Ampeln (Essay)

Seit langem ein Ärgernis – Erste Ampel der Welt explodierte in London 1860

Wie die „Dorstener Zeitung“ und vor Jahren auch noch die WAZ, bevor sie eingestellt wurde,  immer wieder berichteten, waren die Ampelanlagen in der Dorstener Innenstadt immer wieder Grund für Unmut und Ärger. Und das sind sie heute noch, sogar in verstärktem Maße, denn vor allem die Ampelanlagen auf den Straßen Willy-Brand-Ring und Westwall sind so geschaltet, dass sie selbst bei Grün Rückstaus haben. Unmut und Ärger darüber steigen, doch auf den Straßen bleibt es wie es ist. Wer beispielsweise auf der B 224 vom Busbahnhof stadtauswärts bis zur Kanalbrücke fährt, kommt hat immer eine Stauphase, ob die Ampel Grün zeigt oder hintereinander Rot zum Stoppen anhält. stop and go bei jeder Ampel. Auch Fußgänger sind betroffen. Wer beispielsweise auf das Grün der Fußgängerampel an der Lippestraße zum Mercaden den Westwall überqueren will, muss sich sputen. Selbst Fußgänger, die flotter sind als andere, gehen bei Grün los und erreichen bei Rot die andere Straßenseite. Menschen mit Gehbehinderungen oder einfach nur ältere Menschen geraten in Geh-Panik, wenn bei der Hälfte der Überquerung die Ampel rot zeigt. Die „Dorstener Zeitung“ zitiert zu diesem gesamten Ampelschaltungsproblem die Pressestelle der Stadt: „Allen Verkehrsteilnehmern sollte klar sein, dass es in der Innenstadt keine freie Durchfahrt geben wird, da auf wenig Raum mit hoher Verkehrsdichte und dem besonderen Nadelöhr Kanalbrücke an den Mercaden verschiedenste Ansprüche von Verkehrsteilnehmern unter einen Hut gebracht werden müssen.“ Und: „Das Ampelsystem gilt als noch leistungsfähig“, so Stadtsprecher Ludger Böhne. – Übrigens gibt es im Dorstener Stadtgebiet 73 Lichtzeichenanlagen, davon 51 auf NRW-Landesstraßen, 10 auf Kreisstraßen Recklinghausen und 12 auf städtischen Straßen. Als Lichtzeichenanlage (LZA) gilt die komplette Anlage für eine Kreuzung, einen Überweg u. ä. Die Anzahl der einzelnen Leuchtampeln an einer Lichtzeichenanlage ist unterschiedlich hoch.

Erste Ampel gab es 1860 in London – sie explodierte nach drei Wochen

Ärger gab es bereits nach Aufstellung der ersten Ampel der Welt. Das war vor 150 Jahren in London (Bild), als der Chef von Scotland Yard sie aufstellte. Ärger deshalb, weil die Ampel drei Wochen nach Inbetriebnahme explodierte. Der Verkehrspolizist, der sie bediente, wurde verletzt. Andere Quellen sagen, dass er sein Leben verlor. Wie auch immer: Heute weist an der Stelle eine grüne Plakette auf den Erfinder der Ampel hin: John Peake Knight. Seine Idee war es, Signale aus dem Schienenverkehr auf die Straße zu übertragen. Die Ampel ahmte einen Polizisten nach, der den Verkehrsteilnehmern mit seinen Armen Zeichen gab. Nur hatte die Ampel drei davon: Zeigten sie nach oben, mussten Reiter und Kutschen anhalten, zeigten sie nach unten, war die Fahrt frei. Nachts leuchtete zusätzlich eine Laterne, in den heute noch gebräuchlichen Farben Rot oder Grün. Die Ampel wurde dort installiert, damit die Abgeordneten schneller über die Straße und ins Parlament gelangen konnten. Trotz der Explosion blieb sie bis 1872 in Betrieb. Dann verschwand die Signalleuchte und Londons Straßen waren für rund 50 Jahre ohne Ampel. Nach dem spektakulären Misserfolg in London dauerte es 46 Jahre, bis die erste elektrische Ampel 1914 in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio in Betrieb ging – von da an trat die Ampel einen Siegeszug über New York in die ganze Welt an.

Ein hoher fünfeckiger Turm war die erste Ampel in Deutschland

1924 wurde in Berlin ein fünfeckiger und acht Meter hoher Ampelturm errichtet (Bild). Auf dem Turm mit Kabine auf dem Potsdamer Platz, damals der verkehrsreichste Platz Europas, saß ein Polizist und steuerte das Signal per Hand. Der Turm gilt als erste Ampel Deutschlands. Diese erste zentral gesteuerte Lichtsignalanlage stürzte Berlin dann zwei Jahre später in ein Verkehrschaos, da alle Ampeln gleichzeitig umsprangen. Erst die Schaltung einer „grünen Welle“ schaffte Abhilfe. Viel später, in den 1980er-Jahren, kamen die Induktionsstreifen dazu, um den Bedarf zu ermitteln und unnötige Haltezeiten einzudämmen. Mit steigendem Verkehr hat die Ampel erst nach dem Zweiten Weltkrieg bundesweit in Deutschlands Straßen Einzug gehalten. Rein statistisch gesehen verbringt heute jeder Deutsche zwei Wochen seines Lebens vor einer roten Ampel.

Siehe auch: Bergmännchen-Ampel


Quellen: Gekürzt nach dpa-Bericht Neumeyer/Christiansen Dez. 2018. – Auskunft Stadtsprecher Ludger Böhne Januar 2018. – Wikipedia (Aufruf 2019).

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