Schulpsychologische Beratungsstelle

Fachliche Unterstützung für Schüler, Eltern und Pädagogen bei Bedarf

Die Schulpsychologische Beratungsstelle gibt es seit mehr als 40 Jahren. Das Beratungsangebot richtet sich an alle am Schulleben Beteiligten. Es gibt drei verschiedene Aufgabenfelder: die schülerbezogene Beratung, die Beratung von Lehrern und die Systemberatung von Schulen. Bei der schülerbezogenen Beratung geht es oft um Schwierigkeiten im Arbeits- und Lernverhalten, Lernschwierigkeiten, Schwierigkeiten im sozialen Miteinander (Aggressivität, Mobbing). Häufig kommen auch mehrere Probleme zusammen, wie eine Leserechtschreibschwäche und Schwierigkeiten im Arbeitsverhalten. Bei der Lehrerberatung geht zum Beispiel um den Umgang mit Unterrichtsstörungen oder Mobbing, aber auch um Fragen der individuellen beruflichen Weiterentwicklung oder den Umgang mit beruflichen Belastungen. In den Bereich der Systemberatung gehören alle Unterstützungsangebote, die sich zum Beispiel an ganze Kollegien richten. Im Schuljahr 2016/2017 wurde die Steuergruppenarbeit von zwei Schulen, u. a. im Bereich der Zusammenarbeit von Regelschullehrern und Sonderpädagogen, unterstützt. Außerdem organisierte die Beratungsstelle eine Supervision für Schulsozialarbeiter; dabei können sich Kollegen miteinander vernetzen. Diese Gruppe wird weitergeführt. Eine Supervisionsgruppe für Schulleitungen ist geplant. Wer Beratung sucht, kann die Telefonsprechstunde nutzen (mittwochs zwischen 13 und 14 Uhr). Eltern, Lehrer und andere pädagogische Fachkräfte können sich für eine erste Klärung beziehungsweise Kurzberatung melden. Ansprechpartnerinnen für Eltern und pädagogische Fachkräfte stehen zur Verfügung. Die Anmeldung zur schülerbezogenen Beratung sowie zur Lehrerberatung erfolgt über Anmeldeformulare, die in allen Schulsekretariaten vorliegen.

Straftaten von Kindern und Jugendlichen in Schulen

Im Jahr 2018 gab es  nach Angaben der Landeskriminalamts (LKA) in nordrhein-westfälischen Schulen (erste bis 13. Klasse) 20.690 angezeigte Delikte. Darunter fallen 3013 Körperverletzungsdelikte, 2353 Mal wurden Schüler Opfer, in 263 Fällen waren Lehrer die Leidtragenden. Erst zu Schulbeginn 2019 war in Duisburg der Schulleiter der Hauptschule Gneisenaustraße von einem 14-Jährigen geschlagen und so schwer verletzt worden, dass er anschließend in ein Krankenhaus musste. Mehr als die Hälfte der Schulleitungen in Nordrhein-Westfalen (55 Prozent) gab 2018 in einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) an, dass es an ihrer Schule in den zurückliegenden fünf Jahren Fälle von psychischer Gewalt gegeben habe, also Fälle, bei denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt worden seien. Nach Angaben des NRW-Schulministeriums sind viele Gewaltphänomene zunächst nicht sichtbar. Erhebliche Dunkelziffern dürfte es bei Mobbing, beleidigenden und diskriminierenden Äußerungen geben, schätzt das Ministerium. Daher werden die Ursachen von Gewalt im schulischen Kontext in NRW wissenschaftlich erforscht. Im Frühjahr 2020 und 2022 soll es zudem eine Woche des Respekts an den Schulen geben.

In der Schule psychisch auffällig – Studie zu Depressionen

Innere Unruhe, nagende Selbstzweifel, kaum Energie: Jedes vierte Schulkind in Deutschland zeigt psychische Auffälligkeiten. Das geht aus einem Ende November 2019 in Berlin vorgestellten Bericht der Krankenkasse DAK hervor. Bei je zwei Prozent der Schulkinder wurden demnach sogar eine Depression oder eine Angststörung festgestellt. Insgesamt seien 238.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 17 Jahren davon betroffen, hieß es. Bis zu acht Prozent der betroffenen Kinder und Teenager kamen zur Behandlung einer Depression in eine Klinik, durchschnittlich mehr als einen Monat lang (39 Tage). Dies sei allerdings nur die Spitze des Eisbergs, kommentierte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, den Bericht. Die Dunkelziffer sei wesentlich höher. Es gebe viele Kinder, die an Depressionen litten und erst spät in die Praxen kämen. Beim Übergang von der Klinik in die ambulante Versorgung sieht die Kasse große Lücken: Rund ein Viertel der jungen Patienten komme später erneut ins Krankenhaus. Die Stigmatisierung durch einen langen Aufenthalt in der Jugendpsychiatrie sei für Betroffene eine zusätzliche Belastung (dpa/AFP).

Schulpsychologen stehen Eltern, Lehrern, Schülern zur Seite

Martina Goerigk ist Leiterin der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Dorsten. Die Diplom-Psychologin weiß um die besonderen Herausforderungen im Schulalltag während der Corona-Krise. Im Schuljahr 2020/21 ist durch die Corona-Krise durch Unsicherheiten geprägt. Verlässliche Strukturen, die den Schülerinnen und Schülern Sicherheit im Alltag gegeben haben, mussten angepasst und an einigen Stellen vielleicht ganz aufgegeben werden. Die Unbeschwertheit im Kontakt zu Gleichaltrigen hat ebenso gelitten wie der für viele Kinder so stützende Kontakt zur Klassenlehrkraft. Viele Lehrkräfte befinden sich aktuell in einem Spannungsfeld zwischen den Sorgen um die eigene Gesundheit oder die der Angehörigen auf der einen Seite und den Anforderungen, die ihnen in ihrer Berufsrolle begegnen, auf der anderen Seite. Die Schulpsychologische Beratungsstelle bietet im Rahmen der wöchentlichen Telefonsprechstunden Ratsuchenden die Möglichkeit, ihr Anliegen in einem ersten Kontakt zu klären und nach möglichen Lösungswegen und Ansprechpartnern zu suchen. Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeitsweise der Schulpsychologischen Beratungsstelle verändert. Aktuell ist die sonst übliche Präsenz an den Schulen deutlich herabgesetzt und persönlichen Gesprächskontakten in den Räumlichkeiten des Beratungszentrums wird Vorrang gegeben. Unterrichtsbesuche finden nur in Ausnahmefällen und in enger Abstimmung im Team statt. Schulpsychologische Diagnostik wird an die Erfordernisse der Hygienestandards angepasst. Gruppensupervisionen finden in diesem Schuljahr wieder statt. Schulinterne Lehrerfortbildungen sind vorerst ausgesetzt.

Siehe auch: Schulverweigerer


Quellen: Jennifer Riediger, DZ vom 23. April 2018. Christian Schwerdtfeger in RN vom 5. Sept. 2019. – Claudia Engel in der DZ vom 19. Sept. 2020.

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