Wolthaus, Bernhard

Seit 60 Jahren ist er Organist an St. Laurentius in Lembeck

Geboren 1931 in Lembeck; Landwirt, Organist und Dirigent. – In seiner Person vereinigen sich zwei grundlegende Strömungen, die nur auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinen, doch wichtig für sein Leben sind, vor allem für seine  Lebenszufriedenheit. Die Rede ist von Bernhard Wolthaus, der seit über 60 Jahren Tag für Tag in der Lembecker Laurentiuskirche die Orgel spielt. Dabei ist die Redewendung Tag für Tag keineswegs übertrieben angebracht, denn bis auf einen Krankenhausaufenthalt sitzt Wolthaus seit 1952 jeden Tag auf dem Orgelboden und spielt zur täglichen Messe und zu Gottesdiensten die Orgel. „Nur einen Tag habe ich gefehlt“, sagt er mit Stolz. Neben der Orgel haben es ihm auch die kirchlichen und weltlichen Chöre der Kirche in Lembeck und im Stadtteil Deuten angetan, die er dirigiert. Die heilige Cäcilia, unter deren Schutz landauf landab Chöre erstanden sind, würde ihre Freude an Bernhard Wolthaus haben. Heute dirigiert er noch drei Chöre, die sich mittlerweile aus ursprünglich sechs Choren zusammengetan haben.

....... Wolthaus; Foto: Maria Nienhaus

Organist Bernhard Wolthaus; Fotos: Maria Nienhaus

Bislang im Dienst von acht Pfarrern

Bei so viel Musik in und um Bernhard Wolthaus muss konstatiert werden, dass der heute 81-jährige agile Laurentius-Organist, der 30 Jahre lang seine Pfeifen auch technisch in Schuss hielt, kein klassisch-studierter Musiker ist. Er aus dem Bauernstand und bewirtschaftete von jung an den elterlichen kleinen Hof und lernte „so nebenbei“ Musik. Tägliches Orgelspiel und jeden Tag das Vieh zu versorgen sowie Felder und Äcker zu bestellen, wie passt das zusammen? Er schmunzelt bei dieser Frage, denn er erinnert sich an so manche heikle Situation, als er beispielsweise in derben Holzklumpen mit erdverkrusteten Hosenbeinen die Orgelpedalen bediente oder er mit Pferd, direkt vom Acker zur Kirche ging, es vor der Kirche anband, die Messe spielte, danach mit dem Pferd wieder auf dem Acker weiterpflügte.

Nach sechzig Jahren tägliches Orgelspiel und Chordirigat ehrte ihn die Gemeinde in diesem Jahr mit einem in der Kirche am Aufgang zur Orgelbühne eingelassenen Stein, auf dem eingemeißelt steht: „60 Jahre Bernhard Wolthaus – Organist in St. Laurentius.“ Und wer den Geehrten in seiner geistigen und körperlichen Gelenkigkeit vor sich sieht, weiß, dass in zehn Jahren ein weiterer Stein fällig sein könnte. Mit dem Pfarrer seiner Taufe stand er in St. Laurentius bislang im Dienst von acht Pfarrern.

Sein Lehrer nannte ihn nur „Musik“ – und Musik gehörte zu seinem Leben

..... Wolthaus in der Laurentiuskirche Lembeck; Foto: Maria Nienhaus; Dass Musik zu seinem Leben gehören würde, erkannte bereits sein Lehrer in der Volksschule, der den kleinen Bernhard ab dem 5. Schuljahr nur „Musik“ nannte, denn sein kribbeliger Hang zur Musik blieb vielen nicht verborgen. Gerne wäre er Berufsmusiker geworden, doch die heimischen Zustände auf dem Hof ließen das nicht zu. Er verlor seinen Wunsch, Musiker zu werden, nie aus den Augen. Als 12-Jähriger nahm er Klavierunterricht bei Seidemann in Dorsten. Von 1948 bis 1952 brachte der Lembecker Organist Weichselbaum ihm das Orgelspielen bei, dessen Stelle Bernhard Wolthaus danach übernehmen konnte, als Weichselbaum versetzt wurde. Ab 1954 dirigierte er den MGV Frohsinn, der sich später mit dem Kirchenchor zusammenschloss. Fast zehn Jahre lang war Wolthaus Klavier- und Harmonielehrschüler bei dem Komponisten A. Berghorn in Gelsenkirchen-Buer, übernahm in Deuten den Chor und begann selbst Schüler auszubilden. Noch heute hat er etwa 15 Schüler, denen er Trompeten-, Gitarren-, Querflöten-, Klavier- oder Akkordeonunterricht gibt. Zuvor hatte Bernhard Wolthaus noch 1970 die C-Prüfung als Organist abgelegt, war auch Musiklehrer an der Lembecker Hauptschule, legte dann auch noch die Jugendmusiklehrerprüfung an der Hochschule für Musik in Münster und arbeitete auch als Musiklehrer an der Dorstener Musikschule. 1996 wurde er Rentner, behielt allerdings alle Arbeitsverhältnisse aufrecht – bis heute. Seine 81 Jahre sind für ihn keine Grund, daran etwas zu ändern.

Die Folgen des Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65), auf dem u. a. die Liturgie von Gottesdienst und Messen reformiert wurde, bemerkte auch der Organist in Lembeck, auch wenn der sonntägliche Choral und Troitus weiterhin in Latein gesungen wurden, so fanden sich immer weniger Sänger für den Chor, um die schwierigen Choräle zu singen. Dennoch wird die Messe zu Ostern, Pfingsten, Weihnachten und an anderen Hochfesten weiterhin in Latein gesungen.

Stimmgabel im Kopf

Bernhard Wolters hat zwar nicht das absolute Gehör, doch eine Stimmgabel im Kopf. Er kann mit einem tinnitusähnlichen Effekt seine Stimmlage so erzeugen, dass er wie auf Knopfdruck den richtigen Ton trifft  Vieles an Bernhard Wolthaus ist eben phänomenal!

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