St. Elisabeth Krankenhaus

Rendant sammelte Öl, Kohlen und Geld für das Dorstener Krankenhaus

Aus dem Hospital erwuchs das Krankenhaus (früheres Krankenhaus an der Gahlener Straße)

Aus dem Hospital erwuchs das Krankenhaus (früheres Krankenhaus an der Gahlener Straße 1912)

Von Wolf Stegemann – Mit der Stiftung „Kranken-Pflege-Anstalt zur heiligen Elisabeth in Dorsten“ durch den Bischof von Münster und dem Oberpräsidenten von Westfalen begann 1853 die öffentliche Krankenpflege in Dorsten. Schon 1850 legte Bischof Johann Georg den Grundstein für das alte Krankenhaus am Westwall, das 1989 abgerissen wurde, weil an der Gahlener Straße ein modernes Krankenhaus entstand.

Von drei Ärzten im Jahr 1854 bis fünfzig Ärzte im Jahr 2009

Pfarrer Schmitz 1864

Gründer Pfarrer Schmitz 1864

1854 begann die stationäre Krankenpflege in der Anstalt von drei Schwestern aus dem Franziskanerinnenkloster aus Münster-St. Mauritz: Scholastica Schuhmacher aus Haselünne, Johanna Berding aus Schledehausen und Benedikta Luig aus Waldhausen. Dem ersten Kuratorium gehörten außer dem Vorsitzenden Pfarrer Schmitz zunächst Bürgermeister de Weldige-Cremer und Sanitätsrat Dr. Sebregondi an, denen sich später Dr. Geissler, Dr. Lütkenhaus, Schiffbauer Leygraf und Steuerumleger Drolshagen dazu gesellten. Oberster Grundsatz aller Bestrebungen war die Hinwendung zum kranken Menschen, seine Pflege und Heilung – unentgeltlich oder gegen mäßiges Entgelt – und nicht die Erwirtschaftung von Gewinnen. Im ältesten Wirtschaftsbuch der Anstalt ist zu lesen, dass im Jahre 1856 das Krankenhaus über 90 Kranke aufnahm, von denen die Hälfte ohne jedes Entgelt medizinisch versorgt und verpflegt wurde. Die Kranken-Pflege-Anstalt zur Hl. Elisabeth in Dorsten war deswegen von Anfang an dringend auf Spenden und freiwillige Gaben von Wohltätern angewiesen. Diese flossen auch reichlich.

Naturalzuwendungen wie Öl, Holz und Stroh ans Krankenhaus

So wurde zum Beispiel durch ein Testament des Dorstener Holzhändlers Heinrich Keller, der am 3. August 1883 verstarb, der Anstalt ein Kapital von 3.754 Thalern unter der Bedingung vermacht, dass von den Zinsen des Kapitals zahlungsunfähige Kranke behandelt würden. Damit war der Vorstand gezwungen, das Kapital anzulegen und zu verwalten, andererseits aber auch Buch zu führen über entsprechende Einnahmen und deren Verwendung, insbesondere Verpflegungsgelder. Dies sind die ältesten buchhalterischen Aufzeichnungen des Krankenhauses.

Partie am alten Krankenhaus um 1910

Partie am alten Krankenhaus um 1910

Auch in der Folgezeit erhielt die Stiftung von vielen Bürgern der Stadt und auch von außerhalb Dorstens, von Privatleuten und Gewerbetreibenden, von Wirtschaftsunternehmen und Bankinstituten immer wieder Spenden und Zuschüsse, vor allen Dingen aber auch Zuwendungen durch letztwillige Verfügungen, ohne die eine Finanzierung des Krankenhausbetriebs nicht möglich gewesen wäre. In alten Niederschriften des Krankenhauses finden sich Aufzeichnungen darüber, dass Naturalien wie Holz, Öl, Stroh, Gemüse, Fleisch und ähnliches von bestimmten Dorstener Familien kontinuierlich über Jahre geschenkt wurden. Andere stifteten Geld oder setzten sich persönlich bei der Beschaffung von Mitteln für das Dorstener Krankenhaus ein. So ging beispielsweise der damalige Rendant Kaplan Lakow zusammen mit anderen Dorstener Bürgern sieben Jahre lang in Dorsten und den um Dorsten liegenden Nachbargemeinden kollektieren.

Krankenhaus wurde Ende der 1920er-Jahre zahlungsunfähig

Altes Krankenhaus mit Westflügel

Altes Krankenhaus mit Westflügel

In den folgenden Jahren vergrößerten mehrere Anbauten das Areal. 1918 wurden erstmals „Organärzte“ zugelassen (Augenärzte, HNO). 1928 hatte das Krankenhaus 71 Patientenzimmer mit 310 Betten. Immer wieder musste das Krankenhaus durch Anbauten erweitert werden, was im Laufe der Jahrzehnte zu einer fast unübersichtlichen Baumasse führte. Pfarrer Ludwig Heming, der von 1915 bis 1938 Vorsitzender des Kuratoriums war, baute 1927/28 den Westflügel mit Dachgarten für Liegekuren aus. Danach kam das Krankenhaus in eine finanzielle Krise, die durch den Neubau eines Leichenhauses sowie den Ankauf von zwei Häusern am Westwall und des Beisenbuschhofs verstärkt wurde. Aus Kostengründen brachte die Knappschaft ihre Mitglieder in eigenen Häusern unter, was die Belegungszahlen erheblich sinken ließ. Das Krankenhaus wurde zahlungsunfähig. Schwestern, Ärzte, Handwerker konnten nicht mehr bezahlt werden. Als Hauptgläubiger drängten die Kreissparkasse sowie die Gesellschaft für Anstaltskredite auf Umbildung des Kuratoriums. Als Vertreter der Sparkasse kam Paul Schürholz in das Kuratorium, von der Knappschaft Fahrsteiger Berke (Zeche Fürst Leopold), beide NSDAP. Sie erreichten, dass die Knappschaft ihre Mitglieder wieder in das Haus schickte. Dadurch stiegen die Belegungszahlen wieder an. Noch bis 1945 dauerte die Beaufsichtigung der Krankenanstalt durch die Gläubiger an.

Nazi-Behörden entzogen dem Krankenhaus die Gemeinnützigkeit

Da in den Statuten von 1850 die Bestimmung fehlte, wohin das Vermögen der Anstalt nach einer eventuellen Auflösung kommen sollte, entzogen die NS-Behörden der Anstalt die Gemeinnützigkeit. Sie verlangten die Aufnahme in der Satzung, dass das Vermögen einer NS-Organisation zufallen sollte, was die Kirchengemeinde St. Agatha als Träger des Krankenhauses ablehnte. Das Krankenhaus konnte einer geforderten hohen Steuerzahlung nur dadurch entgehen, dass das Deutsche Reich 1945 zusammenbrach. Der fehlende Paragraf wurde 1949 in die Statuten eingefügt. Er lautet: „Die Anstalt verzichtet auf jedes Gewinnstreben.“

Während das Krankenhaus im Ersten Weltkrieg als Abteilung des Feldlazaretts Wesel diente, war es im Zeiten Weltkrieg ein Teillazarett mit 60 Betten unter Leitung des Stabsarztes Dr. Fröhling. 1943 verursachte eine Luftmine Mauerrisse und zerstörte am Krankenhaus 3.500 Fensterscheiben. Bei der Totalbombardierung der Stadt am 22. März 1945 wurde auch das Krankenhaus zerstört, es gab 33 Tote. Die in den Kellern des Hauses verharrenden Patienten und die Verletzten wurden ins Annastift gebracht. Die Schadenssumme an den Gebäuden belief sich auf 245.000 Reichsmark. Ende 1945 hatte das Haus sechs Ärzte, 36 Schwestern, 36 Angestellte und 147 Kranke. In den Folgejahren wuchs das Krankenhaus durch Neu- und Anbauten am Westwall zu einem beachtlichen Komplex an.

Neubau an der Gahlener Straße wurde 1967 eröffnet

Eingang

Alter Eingang zum neuen Krankenhaus

1970 beschloss das Kuratorium, bei der Landesregierung einen Antrag auf einen Krankenhausneubau zu stellen. 1975 wurde aus finanziellen Gründen dieser Antrag vom Regierungspräsidenten in Münster erst einmal abgelehnt. 1982 beauftragte das Kuratorium den Architekten Manfred Ludes mit einer Voruntersuchung über „Kosten sparendes Bauen beim Krankenhaus“, die 1983 dem Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW mit dem Ersuchen um Erteilung eines Forschungsauftrags vorgelegt wurde. Aus dieser Untersuchung ging eine 20-prozentige Kostenersparnis hervor. Das zuständige NRW-Ministerium erteilte dem 167 Millionen DM teuren Spar-Modell 1984 die Genehmigung. Der erste Spatenstich erfolgte 1985, die Baugenehmigung und Grundsteinlegung 1986, das Richtfest 1987 und der Umzug in den 370-Betten-Neubau 1989. Vom alten in das neue Krankenhaus wurde die monumentale steinerne Türumrahmung mitgenommen, die die Inschrift trägt: „Christo informo“, was soviel besagt wie: Was ihr den Kranken tut, tut ihr mir.

Jetzt Katholisches Klinikum Ruhrgebiet-Nord

Fast 600 Angestellte, darunter über 50 Ärzte, 250 Schwestern und Pfleger sowie rund 100 Schwesternschülerinnen betreuen jährlich rund 10.000 Patienten. Im Jahre 2009 hat sich das Elisabeth-Krankenhaus mit den Krankenhäusern Marienhospital Marl, Sixtus-Hospital Haltern und Gertrudis-Hospital Westerholt zu einem Krankenhaus-Verbund „Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord“ (KKRN) zusammengeschlossen. Der Krankenhaus-Verbund ist mit 996 Betten und rund 2.300 Mitarbeitern inzwischen der viertgrößte Arbeitgeber im Kreis Recklinghausen. Jeder dieser Krankenhaus-Standorte hat einen besonderen Schwerpunkt. Dorsten: Unfallchirurgie, Marl: Innere Abteilung und Kardiologie, Westerholt: Geriatrie, Marl: Urologie, Nephrologie und Dialyse.

Teil des Gesamtkomplexes

Teil des Gesamtkomplexes

Dr. Peter Tönnies (geb. 1963), seit 2001 Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im St. Elisabeth-Krankenhaus Dorsten sowie seit 2010 Chefarzt im St. Sixtus-Hospital Haltern, wechselte Ende 2012 zur Klinik für Frauenheilkunde im Bethanien-Krankenhaus in Moers. Dort war er bereits in den Jahren 1992 bis 1999 tätig, wo er auch seine Frau kennen lernte, die dort als Hebamme arbeitete. – Geboren 1962 in Eschweiler; Chefarzt der Kliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im St. Elisabeth-Krankenhaus und im St. Sixtus-Hospital. Dr. Stefan Wilhelms trat 2013 die Nachfolge von Dr. Peter Tönnies an und übernahm die Leitung der beiden Abteilungen in Dorsten und  Haltern am See (siehe Wilhelms, Stefan). Mit Stand von Mai 2016 gehören zum Leitungsteam des Krankenhauses  Dr. Marco Michels (Chefarzt der Klinik für Innere Medizin), Priv.-Doz. Dr. Wilhelm Gross-Weege (Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Chirurgie), Hildrut Hachmöller (Pflegedirektorin), Andreas
Hauke (Geschäftsführer), Guido Bunten (Prokurist und kaufm. Betriebsleiter).
2011 wurde die Verwaltung zentralisiert. Mitte Januar 2011 verfügte das Dorstener Krankenhaus wegen Betten-Auslastung (311 Planbetten) über einen Aufnahme-Stopp, was eine Ausnahme bleiben soll, aber bereits Ende Januar 2011 zum zweiten Mal erfolgte. Doch wurde der Aufnahme-Stopp anderntags wieder aufgehoben. Nach sechsmonatigen Umbauarbeiten konnte Anfang 2012 die Intensiv-Abteilung, die von 465 auf 680 Quadratmeter mit insgesamt neun Zimmern erweitert wurde, eingeweiht werden.  Diese Investition kostete 880.000 Euro, wovon 50 Prozent die öffentliche Hand übernahm.

Leistungsangebot mit Geriatrie erweitert

Mit der Abteilung „Medizin im Alter / Neurogeriatrie“ will das Krankenhaus sein Leistungsangebot 2016 abrunden. Bereits Anfang 2016 wurde bereits die Abteilung Gefäßchirurgie etabliert. Eine Stärke der aufzubauenden Geriatrie-Abteilung ist ihre interdisziplinäre und multiprofessionelle Ausrichtung (Kardiologie, Unfallchirurgie, Orthopädie, Gefäßchirurgie und auch Zusammenarbeit mit dem Therapeutenteam, dem Sozialdienst und der Seelsorge. Ein Schwerpunkt wird die Abklärung von Gangstörungen sein, eines im Alter er Menschen häufig auftretendes Problem.  Mit dem Aufbau ist Chefarzt für Neurologie und Psychiatrie, Geriatrie und Verkehrsmedizin, Dr. Marco Michels, befasst (Stand Mai 2016).

Seelsorge im Krankenhaus

Seit 2012 ist Schwester Bernadette Maria Seelsorgerin im St. Elisabeth-Krankenhaus. Sie gehört seit 1984 dem Orden der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel (SMMP) an, war bereits Altenpflegerin, ließ sich zur Krankenschwester ausbilden, studierte später im Fernstudium Theologie und machte eine Zusatzausbildung für Krankenhaus-Seelsorge. Ihr Praktikum absolvierte sie 2005 im Dorstener Krankenhaus.

Behandlungsfehler – Klinik in Dorsten muss 50.000 Euro zahlen

Im September 2013 hatte sich das Dorstener Krankenhaus vor Gericht zu verantworten. Denn ein Chefarzt hatte es versäumt, rechtzeitig einen Neurologen zur Beurteilung einer Computertomographie hinzuzuziehen. Daraufhin verklagte. Das Oberlandesgericht Hamm urteilte: Ärzte im St. Elisabeth-Hospital hätten bei einer bewusstlosen Patientin einen massiven Hirnstamminfarkt zu spät erkannt. In der Folge erlitt sie massive Lähmungen und starb sieben Monate später. Ein Neurologe hätte hinzugezogen werden müssen, so die Richter erstinstanzlich und verurteilten das Krankenhaus und den Chefarzt zu 50.000 Euro Schmerzensgeld (Az.: 3 U 122/12 vom 12.8.2013). Erst eine Woche zuvor war ein OLG-Urteil gegen einen Dorstener Frauenarzt veröffentlicht worden, der einer Patientin 20.000 Euro Schmerzensgeld zahlen soll. Er habe einer Patientin nicht zu einer Mammografie geraten; später war die Frau an Brustkrebs erkrankt.

Krankenhaus-Zentralküche versorgt auch das Elisabeth-Krankenhaus

Ab März 2017 versorgt eine im Interkommunalen Industriepark Dorsten/Marl eingerichtete Krankenhaus-Zentralküche die vier umliegenden Krankenhäuser des Katholischen Klinikum Ruhrgebiet-Nord GmbH (KKRN) mit Essen: St. Elisabeth in Dorsten. St. Sixtus in Haltern, das Marler Marienhospital und das Gertrudis-Hospital in Westerholt. Acht ausgebildete Köche kochen täglich für Patienten und Krankenhaus-Mitarbeitern rund 1200 Mahlzeiten.


Quellen:
„Dorstener Volkszeitung“ vom 27. Juli 1950. – Festzeitschrift zum 100. Jubiläum 1850-1950 (Verf. Propst Westhoff). – Homepage des Krankenhauses 2009. – Michael Klein „Krankenhaus ist Teil einer Holding“ in Dorstener Zeitung vom 7. Januar 2009. – Susanne Menzel „St. Elisabeth-Hospital – Änderungen hinter den Kulissen“ in WAZ vom 17. Januar 2011. – Anke Klapsing „Absolute Ausnahme – St. Elisabeth-Krankenhaus rief Aufnahme-Stopp aus“ in DZ vom 18. Januar 2011. – „Behandlungsfehler, Klinik in Dorsten muss 50.000 Euro zahlen“ in WAZ vom 18. September 2013.

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