Schwarte Borg

Einstige Fliehburg aus germanischer Zeit im heutigen Rhade

Schwatte Borg. Zeichnung

So oder ähnlich sah die „schwatte Borg“ aus;  Zeichnung

Manchmal auch „schwatte Borg“ genannt. – Als der chinesische Luftbildfotograf Baoquan Song mit seiner Cessna vom Typ F 172 M, Kennnummer D-EECM, Baujahr 1976, im März 2012 über das Ruhrgebiet flog, kreiste er auch über Dorsten und sichtete am Boden bei Rhade Kreise. Sein Fluggast, der Journalist Fritz Haberkuß, berichtet in Spiegel online:

„Die Maschine kreist mit Hilfe des Autopiloten um ein paar Felder, die Songs Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mit der teuren Kamera beugt er sich aus dem Fenster, schaut herunter, fotografiert: ,Sehen Sie das? Drei Kreise, da vorn, das war mal eine Burg. Ich zeig’ mal mit der Tragfläche drauf’, sagt er und schwenkt das Flugzeug zur anderen Seite. Mit ein wenig Fantasie lassen sich auf dem Boden tatsächlich drei konzentrische Kreise erkennen. Sie zeigen, wo Burggraben und Wall die ,Schwatte Borg’ bei Dorsten vor gut 1000 Jahren vor Angreifern schützen sollten.“

Der Heimatforscher Fritz Oetterer schrieb 1984 im Heimatkalender für die Herrlichkeit Lembeck:

„Da, wo der Rhader Bach und der Rhader Mühlenbach ca. 1,5 km südlich des Rhader Bahnhofs aufeinander zulaufen, in einem weit nach Westen vor­springenden Zipfel der Gemeinde Lembeck, da liegt die ,Schwarte Borg’ und ist nach der in den 1950er-Jahren erfolgten Verkoppelungen und darauf folgenden Einebnung kaum mehr zu erkennen.“

Noch in der Dürrezeit im August des Jahres 1983 sei dies anders gewesen.

„Da  trat auf einmal der ca. 30/40 m im Durchmesser betragende Haupthügel, der ehemals, wie bei den gleichen Anlagen im Barloer Busch (Dorsten) und in den Lippeauen bei Hervest, einen Wohnturm getragen haben mochte, hervor. Auch die zwei kreisrunden 10/15 m breiten Gräften und Wälle, deren innerer, nach Westen hin gelegener die Vorburg mit den Wirtschaftsgebäuden, Haupttor und Zugbrücke getragen hat, waren deutlich zu sehen.“

Und genau diese „Kreise“ der ehemaligen Wallanlagen hat der Luftbildfotograf Song im März 2012 aus seinem Flugzeug gesehen.

Ein alter Pfad in Rhade hieß früher „Weg to de schwarte Borg“

Fliehburg südlich von Rhade

Fliehburg südlich von Rhade im Ortsteil Endeln

Der Rhader Fritz Küpper widmete sich im Heimatkalender 1953 demselben Thema. Die „Schwarte Borg“ (liegt in der Bauerschaft Endeln, Gemarkung Lembeck, in der Nähe des Gehöftes Langfort-Garris. Sie war der Rest einer Fliehburg aus germanischer Zeit. „Weg to de schwarte Borg“ hieß ein alter Padd, der in den achtziger Jahren durch den Bahnbau in Rhade fortgefallen ist. Die Eigenschaft der „Schwarten Borg“ als Fliehburg bestätigen Erkenntnisse des Westfälischen Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte in Mün­ster aus den 1930er-Jahren. Sie bringen in Rhade eine Zufluchtstätte mit der 500 Meter östlich auf einer Terrasse liegenden „kaiserzeitlichen Siedlung“ (150 n. Chr.) in Verbindung. Als Beleg dafür wird ein Bohlenweg angeführt, der in der heutigen Bachnie­derung, einem ehemaligen Moor, unterhalb der Rasenfläche liegend, in Richtung auf die „Fliehburg“ verläuft. Fritz Oetterer:

„Daher mag es stimmen, dass die Rhader Burg nach Umfang und Aussehen als Turmhügelburg oder so genannte Motte (11. bis 16. Jahrhundert) rund tausend Jahre früher, wie viele andere historische Plätze, eine gleiche oder ähnliche Aufgabe hatte. Als Turmhügelburg war sie im Gegensatz zu einer Fliehburg bewohnt und diente möglicherweise Zwecken, die über den örtlichen Bereich hinausgehen.“

Grenzen vom Herzogtum Kleve, Stift Münster mit der „Schwarte Borg“

Heute: Standort der „Schwarte Borg“ mit Rhader Geschichtsstation, Foto: JF

Eine Karte aus dem 16. Jahrhundert, die Wilhelm Stahlhacke ausfindig gemacht hat, zeigt die Grenzen des Herzogtums Kleve und des Stifts Münster, die in einem weiten Bogen die „Schwarte Borg“ im heutigen Rhade umfasst. Wo die Grenze zwischen Rhade und Heiden wieder in west­licher Richtung verläuft, muss eine Turmhügelburg gestanden haben, denn eine Flur in Heiden-Leblich nennt sich heute noch „am Stumpen Tom“ (am stumpfen Turm). Konkrete Spuren dieser Burg, so Oetterer, konnten bisher jedoch nicht gefunden werden. Über das Ende der „Schwarten Borg“ gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Fritz Oetterer vermutet, dass nach dem Bocholter Vertrag, der zwischen 1572 und 1579 strittige Territorialrechte zwischen Kleve und Münster regelte, die „Schwarte Borg“ die strategische Bedeutung verloren hatte und verfiel. Durch die restlose Einebnung der „Schwarten Borg“ im letzten Jahrhundert ist der Herrlichkeit Lembeck ein interessantes Andenken aus alter Zeit genommen worden.


Quellen:
Fritz Haberkuß „Unterwegs mit einem Luftarchäologen – Ein Chinese fliegt übers Ruhrgebiet“ in „Karriere-SPIEGEL“ vom 27. März 2012. – Fritz Oetterer „De schwarte Borg“ in „Rhade. Beiträge zur Geschichte, hg. vom Heimatverein 1989. – Fritz Küpper „De schwarte Borg“ in HK 1953.

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