Turm-Monstranz

Mittelalterliches Kunstwerk in St. Agatha überdauerte Jahrhunderte

Sie ist das kunsthistorisch wertvollste und bedeutendste Werk in Dorsten, das Kriege, Plünderungen und die totale Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Sie ist ein spätmittelalterliches Meisterwerk aus dem Jahr 1420 mit 87 cm Höhe, silbergetrieben und feuervergoldet. Die vier Ecken des ausladenden Fußes sind kleine Wehrtürme, aus denen Hunde herausschauen. An den konkav gewölbten Seiten sitzen auf Thronen Affen in prunkvollen Gewändern, die in den Händen Eicheln halten. Im Mittelalter waren Affen oft das Sinnbild der Laster. Turm-MonstranzAgatha-Pfarrer Ulrich Franke deutet diesen Bereich der Monstranz so, als gehörten diese Affen in ihrer negativen Haltung nicht zur Stadt, sondern die agieren außerhalb der Stadt. Über dem mit gravierten Rosenmotiven verzierten Fuß erhebt sich der reich verzierte Sockel, der den Schmerzensmann unter einem torähnlichen Bogen auf der einen Seite zeigt, und die Muttergottes auf der anderen. Die Seiten sind jeweils gerahmt von musizierenden Engelchen. Im Knauf kann man die Stadtheilige St. Katharina erkennen. Im Hauptgeschoss rund um den Glaszylinder, gehalten von Halbmonden, die in Anlehnung an die jüdische Bundeslade das neue Heiligtum tragen, nämlich den Leib Christi, reihen sich die Hauptpatrone der Kirche und des Mittelalters: Johannes der Täufer (damaliger Pfarrpatron), Jakobus der Ältere mit der Muschel, die heilige Agatha und Petrus mit dem Schlüssel. Sie sind in der Mitte der Stadt, deren Zentrum das „Lamm Gottes“ ist, auf das Johannes zeigt. Flankierend zeigen Engel die Leidenswerkzeuge Christi. Im Turmaufbau thront die Stadtheilige Katharina. Die ein Palmblatt tragende Agatha ist später hinzugefügt worden. Die Monstranz ist gekrönt von einem eindrucksvollen Korpus in Silber. Das sakrale Kunstwerk soll im 15. Jahrhundert ein Yperner Weihbischof gestiftet haben, der, in Polsum gebürtig, in Dorsten unterrichtet hatte, bevor er Weihbischof wurde. Dies geht aus der Schlusspredigt der Agathaoktav aus dem Jahre 1947 gehalten wurde.


Siehe auch:
St. Agatha


Quelle:
Nach Ulrich Franke „Die Turm-Monstranz von St. Agatha“ in „Chronik des Allgemeinen Schützenvereins Dorsten“, 2009.

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