Ukraine und Dorsten (V)

16. bis 31. März 2022: Chronologie der Dorstener Reaktionen auf den Krieg

Ankunft von Flüchtlingen am Bahnhof in Hervest

Die Hauptstadt Kiew der Ukraine ist etwas mehr als 1600 Kilometer Luftlinie von Dorsten entfernt. Das sind zweieinhalb Stunden mit dem Flugzeug. So nah ist der Krieg, den die Russen im Februar 2022 angefangen haben. Dieser völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands hat die Welt verstört und eine weltweite Welle der Solidarität ausgelöst. Auch in Dorsten. Darüber gab und gibt die „Dorstener Zeitung“ täglich beredte Auskunft. Dorstener Vereine, die Stadt, Privatpersonen, Kirchengemeinden, hier bereits lebende Ukrainer organisierten und organisieren tatkräftige Hilfsleistungen. Und die Bürger spenden Geld, geben notwendige Gebrauchgegenstände, beten und zeigen öffentlich ihre Solidarität mit der Ukraine. Ein täglicher Blick in die Lokalzeitung informiert darüber und wir informieren fortschreibend unsere Leser mit dieser Chronologie über die Ukraine-Berichterstattung der „Dorstener Zeitung“, beginnend am 24. Februar bis zum 28. Februar in der Datei „Ukraine und Dorsten (III)“, fortgesetzt mit 1. bis 15. März (IV) und in dieser Datei bis zum 31. März.

Freitag, 18. März
Container-Dorf für Flüchtlinge auf Sportplatz im Marienviertel denkbar
Dorsten muss sich in den nächsten Wochen und Monaten auf weitere Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine einstellen. Die Stadt hat den Sportplatz an der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Realschule angeboten. Hier könnte bis Ende März 2023 ein Zeltlager oder ein Container-Dorf für Flüchtlinge aufgebaut werden. „So lange dauert es mindestens, bis der Bebauungsplan fertig ist“, sagt der Bürgermeister. Die Interessengemeinschaft im Marienviertel, in die Planungen für ein neues Wohngebiet eingebunden, habe großes Verständnis signalisiert. Auch eine Turnhalle könnte laut Stadtverwaltung als vorübergehende Bleibe für Kriegsflüchtlinge vorbereitet werden. Die Stadt hat 150 Feldbetten und Raumteiler aus der Zeit der Flüchtlingswelle 2015/2016 eingelagert. In Recklinghausen wird bereits die Sporthalle des Kuniberg Berufskollegs zu einer solchen „Pufferzone“ umgebaut. Mehr als 100 Kriegsflüchtlinge sind inzwischen direkt in Dorsten angekommen, dort registriert und zu 90 Prozent privat untergekommen. Derweil läuft bereits die Integration der Ukrainer, bei denen es sich überwiegend um Frauen, Jugendliche und Kinder handelt. Einige nehmen bereits am Schulunterricht teil – bevorzugt dort, wo die Klassenstärke noch nicht vollends ausgeschöpft ist.

„Unternehmer des Jahres“ spenden gemeinsam 30.000 Euro für die Ukraine
Die schlimmen Kriegsereignisse in der Ukraine haben auch die hiesige Unternehmerfamilie Tüshaus, Inhaberin der Dorstener Drahtwerke, tief bewegt. Da zwei Mitglieder der Familie zum Kreise der seit 2005 von der Dorstener Zeitung ausgezeichneten „Unternehmer des Jahres“ gehören, hatte die Geschäftsführung die Idee, dass alle noch lebenden bisherigen „Unternehmer des Jahres“ dazu aufgerufen werden, sich als Gemeinschaft zu präsentieren und Geld für die Ukraine-Hilfe zu spenden. Fast alle bisherigen „Unternehmer des Jahres“ haben mitgemacht, teils drei-, teils fünfstellige Beträge gespendet. 30.000 Euro sind so zusammengekommen. Das Geld kam der Csilla-von-Boeselager-Stiftung Osteuropahilfe e.V. zugute, die seit 20 Jahren auch Hilfsprojekte in der Ukraine unterstützt.

Samstag, 19. März
In Josef-Sporthalle werden rund 100 Flüchtlinge untergebracht
Dorsten wird eine weitere zentrale Unterkunft bekommen, in der Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht werden. Die Bezirksregierung Münster hat angekündigt, dass die Sporthalle der ehemaligen Josefschule wahrscheinlich für 100 Menschen benötigt wird. Die ersten Ukrainer werden voraussichtlich noch im März 2022 eintreffen. Die Sporthalle befindet sich am Hellweg im Dorstener Stadtteil Hervest. Derzeit wird sie von rund einem halben Dutzend Dorstener Vereinen und Gruppen regelmäßig genutzt. Sie werden nun auf andere Hallen in Dorsten verteilt. Auch der Landrat sei über die kurzfristig erfolgte Entwicklung informiert worden. Denn die Halle werde auch für den Sportunterricht des Paul-Spiegel-Berufskollegs genutzt, zum Teil auch für anstehende Prüfungen. Die Josefhalle sei deswegen als geeignet eingestuft worden, weil sie bereits für besondere Erfordernisse, wie Evakuierungen und dergleichen, gerüstet sei. Die Stadt habe inzwischen mit den notwendigen Vorbereitungen begonnen, es werden Trennwände installiert, um die erforderlichen Aufenthaltsbereiche zu schaffen.

Arbeitskreis nahm Geldspenden für Flüchtlinge in Rybnik an
Mit großer Betroffenheit nimmt auch der Freundeskreis St. Theresia/Rybnik in St. Nikolaus Hardt die Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine wahr. Der Freundeskreis pflegt seit mehr als 20 Jahren ein freundschaftliches Verhältnis zu der Gemeinde. Rybnik hat aktuell 50 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. „Gerne würden wir sie bei der Beherbergung finanziell unterstützen, um Dinge des alltäglichen Bedarfs kaufen zu können“, schreibt der Freundeskreis. Geldspenden nimmt das Team, gerne auch anonym, im „Buch- und Eine-Welt-Laden“ im Turmgässchen (neben Imbiss Funke) entgegen.

Mit der Registrierung gab es bereits eine Arbeitserlaubnis
Die ersten Schutzsuchenden aus der Ukraine haben bereits bei der Arbeitsagentur um Beratung gebeten. Mit der Registrierung gibt es bereits eine Arbeitserlaubnis. Ein Flyer in ukrainischer Sprache soll die Schutz- und Arbeitssuchenden mit grundsätzlichen Informationen zur Arbeitsaufnahme versorgen und über Zuständigkeiten und Ansprechpartner aufklären. Mit Bildungsträgern sind bereits Sprachkurse abgesprochen, Dolmetscher-Dienstleistungen eingekauft worden. Da die Neuankömmlinge traumatische Erfahrungen hinter sich haben, sollen auch psychosoziale Dienste angeboten werden. Arbeitsplätze sind etwa in der Pflege und im Handel denkbar. Dreh- und Angelpunkt ist jedoch die Sprache.

Ukraine-Flüchtlinge: Kandidat Kutschaty will unbürokratische Lösungen
Thomas Kutschaty möchte im Mai Ministerpräsident des Landes werden. Mitte März schaute er sich mit SPD-Landtagskandidatin Sandy Meinhard auf dem Dorstener Zechengelände Fürst Leopold um, auch im Tisa-Archiv. Dort äußerte er sich zum Ukraine-Problem. Dass auf die noch nicht beendete Coronakrise jetzt die nächste Krise folge, sei eine besondere Herausforderung fürs Land. „Das ist eine Ausnahmesituation, in der pragmatisch und unbürokratisch gehandelt werden muss“, sagte Kutschaty, der sich für eine gesteuerte Zuweisung der Flüchtlinge nach Leistungsfähigkeit der Kommunen ausspricht. „Wenn sie hier sind, sollten wir schnellstens dafür sorgen, dass die Kinder in Kitas und Schulen gehen können, gleichzeitig aber auch mindestens zeitweise muttersprachlich betreut werden.“ Papiere, Formulare und Antragsverfahren sollen da allenfalls nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Sonntag, 20.März
Vortrag und Diskussion zum Angriff auf die Ukraine und den Westen
Die Stadt Dorsten lädt zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem deutsch-russischen Journalisten Andrey Gurkov ein. Beginn der Veranstaltung am 20. März (Sonntag) ist um 18 Uhr in der Aula des Gymnasium Petrinum. Mit der Invasion russischer Truppen in die Ukraine ist der Krieg nach Europa zurückgekehrt. Dieser Schock zwingt nicht nur Europa dazu, sich neu zu sortieren. Andrey Gurkov geht insbesondere der Frage nach, warum der russische Machthaber diesen Krieg wollte und so viele Menschen in Russland ihn befürwortet haben. Andrey Gurkov ist seit seiner Kindheit ein Pendler zwischen zwei Welten: Russland und Deutschland. Er wurde 1959 in Moskau geboren und wuchs in Berlin (Ost) und später in Bonn auf. Er studierte Journalistik an der Universität in Moskau und schrieb seine Diplomarbeit an der Universität Leipzig. Nach seiner Tätigkeit für eine Wochenzeitung, die ein Vorreiter der Glasnost-Politik war, arbeitet er seit 1993 in der Russischen Redaktion der Deutschen Welle und ist gern gesehener Gast bei zahlreichen deutschen Rundfunk- und Fernsehsendern. Die Veranstaltung ist kostenfrei, die Stadt Dorsten bittet die Teilnehmenden um eine Spende zu Gunsten der Ukraine-Hilfe.

Dienstag, 22. März
Dorsten schafft Platz für mindestens 1.300 weitere Kriegsflüchtlinge
Vorbereitungen zur Massen-Aufnahme von Ukrainern laufen bereits, um bis zu 1300 weiteren Kriegsflüchtlingen eine vorübergehende Bleibe in Landeseinrichtungen (Provisorien) zu geben. Am 22. März 2022 hat der Löschzug Hervest Dorf damit begonnen, die Sporthalle der ehemaligen Josefschule herzurichten. Ein frisch gekaufter PVC-Boden wird verlegt und verklebt. Es werden 100 Feldbetten aufgestellt. Die Sportgeräte waren am Morgen in der Tiefgarage am Rathaus eingelagert worden. Die Bezirksregierung Münster will bis zum Frühsommer zunächst 5000 zusätzliche Plätze zur Unterbringung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine schaffen. Etwa ein Drittel davon auf Dorstener Stadtgebiet. Auch die Sporthalle in Rhade ist schon als weitere Notunterkunft im Gespräch.
Weiter will die Bezirksregierung durch den Bau von Leichtbauhallen auf dem Sportplatz an der Bochumer Straße in Dorsten Notunterkünfte für 400 Menschen schaffen. Auf dem Sportplatz der früheren Gerhart-Hauptmann-Realschule im Marienviertel werden für mindestens ein Jahr Großzelte aufgestellt, die 800 Menschen Platz bieten könnten. Zunächst jedoch müsse die Versorgung mit Wasser, Strom und WLAN sichergestellt sein. Den Kontakt in die Heimat möchten die Flüchtlinge nicht verlieren.

Dorsten-Ukraine-Buttons gegen eine Spende in der Stadtinfo erhältlich
Mit einem Dorsten-Ukraine-Button können Dorstener ihre Verbundenheit mit den vom Krieg heimgesuchten Menschen in der Ukraine zum Ausdruck bringen. Diesen gibt es seit dem 22. März gegen eine Geldspende in der Stadtinfo Dorsten in der Recklinghäuser Straße. Der gesamte Erlös fließt auf das Aktions-Konto „Ukraine-Hilfe“ der Stadt Dorsten. Mit der Dorstener Spendenaktion sollen zum einen Flüchtlinge unterstützt werden, die in Dorsten ankommen. Zum anderen hat Dorstens polnische Partnerstadt Rybnik zwei Schwesterstädte in der Ukraine, die kleine Gemeinde Bar (17.000 Einwohner) und die Großstadt Iwano-Frankiwsk (220.000 Einwohner), in denen Spenden aus Dorsten für verschiedene Zwecke eingesetzt werden sollen.

Mittwoch, 23. März
Bestandsaufnahme Kriegsflüchtlinge: Wer lebt wo in Dorsten?
Mittlerweile leben 155 Menschen aus der Ukraine in Dorsten, die zwar registriert, aber eben nicht zwingend über den Umweg der Landeserstaufnahme-Einrichtung in Bochum gekommen sind. „Kommunale Flüchtlinge“, nennt sie der Bürgermeister, weil sie mithilfe der Stadt und Privatleuten eine Bleibe gefunden haben. Es handelt sich um bislang 88 Erwachsene, teilweise im Rentenalter, und 67 Kinder und Jugendliche. Einige kamen wegen der Bedrohungslage schon vor Kriegsbeginn am 24. Februar, die meisten allerdings in den vergangenen vier Wochen. Männer und Jungen sind deutlich in der Minderzahl. Sie alle sind in verschiedenen Stadtteilen untergekommen, aber eben nicht in allen. Die meisten dieser Kriegsflüchtlinge leben in Wulfen (53). Auch in Hervest (28), Lembeck (19), Holsterhausen (16), Rhade (14) und in der Feldmark (12) ist die Zahl der Neuankömmlinge zweistellig. In den übrigen Stadtteilen leben derzeit nur sehr wenige oder gar keine Kriegsflüchtlinge.

Donnerstag, 24. März
Spontane Spende der Gartenfrende Lembeck
Die spontane Sammlung für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine erbrachte auf der Hauptversammlung der Gartenfreunde Lembeck Ende März 2022 eine Summe von 225 Euro, die Altbürgermeister Lütkenhorst zur Weitergabe übergeben wurde.

Solidarität mit der Ukraine ist keine Momentaufnahme
Kommentar von Stefan Diebäcker

Eine Welle der Hilfsbereitschaft für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine geht durch Dorsten. Es wird gespendet, Wohnraum zur Verfügung gestellt, Solidarität bekundet. Das ist großartig und längst nicht so selbstverständlich, wie manche meinen. Niemand von uns möchte tauschen mit den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten. Die nicht wissen, ob sie jemals werden zurückkehren können, obwohl sie es möchten. Die bangen, ob sie Freunde und Angehörige, den Vater oder Ehemann jemals wiedersehen werden.Doch wie weit wird unsere Solidarität gehen? Und wie stabil ist sie? Sind wir beispielsweise ohne Murren bereit, größere Schulklassen in Kauf zu nehmen, weil auch Kinder aus der Ukraine unterrichtet werden müssen? Geben Vereine Hallenzeiten ab, damit nicht diejenigen einen Nachteil haben, deren Trainingsstätte als Notunterkunft benötigt wird? Und haben wir dauerhaft Verständnis dafür, dass Dorsten offenbar sehr viel mehr Plätze zur Verfügung stellt als andere Städte im Regierungsbezirk Münster? Bürgermeister Tobias Stockhoff hat kürzlich zu Recht betont, dass es bei der Ukraine-Hilfe nicht um einen Sprint, sondern um einen Dauerlauf geht. Die Ziellinie, das muss uns allen klar sein, ist noch lange nicht in Sicht (Entnommen DZ vom 24. März 2022).

Freitag, 25. März
Spontanes Benefiz-Konzert für ukrainische Frauen und Kinder
Die Barkenberger Konzertorganistin Felicia Meyerratken organisierte spontan ein Benefizkonzert für die Ukraine-Hilfe. In der St. Barbara-Kirche gab es dabei mehrere Premieren. Den Auftakt des Konzerts gestaltete der Kirchenchor St. Barbara unter Leitung von Lukas Czarnuch mit zwei A-Capella-Stücken von Hugo Distler und Maurice Duruflé. John Rutters „Look at the world“ klang dann schon etwas populärer. Der nächste Auftritt gehörte Ben Giesen am Tenorsaxophon: Sein Swingtitel „Misty“ wirkte völlig tiefenentspannt, obwohl er zum ersten Mal mit seinem Klavierbegleiter, dem evangelischen Kirchenmusiker Stephan Hillnhütter, zusammenspielte. Ein ganz anderes Genre vertrat anschließend Felicia Meyerratken an der großen Orgel von St. Barbara: „Litanies“ von Jehan Alain war ein musikalisches Gebet – jedoch nicht besinnlich, sondern eher „in Gestalt eines Tornados, der alle Hindernisse hinwegfegt“, wie sie es selbst erläuterte.
Auch ganz junge Leute wollten sich für die Ukraine-Hilfe engagieren: So spielte Tom Koloß (Violine) unterstützt von Katja Block-Koloß am Klavier eine „Sarabande“ von Carl Bohm. Jacob Nashir (Klavier, Gesang), Lilli Knohl (Alt) und Marina Meistrowitz brachten das Publikum zum Mitsingen bei „We are the world“ von Michael Jackson. Diese Stimmung nahmen die Brüder Alfred und Gerd Wüst mit Beatles-Songs auf: Bei „Imagine“ und „All you need is love“ sang die ganze Kirche. Zum Abschluss animierte Chorleiter Lukas Czarnuch die Gemeinde in den Kanon „Da pacem domine“ einzustimmen. Das Publikum war sehr begeistert und zeigte sich bei der Kollekte großzügig. 1450 Euro wurden für die Ukraine-Hilfe gesammelt.

Samstag, 26. März
Spende des Freundeskreises Dorsten-Crawley für die Ukraine-Hilfe
Das Leid der Menschen in der Ukraine und derjenigen auf der Flucht vor diesem schrecklichen Krieg berührte auch den Vorstand des Freundeskreises Crawley. Deshalb hatte der Vorstand in diesem Jahr auf die städtische Zuwendung zur Unterstützung der Städtepartnerschaft verzichtet und die gesamte Summe von 500 Euro der Ukraine-Hilfe zur Verfügung gestellt.

Sozialpädagogen spenden für SOS-Kinderdorf Ukraine
Die Fachschule Sozialpädagogik des Paul-Spiegel-Berufskollegs hatte sich kurzerhand dazu entschlossen, die Einnahmen des Kuchenverkaufs am Elternsprechtag nicht als eigene Seminarunterstützung einzusetzen, sondern für Kinder in der Ukraine zu spenden. Die Studierenden verkauften und nahmen Spenden ein, sodass am Ende eine Summe von 700 Euro erzielt werden konnte. Diese Summe spendete die Fachschule Sozialpädagogik an das SOS-Kinderdorf Ukraine.

Dorstener Lions Clubs spenden gemeinsam 10.000 Euro
Die Präsidentinnen und Präsidenten der vier Dorstener Lions Clubs überwiesen eine gemeinsame Spende in Höhe von 10.000 Euro auf das Ukraine-Sonderkonto der Stadt Dorsten. Mit der Spendenaktion sollen zum einen Flüchtlinge unterstützt werden, die in Dorsten schon angekommen sind oder noch ankommen werden. Zum anderen hat Dorstens polnische Partnerstadt Rybnik zwei Schwesterstädte in der Ukraine, die kleine Gemeinde Bar und die Großstadt Iwano-Frankiwsk.

Bilder vom Ukraine-Krieg belasten Senioren: „Das ist kaum auszuhalten“
In der Ausgabe vom 26. März 2022 brachte die „Dorstener Zeitung“ eine Reportage mit den Erinnerungen von zwei älteren Dorstenern, die sich beim Anblick der allgegenwärtigen Fernseh-Bilder über die Bombardierung ukrainischer Städte und dem Leid der dortigen Bürger an ihre eigene Zeit erinnern, in der sie als Kinder in den letzten Kriegsjahren bzw. -wochen Deutschlands Bombardierungen ausgesetzt gewesen waren.
Am 27. März 1945 verlor die damals neunjährige Irene Limberg ihre Mutter, als ein Artilleriegeschoss das Haus der Familie auf dem Gahlener Hardtberg traf. Die heute 86-jährige Wulfenerin, deren Mutter Lisbeth damals zunächst in Betttücher gewickelt im Garten des Hauses begraben wurde, erinnerte sich, dass an eine Beerdigung im Bombenhagel gar nicht zu denken war. „Erst Mitte April konnten wir meine Mutter auf einem Leiterwagen nach Gahlen zum Friedhof bringen.“ Zumindest ihr Vater überlebte den Krieg. Er kam im Juni 1945 aus englischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurück und wurde vom Tod seiner Frau überrascht. Rund um den 27. März 2022 kommen der Seniorin diese Erinnerungen wieder hoch. „Mich wühlen die schrecklichen Kriegsereignisse in der Ukraine sehr auf“, schrieb sie der DZ-Redaktion. Die allgegenwärtigen Fernsehbilder vom Krieg in der Ukraine seien kaum auszuhalten. Werner Dickhöver, 83 Jahre alt und vielen Dorstener noch bekannt aus der Lokalpolitik und als Lehrer, erinnert sich bei den Fernsehreportagen über die Ukraine der eigenen Kindheit mit den Kriegsgeschehen. „Weil wir nah am Kanal wohnten, wo immer wieder die Schleusen bombardiert wurden, war es gut, dass wir es vom Haus der Großeltern kaum 500 Meter weit zum nächsten Bunker hatten.“ Dennoch hätte der Junge dort beinahe sein Leben verloren, als Tiefflieger zurückkamen und auf den Boden schossen. „Als mein Onkel das erkannte, riss er uns alle zu Boden, wo die Einschüsse vor und neben uns niedergingen.“ Bis heute, erzählt Werner Dickhöfer, könne er diese Stelle genau lokalisieren. Und wenn er davon erzählt, könnte man meinen, es sei erst gestern passiert. Der Artikel in der Dorstener Zeitung beschreibt intensiv und beeindruckend diese Kindheitserinnerungen, von denen sich weder Irene Limberg noch Werner Dickhöver bis heute nicht lösen können.

Sonntag, 27. März
Musik auf dem Marktplatz im Zeichen des Friedens
„Musik im Zeichen des Friedens“ spielten das Blasorchester St. Antonius und weitere Musikvereine am Sonntag auf dem Marktplatz in Dorsten. Das spontane Konzert nut insgesamt rund 50 Musikerinnen und Musikern war abgestimmt mit den Organisatoren von „Dorsten is(s)t mobil“ – dem ersten Stadtfest im Jahr 2022. Der Erlös durch Spenden der Zuhörer wurde auf das Dorstener Konto für die Ukraine-Hilfe eingezahlt.

Der Ukraine zuhören – Lesung von ukrainischen Autoren im Museum
Einige Mitglieder aus dem Dorstener Förderverein des Jüdischen Museums Westfalen lasen Texte ukrainischer Autoren und Autorinnen aus verschiedenen Epochen –„Der Ukraine zuhören“ hieß der Titel der Veranstaltung. Reinildis Hartmann, Marion Taube, Walter Schiffer, Henner Maas, Kurt Langer und Norbert Reichling lasen Texte von Manes Sperber, Kazimir Malevic, Natasha Wodin, Katja Petrowskaja, Serhij Zhadan, Jury Andruchowytsch und Tanja Maljartschuk. Warum sich das jüdisches Museum jetzt mit der Ukraine befassen müsse, darauf hatte der ehemalige Leiter des Jüdischen Museums, Dr. Norbert Reichling, eine Antwort: „Menschenrechte“. Als Institution, die sich der politischen Bildung verschrieben habe, müsse der Geschichtspropaganda aus Russland eine Stimme entgegengesetzt werden. „Außerdem sind 44 Prozent der Mitglieder der jüdischen Gemeinden um uns herum aus der Ukraine.“

Youngcaritas sammelte in der Innenstadt
Die Youngcaritas Dorsten war bei „Dorsten is(s)t mobil“ mit einer Initiative für die Geflüchteten aus der Ukraine am Start. Schüler des Gymnasium Petrinum haben Friedenslichter und Postkarten verteilt. Außerdem konnten sich die kleinen Gäste über die Möglichkeit freuen, einen Fingerabdruck auf die Bank für Toleranz zu setzen und somit auch ein Zeichen für den Frieden in der Ukraine zu hinterlassen. Alle Einnahmen kommen den ukrainischen Geflüchteten in Dorsten zugute.

Mittwoch, 30. März
Blick in die Notunterkunft Josefhalle: Freiheit auf wenigen Quadratmetern
Mehrere Tage haben Feuerwehrleute verschiedener Löschzüge in Dorsten aus der Sporthalle der ehemaligen Josefschule eine Notunterkunft für Ukraine-Flüchtlinge gemacht. 100 Menschen werden hier ab April eine vorübergehende Bleibe finden, bis sie eine feste Unterkunft in Dorsten oder anderswo haben. Boden wurde ausgelegt, Etagenbetten zusammengeschraubt und für ein bisschen Privatsphäre schwarze Stellwände aufgestellt. Das war die Aufgabe für die freiwilligen Helfer in den letzten Tagen. Es gibt Hoch- und Einzelbetten. Die „großen“ Räume haben 45 Quadratmeter, jedem Bewohner stehen also rein rechnerisch keine sechs Quadratmeter zur Verfügung. Die kleinen Kabinen haben 27 Quadratmeter, das sind knapp sieben Quadratmeter pro Person. Die Sporthalle in Hervest ist die kleinste von mehreren Notunterkünften in Dorsten.

Donnerstag, 31. März
Straftäter könnten Ängste und finanzielle Not ausnutzen
Die Recklinghäuser Polizei warnt die Flüchtlinge mit einem Flyer in ukrainischer und deutscher Sprache vor Betrügern. Dabei geht es auch um die Gefahr, Opfer von Menschenhandel zu werden. Den Geflüchteten – zumeist Frauen mit Kindern – in ihrer ungemein belastenden Situation Sicherheit zu geben, sei eine wichtige Aufgabe der Polizei. Das Landeskriminalamt sieht speziell die Gefahr, dass weibliche Flüchtlinge aus der Ukraine Opfer von Menschenhandel werden könnten. Und so lautet eine der ganz konkreten Warnungen, die auf dem Flyer abgedruckt sind: „Möglicherweise täuschen Betrüger eine angebliche Arbeitsstelle oder ihre Hilfsbereitschaft nur vor, verfolgen in Wahrheit aber ganz andere Ziele – zum Beispiel Prostitution.“ Die Bundespolizei beobachtete, „dass jungen Frauen gezielt private Mitfahrgelegenheiten von Fremden angeboten wurden“. Hier lautet die Empfehlung, nur bei Bekannten einzusteigen. Außerdem könnten geflüchtete Ukrainer kostenlos den Fern- und Nahverkehr zu jedem Zielbahnhof in Deutschland nutzen. Für den Kreis Recklinghausen bietet die Vestische Flüchtlingen aus der Ukraine – als Zeichen der Solidarität – ebenfalls kostenlose Busfahrten an.

Unterkünfte für Flüchtlinge: Schwierige Suche nach Betten und Toiletten
Die Zahl der Ukraine-Flüchtlinge im Kreis Recklinghausen steigt – und damit auch die Menge an Materialien, die für eine Unterbringung der Menschen notwendig ist. Die Städte berichten von Problemen bei der Beschaffung. Vor allem Feldbetten und Sanitäranlagen. Tatsächlich werden immer mehr Unterkunfts-Plätze benötigt: Am Mittwoch, 23. März, waren 1850 Flüchtlinge aus der Ukraine offiziell im Kreis Recklinghausen registriert, am Montag, 28. März, waren es schon 2111. Und aktuell meldet der Kreis für den 31. März bereits 2396 Menschen aus dem Kriegsgebiet. Die Städte des Kreises bieten inzwischen in Sammelunterkünften 3121 Plätze an, von denen 2573 mit Flüchtlingen belegt sind.

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Ukraine-Flüchtlinge in Dorsten – wie alt sie sind und wo sie leben

Stand 9. Mai 2022: Etwa 700 Menschen aus der Ukraine leben mittlerweile in Dorsten. Erstmals gibt eine Statistik Auskunft über Alter und Geschlecht – und in welchem Stadtteil sie eine Bleibe gefunden haben. 697 Menschen aus der Ukraine lebten Ende April in Dorsten. Die meisten kamen kurz vor oder nach Ausbruch des Krieges. Gerade einmal 65 Männer, Frauen und Kinder lebten in der Stadt, bevor russische Truppen am 24. Februar in die Ukraine einmarschierten. Das Zahlenwerk der Stadt zeigt, zu welcher Altersgruppe die Menschen gehören, die die Ukraine verlassen mussten, und in welchem Stadtteil von Dorsten sie derzeit leben. „Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in der Feldmark derzeit viele Menschen vorübergehend in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes untergebracht sind.
In Dorsten lebten – im Vergleich zu anderen Kreisstädten – Ende April die zweitmeisten Menschen aus der Ukraine (697). Nur in Recklinghausen (890) waren es mehr. Die hohe Zahl hat mit der ZUE in beiden Städten zu tun. Die wenigsten Ukrainer lebten in Marl (70). Die meisten Flüchtlinge (ca. 520) kamen im März nach Dorsten. Seitdem hat der Zustrom deutlich nachgelassen. Flüchtlingsunterkünfte, wie die Josefhalle (100 Plätze), werden deshalb derzeit nicht benötigt. Die meisten Frauen (70 Prozent) und die meisten Männer (64 Prozent), die seit Mitte Februar nach Dorsten gekommen sind, stammen aus der Altersgruppe 16 bis 64 Jahre. Senioren (9/7 Prozent) sowie Kinder und Jugendliche (21/29 Prozent) sind weit weniger häufig nach Dorsten gekommen. Bei der Verteilung der ukrainischen Bevölkerung über das Dorstener Stadtgebiet (ohne ZUE in der Feldmark) fällt auf: Deutlich die meisten Menschen (99) sind in Wulfen (mit Barkenberg) gemeldet. Da liegt die Vermutung nahe, dass sie – Stand 9. Mai – bei Freunden oder Verwandten untergekommen sind oder in deren Nähe sein wollten. – DZ vom 20. Mai 2022).

Juni 2022: Jeder dritte Ukraine-Flüchtling wohnt in Wulfen

Die Flüchtlingswelle aus der Ukraine ebbte im Juni 2022 ab. Keiner weiß, ob die bestehenden, aber leerstehenden Notunterkünfte für Menschen aus der Ukraine eines Tages noch benötigt werden. Mehrere hundert Betten auf den Sportplätzen an der Marler- und der Bismarckstraße in Dorsten sind noch nie benutzt worden. Landesweit sind es nach Angaben der Bezirksregierung rund 30.000 Plätze, die noch für eine neue Flüchtlingswelle vorgehalten werden. In der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes an der Bochumer Straße leben aktuell 257 Männer, Frauen und Kinder. Für 340 Flüchtlinge wäre dort Platz. Rund 400 Flüchtlinge aus der Ukraine sind seit dem Ausbruch des Krieges am 24. Februar in Dorsten angemeldet worden. Auffällig: Jeder Dritte von ihnen lebt in Wulfen, die meisten im Ortsteil Barkenberg, wo es die meisten Wohnumgsleerstände gibt. Die Stadtteile, in denen ebenfalls noch vergleichsweise viele Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet eine feste Bleibe gefunden haben, sind Holsterhausen (60), Hervest (50), Lembeck (39) und die Feldmark (39, ohne ZUE). Kaum oder überhaupt keine Ukraine-Flüchtlinge leben aktuell lediglich in Altendorf-Ulfkotte und Östrich.

Siehe auch: Ukraine (Artikelübersicht)

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