mai 2022 vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten, sondern auch ihr 27-jähriger Neffe. Seine Fingerabdrücke fanden sich nämlich an der Innenseite der Geldkassette, die der alten Frau damals gestohlen worden war. Das Duo auf der Anklagebank schwieg zu den Vorwürfen. Ins Visier der Polizei waren sie geraten, weil vor drei Jahren einer Spezial-Ermittlungskommission der Kripo Essen aufgefallen war, dass eine bestimmte Bande bei ihren „Polizisten-Tricks“ neuerdings auch die EC-Karten samt PIN der Opfer einkassiert hatte. Regelmäßig hoben sie jeweils kurz vor und kurz nach 24 Uhr die maximal verfügbare Summe von den Konten der Opfer ab.
Als Kopf der Bande geriet ein Mann aus Dorsten in Verdacht, der in der Türkei untergetaucht war und dort von einem Call-Center aus die kriminellen Taten logistisch steuert. Er ist der Sohn der Angeklagten.
Wie die damalige Leiterin der Kripo-Kommission im Gerichtsaal erklärte, hatten die Beamten die Telefonanschlüsse des Bandenchefs überwacht. In einem Gespräch kündigte er an, zur geplanten Geburt seines Sohnes mit einem gefälschten italienischen Pass nach Deutschland einreisen zu wollen. Daraufhin hörte die Polizei auch die Telefone seiner Frau und seiner Mutter ab. Der Tatverdächtige kam zwar dann doch nicht nach Hause zurück. Die Beamten bekamen bei ihrer Abhöraktion aber mit, wie er seiner Mutter ankündigte, dass jemand mit dem gleichen Namen wie sein Cousin bald „übertrieben viel Gold“ bei ihr abliefern würde.
Als „falscher Polizist“ und Abholer der Beute bei der Seniorin sowie Übergeber war damals ein junger Mann angeheuert worden. Er wurde inzwischen verurteilt, gab aber als Zeuge im Gerichtssaal an, den Angeklagten nie zuvor gesehen haben. Gleichwohl wurden sowohl der 27-Jährige als auch seine Tante zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt (Quelle: Michael Klein in DZ vom 5. Mai 2022).

Ehestreit in Dorsten: Mutter nach Faustschlag knapp dem Tod entronnen. Konflikte, die innerhalb einer Ehe passieren, haben oft ein Nachspiel vor Gericht. So auch der Beziehungsstreit in einer Familie in Dorsten, der im Laufe des Jahres 2021 immer weiter eskalierte. Die Ehefrau erfuhr schließlich, dass ihr 31-Jähriger Mann – Vater der drei gemeinsamen Töchter – eine Geliebte hatte. Als sie deswegen im Juli die Trennung wollte, rastete ihr Ehemann in der Wohnung aus. Er rammte ihr mit Wucht die Faust in den Oberbauch und traf dabei die Milz. Mit lebensgefährlichen Verletzungen musste die Frau ins Dorstener Krankenhaus gebracht werden. Dort wurde das Opfer drei Mal notoperiert, zum Schluss musste das Organ entfernt werden. Die Ärzte waren lange nicht sicher, ob sie überhaupt durchkommen würde, so viel Blut hatte sie verloren. „Sie wird gesundheitlich bis an ihr Lebensende an den Folgen der Tat leiden“, erklärte ihre Anwältin. Sie vertrat das Opfer im Gerichtssaal vor dem Dorstener Amtsgericht, weil die Ehefrau psychisch noch immer so stark unter dem Eindruck des Geschehens stand, dass sie laut ärztlichem Attest nicht persönlich vor Gericht aussagen konnte.
Der Ehemann räumte die Tat ein. Nachdem er sie lebensgefährlich verletzt hatte, verließ er die Wohnung und führ weg, ohne sich um seine verletzte Frau zu kümmern. Dass sie die Attacke dennoch überlebte, hat sie einer ihrer Töchter zu verdanken. Denn das Mädchen hatte zusehen müssen, wie der Vater auf die Mutter losgegangen war. Es rief danach geistesgegenwärtig einen Bekannten der Familie an, der Polizei und Notarzt informierte. Die Rettungsdienste fanden die Frau schließlich auf dem Badezimmerboden liegend vor. Es war aber nicht die einzige Beziehungstat, die dem Mann vorgeworfen wurde. Einen Monat zuvor, diesmal unter den Augen aller drei Töchter, bedrohte er seine Ehefrau mit einem Butterbrotmesser, weil sie ihm nicht die Familienkasse mit Bargeld geben wollte. Um die Kinder nicht weiter zu ängstigen, lockte die Frau ihn hinaus in den Flur, wo der 31-Jährige sie an den Haaren die Treppe hinunterzog.
Gegenüber der Vernehmungsrichterin erklärte das Opfer, ihr Ehemann sei früher immer ein „sehr liebevoller Mensch und Familienvater gewesen“. Seine Wesensänderung konnte sie nicht richtig erklären, allerdings sprach sie von Drogenkonsum ihres Mannes. Der Angeklagte brachte ein Schreiben in den Gerichtsaal mit, das bestätigte, dass er in den nächsten Tagen eine Therapie antreten könne. Das Schöffengericht verurteilte den Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monate. Sein Verteidiger kündigte indes an, gegen das seiner Meinung nach zu hohe Strafmaß in Berufung gehen zu wollen (Entnommen Michael Klein in DZ vom 16. Apr. 2022).

Polizei überführte Kurier aus Dorsten mit falschen Geldscheinen. Als im Mai 2021 ein Senior 46.000 Euro abheben wollte, wurde der Bank-Mitarbeiter stutzig. Zum Glück für den alten Mann: Er wäre sonst um eine Menge Geld erleichtert worden. Denn als der Kunde andeutete, warum er die Summe benötigte, vermutete der Bank-Mitarbeiter einen sogenannten „Polizisten-Trick“ – und informierte die „richtige“ Polizei über seinen Verdacht. So landete ein jetzt 21-jähriger Dorstener am 27. April 2022 vor dem Jugendschöffengericht. Der Mann, der in der Lippestadt in einer Wohngruppe lebte, sollte damals als „Kurierfahrer“ für die Betrüger-Bande das in einer Mülltonne vor dem Haus des inzwischen verstorbenen Opfers abgelegte Geld abholen. Nachdem die Polizei damals von dem Bank-Angestellten informiert worden war, deponierte sie Geldschein-Kopien an dem vereinbarten Übergabe-Ort. Als der 21-Jährige die Mülltonne öffnete, wurde er festgenommen. „Ich bekam damals einen Anruf, dass ich 300 Euro bekommen würde, wenn ich das Geld abhole“, sagte der Syrer aus. „Über die Hintergründe wusste ich aber nichts.“ Das nahm ihm das Gericht auch so ab. Zwei Monate später wurde der junge Mann erneut straffällig. Im Recklinghäuser Hauptbahnhof wurde er von der Bundespolizei mit einer Schreckschusspistole, für die er keine Erlaubnis hatte und die er an dem Tage weiterverkaufen wollte, und mit Marihuana erwischt. Das Gericht verhängte gegen ihn eine einjährige Bewährungsstrafe inklusive zwei Wochen „Warnschuss-Arrest“ (Quelle: Michael Klein in DZ vom 28. April 2022).

Böser Sturz: Gericht verurteilt Frau nach Alkoholfahrt auf E-Scooter. Mit einer Menge Alkohol im Blut hatte eine Frau aus Dorsten einen schlimmen Unfall mit einem nicht versicherten E-Scooter. Dafür wurde sie jetzt verurteilt. Und hatte dabei noch viel Glück. Dass ein Sturz mit einem E-Scooter schlimme Folgen haben kann, musste im September des letzten Jahres eine 51-jährige Dorstenerin erfahren. Vor allem, wenn man dabei eine Menge Alkohol intus hat. Ihre Trunkenheitsfahrt beschäftigte Ende März 2022 das Dorstener Schöffengericht – denn die Hervesterin hatte sich auch deshalb strafbar gemacht, weil der Roller nicht versichert war. „Ich habe den auf dem Flohmarkt gekauft und wusste nicht, dass er ein Kennzeichen braucht.“. Der Unfall passierte gegen 21 Uhr auf dem Radweg der Glück-Auf-Straße. An dem Tag hatte sie zuvor ihre Wohnung geputzt, dabei „drei, vier Flaschen Bier getrunken“, sagte sie aus. „Abends habe ich dann gemerkt, dass ich tagsüber gar nichts gegessen hatte und wollte deshalb zu einem Imbiss fahren.“ Doch unterwegs verlor sie die Kontrolle über das Zweirad. Augenzeugen informierten Polizei und Notarzt, mit einem Rettungswagen wurde die Frau ins Krankenhaus gebracht. Eine Blutprobe zeigte 1,28 Promille. Die Richterin sprach von einer „Riesendummheit“ der Angeklagten. Denn das Gerichtsverfahren hätte durchaus dazu führen können, dass die Hervesterin zu fast drei Jahren  verurteilen worden wäre.
Die 51-Jährige war nämlich keine Unbekannte für die Justiz. Wegen ihrer Drogensucht hatte sie in der Vergangenheit mehrfach mit einer Waffe Einbruchsdiebstähle begangen – und stand zum Zeitpunkt der Alkoholfahrt unter gleich vierfacher Bewährung. Doch die Angeklagte hatte Glück – was sicherlich auch am positiven Bericht lag, den der Bewährungshelfer für seine Klientin im Gerichtsaal abgab. „Ich habe selten jemanden erlebt, der nach einer Inhaftierung so sehr versucht, sein Leben auf die Reihe zu bringen“, sagte er. Die Angeklagte hatte auch deshalb Glück, weil sie nicht erneut wegen eines Diebstahlsdelikts – also einschlägig – in Erscheinung getreten war. So konnte es das Schöffengericht bei einer Geldstrafe von 700 Euro bewenden lassen, womöglich wird aber die Bewährungszeit noch verlängert. Quelle: Michael Klein in DZ vom 24. März 2022

Mord aus Heimtücke: Lebenslänglich für Dorstener. Das Landgericht Fulda hat am Montag sein Urteil in einem Tötungsprozess gesprochen. Es verurteilte einen Dorstener Angeklagten (39) zur Höchststrafe. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 39-jährige Mann aus Dorsten im Februar 2021 einen 41 Jahre alten Landsmann, einen Syrer, in Fulda-Neuenburg erschossen hat. Der Dorstener hatte seinem Opfer früh morgens aufgelauert, als der Mann in sein Auto stieg. Er gab einen Schuss auf den Kopf des Insassen ab und flüchtete. Das Opfer erlag seiner Verletzung am Tatort. Nach der Tat flüchtete der Dorstener mit dem Auto von Fulda-Neuenburg nach Dorsten. Nach einer wilden Verfolgungsjagd durch Spezialeinsatzkräfte der Polizei auf der A31 konnte der mutmaßliche Täter in der Ausfahrt Dorsten-Holsterhausen ausgebremst und gestellt werden. Seitdem saß der 39-Jährige in Untersuchungshaft. Ein Amtsgericht stellte den Haftbefehl gegen ihn aus. Nach mehreren Prozesstagen plädierte die Staatsanwaltschaft am Ende der Beweisaufnahme auf Mord und forderte die Höchststrafe, weil sie niedrige Beweggründe und Heimtücke, als gegeben sah. Der Anwalt des Angeklagten ging von einer Affekttat aus. Das Gericht stimmte tendenziell mit der Staatsanwaltschaft überein und verurteilte den 39-jährigen Dorstener wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Gericht sprach in seiner Urteilsbegründung von einer „kaltblütigen Hinrichtung“. Das Opfer sei chancenlos gewesen, als der Täter ans Auto trat, aus seiner Waffe feuerte und den Mann mit einem Kopfschuss tötete. Die Leiche des 41-jährigen Mannes wurde kurz nach der Tat in dem Auto entdeckt. Von da an fahndete die Polizei nach einem mutmaßlichen Täter und heftete sich umgehend an die Fersen des Dorsteners. Die Beamten gingen früh davon aus, dass Täter und Opfer sich kannten. In der Ausfahrt der A31 in Holsterhausen-Schermbeck endete die spektakuläre Flucht des jetzt verurteilten Angeklagten. Mit einem Auffahrunfall „bremsten“ die Spezialeinsatzkräfte den 39-Jährigen in seinem Fahrzeug aus und nahmen ihn fest. Etliche Zeugen verfolgten damals geschockt das filmreife Geschehen (Quelle: Claudia Engel in DZ vom 8. März 2022).

Zwei Jahre Haft für zwei große Einbrüchen. Werkzeug für 6.000 Euro lieh sich ein Hausbauer vom THW aus, es wurde von der Baustelle gestohlen. Ein Verdächtiger wurde vor Verhandlung vor dem Amtsgericht Dorsten überführt und bestraft. Unter dem Fake-Verkäufer-Namen „Martin Apfel“ wurden 2021 bei Ebay-Kleinanzeigen einzelne Beutestücke aus zwei Groß-Einbrüchen in Dorsten angeboten: darunter eine Kettensäge und ein Abbruchhammer. Die Diebstahlsopfer hatten die Ware anhand der Seriennummer (Säge) und anderer Merkmale unzweifelhaft als ihr Eigentum identifizieren können. Ins Visier der Ermittler geriet ein 36-jähriger Schweißer aus Deuten: Die Adresse seines Einfamilienhauses war als Abholort bei Ebay angegeben worden, die E-Mail-Angaben trugen seinen echten Nachnamen. Und als die Polizei bei der Hausdurchsuchung schließlich nicht nur Drogen, sondern auch besagte Kettensäge fand, wählte eine Kripo-Beamtin die bei Ebay hinterlegte Telefonnummer von „Martin Apfel“: Das Smartphone des Verdächtigen klingelte.
Im Prozess vor dem Schöffengericht stritt der Angeklagte Ende Januar 2022 am Mittwoch bis auf den Drogenbesitz aber alles ab. Weder habe er etwas mit dem Einbruch in den Container einer Friedhofsgärtnerei in Rhade zu tun (bei dem Sägen, Laubbläser, Rasenmäher für 4500 Euro entwendet wurden) noch mit dem Diebstahl aus einem Rohbau in Alt-Wulfen, wo Werkzeugmaschinen für 6000 Euro weggeschleppt worden waren. Womöglich habe er Feinde, die ihm etwas anhängen wollen, äußerte er sich vor Gericht. „Vor zwei Jahren wurde in Deuten bereits mein Bienenstand angezündet und die Bienen sind verbrannt.“ Doch es gab weitere Indizien, die gegen seine Einlassungen sprachen. Während der Verteidiger auch am Ende des Prozesses noch meinte, die Anklage „steht auf tönernen Füßen“, urteilte das Gericht: Zwei Jahre Haft, da der Deutener unter Bewährung stand (Quelle: Michael Klein in DZ vom 27. Jan. 2022).

Überfall mit Waffen bei Autokauf auf einem Schulparkplatz. Beim Internet-Verkaufsportal „Ebay“ fand der 36-jährige Ingenieur aus Hannover einen Gebrauchtwagen ganz nach seinem Geschmack: Einen Audi A 4, Kombi, gut 13.000 Euro sollte das Auto kosten. Doch als er schließlich mit seinem Schwager das Gefährt bei der Fahrzeug- und Geld-Übergabe auf dem Parkplatz der Albert-Schweitzer-Grundschule in Dorsten am 4. September 2020 abholen wollten, machten sie nicht nur die Bekanntschaft des Auto-Verkäufers, der mit einem Bekannten zum vereinbarten Treffpunkt gekommen war, sondern auch mit zwei „merkwürdigen Gestalten“, die plötzlich maskiert und bewaffnet aus dem kleinen Wäldchen nebenan aufgetaucht waren, den Kaufwilligen mit einer Waffe verletzten und von ihm das Geld forderte. Sein Begleiter wurde ebenfalls niedergeschlagen. Schließlich konnte sich der 36-jährige Ingenieur in sein Auto retten. Als er dort mit seinem Handy den Notruf wählte, ließen die beiden Täter von ihren Opfern ab und flüchteten ohne das Geld, das der Hannoveraner in einer Gurttasche verstaut hatte.
Vor Gericht mussten sich Mitte Januar 2022 aber nicht die beiden immer noch unbekannten Bewaffneten verantworten, sondern der 27-jährige Autoanbieter, der den Treffpunkt vorgeschlagen hatte, und dessen Begleiter. Denn die Staatsanwaltschaft war im Zuge der Ermittlungen zu der Auffassung gelangt, die beiden hätten sich der Mithilfe schuldig gemacht, also mit den bewaffneten Masken-Männern zusammengearbeitet. Ein kniffliger Fall. Laut der beiden Hannoveraner hatten sich die beiden Beschuldigten, die im Gerichtssaal übrigens keine Angaben machten, „das ganze Spektakel seelenruhig angeschaut“ – ohne einzuschreiten und ohne von den Maskierten beachtet worden zu sein. Wenn sie aber Mittäter gewesen waren: Warum haben sie an dem Abend selbst die Polizei zu Hilfe gerufen, nachdem die „Haupttäter“ weg waren? Warum hat der 27-Jährige von vornherein dem Opfer seinen richtigen Vor- und Zunamen genannt, wenn er doch eine solche Straftat plante? Selbst die Staatsanwältin meinte am Ende, vielleicht sei dies alles nur ein „Zufall“ gewesen, vielleicht hätte lediglich jemand vorher durch Gespräche mitbekommen, dass die Angeklagten an dem Abend in Dorsten Geld für ein Auto erhalten sollten – und das Wissen für den Überfall genutzt. Am Ende ließ sich eine Mittäterschaft der Angeklagten nicht beweisen: Es gab einen Freispruch (Quelle: Michael Klein in der DZ vom 20 Jan. 2022).

Mutter von drei Kindern handelte mit Drogen. Eine alleinerziehende 32-j#hrige Mutter von drei Kindern im Alter von 9 bis 15 Jahren rutschte in die Drogensucht ab, dealte und musste sich im Januar 2022 vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten. Im August 2020 fand die Polizei in ihrer Wohnung 100 Gramm Amphetamine, dazu Marihuana, Kokain, Verpackungsmaterial  und Feinwaagen. „Drogenhandel“ so hieß dann auch der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Doch die Angeklagte wollte das alles für mehrere hundert Euro nur für den Eigenbedarf gekauft haben. Der Staatsanwalt glaubte ihr nicht, zumal die Polizei WhatsApp-Nachrichten sichergestellt hatte, die belegen sollten, dass die Frau doch gedealt hatte. Schließlich legte die Dorstenerin, die inzwischen clean ist, ein Geständnis ab. Das Gericht verurteilte sie zu 18 Monaten auf Bewährung. „Die Bewährungszeit von drei Jahren soll wie ein Damoklesschwert über ihr hängen, denn ihr muss klar werden, dass sie ansonsten ihre Kinder längere Zeit nicht sehen wird“, erklärte die Richterin. Zum eigenen Schutz soll sie sich regelmäßig bei der Drogenberatungsstelle melden, um zu zeigen, dass sie weiter drogenfrei lebt (Quelle: Michael Klein in DZ vom 18. Jan.2022).

Prozess Mitte Januar 2022 als Folge einer Sprengstoff-Polizei-Razzia 2019 in Rhade. Nachdem die Polizei am 20. August 2019 die frei im Internet zugängliche Sprengstoff-Plattform „xplosives.net“ stillgelegt hatte, fuhr bei einer internationalen Groß-Razzia mit 1000 eingesetzten Beamten gegen 7 Uhr eine spektakuläre Kolonne von Einsatzfahrzeugen auch an der Straße „Am Stuvenberg“ in Rhade vor. Darunter ein Panzerwagen, der zur Sicherung von Sprengstoffen dient. Denn auch der Mann aus Rhade war ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. Er gehörte zu den 360 aktiven Mitgliedern, die sich online über Sprengstoffe und zum Teil auch über den Bau von Waffen austauschten. Bei der Wohnungsdurchsuchung des damals 30-Jährigen sicherten die Einsatzkräfte jedenfalls eine Menge Chemikalien, Patronen-Munition, USB-Sticks – und fanden zwei Gegenstände, die dem Mann jetzt ein Verfahren vor dem Dorstener Schöffengericht einbrachten – wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und unerlaubten Waffenbesitzes. Vor allem der erste Vorwurf ist normalerweise eine schwere Straftat. Der Angeklagte hatte von einer 5,6 Millimeter-Geschosspatrone, die er vor 16 Jahren aus einer Kaserne als „Andenken“ mitgehen ließ, also Diebschlag oder Unterschlagung. Beim zweiten Anklagepunkt handelte es sich um eine 9 Millimeter-Gas-Signalpistole, also um eine Schreckschusswaffe, die der Mann im Internet erworben hatte. Das Problem dabei: Die Waffe ist in Deutschland nicht zugelassen, weil sie nicht das nötige Prüfsiegel aufweist. Der Staatsanwalt attestierte dem Angeklagten einen Hang „zu allem, was knallt, das fasziniert ihn“, Der Staatsanwalt forderte ein Jahr und drei Monate auf Bewährung, der Verteidiger plädierte auf „minderschweren Fall“, das Gericht verhängte sechs Monate auf Bewährung, dazu 600 Euro Geldstrafe. „Wir wollen das alles nicht verharmlosen, ihn aber auch nicht unnötig kriminalisieren“, hieß es. Zumal der Angeklagte bislang nur eine Vorstrafe hatte: Er war unberechtigt in ein stillgelegtes Bergwerk eingedrungen und hatte davon unvorsichtigerweise ein Foto auf einer „Verlassenen-Orte“-Internetseite gepostet (Quelle: M. Klein in DZ vom 14. Jan. 2022).

Oma in Dorsten sauer: Enkel sorgt für Drogen-Razzia in ihrem Haus. Bei einer Drogenrazzia in Dorsten fanden Kripobeamte in der Wohnung eines jungen Mannes gut 300 Gramm Marihuana und ein Messer. Der 21-jährige Angeklagte bewohnte eine Wohnung im Haus der Oma in Dorsten. Der Enkel hat seine Großmutter nach eigenen Angaben ziemlich sauer damit gemacht, dass in seiner Abwesenheit vor gut einem Jahr die Kripo mit einem Durchsuchungsbeschluss zu der gemeinsamen Adresse ausrückte. Das Drogendezernat hatte einen anonymen Hinweis bekommen, dass er mit Rauschgift handelt. Die Polizisten wurden fündig. 320 Gramm Marihuana lagen auf dem Wohnzimmertisch. Dazu eine Feinwaage, Verpackungsmaterial – und ein Messer. Der junge Mann stritt vor dem Schöffengericht Dorsten Mitte Januar 2022 ab, mit dem Stoff gedealt zu haben. Vielmehr habe er in einer „Einkaufsgemeinschaft“ mit Freunden einen Lieferanten beauftragt, das Cannabis für ihren Eigenbedarf vorbeizubringen. „Der hat dann die gesamte Tüte mit den anderen Sachen drei Tage bei mir gelagert“, sagte er vor dem Schöffengericht aus. Der Angeklagte beteuerte, dass er mit dem Thema Rauschgift abgeschlossen habe, das auch sein Verhältnis zu den Eltern sehr belastete. Inzwischen arbeite er wieder als Azubi in der Firma des Vaters, habe den Kontakt zu den alten Freunden abgebrochen. Dass er nicht mit Drogen gehandelt habe, glaubten ihm Staatsanwältin und Gericht aber nicht. Dass mit dem Messer eine Waffe bereit gelegen hatte, machte die Sache für ihn nicht besser. Um die von der Anklagevertreterin geforderte Haftstrafe kam er herum. Urteil: ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung (Quelle: Michael Klein in der DZ vom 11. Jan. 2022).

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