Schüller, Andrea

Einzige in Dorsten selbstständige Seniorenbetreuerin von Demenzkranken

Geboren 1967 in Holsterhausen;  examinierte Altenbetreuerin speziell von Demenzkranken. – Dieser Beruf und die „Altenbetreuer/innen“, die ihn ausüben, sind seit geraumer Zeit in aller Munde, auch in dem der Politiker ist, die viel darüber reden und letztlich nicht viel tun, um die Lücken zu schließen und die Gehälter an das verantwortliche Tun anzupassen. Es gibt immer mehr alte Menschen, die auch in ihrem Zuhause betreut werden müssen, vor allem die unter den Senioren, die dazu noch dement sind, entweder die „normale“ und häufiger vorkommende Altersdemenz (50-60 %), bekannt als Alzheimer-Demenz, oder eine der vielfach stärker ausgebildeten Demenz-Formen, von denen es etliche gibt. Der Begriff Demenz leitet sich ab vom lateinischen demens, d. h. unvernünftig und ohne Verstand, Denkkraft oder Besonnenheit. Anders gesagt: Nachlassen der Verstandeskraft und auch der Motorik. Dann brauchen die Menschen Hilfe und Betreuung; das die Gesundheitskassen über die Pflegegrade auch bezahlen. Manchmal ist auch Heimunterbringung angesagt.

Demenz im Alter nannte man früher unwissend verkalkt

Eine von denen, die Demenz-Kranke in ihren Wohnungen betreut, ist die Dorstenerin Andrea Schüller, drei Kinder von 20 bis 28 Jahren und Elvis Presley-Fan von Kindheit an. Sie ist für diesen Beruf als examinierte Altenpflegerin mit Abschluss Altentherapeutin ausgebildet. Sie dürfte in Dorsten die einzige Demenzkranken-Betreuerin sein, die diesen Beruf selbstständig und freiberuflich unter der Firmierung „Seniorenservice Blauer See“ am Söltener Landweg in Holsterhausen ausübt. Vorher war sie als Betreuerin für psychisch Kranke und Suchtkranke in Oberhausen tätig. Erlernt hat sie die Altenpflege am Altenheim St. Anna in Dorsten. Doch damals war das Wort Demenz auch in Altenheimen noch ziemlich unbekannt. „Wer damals Demenzerscheinungen hatte, vergesslich und sonderlich wurde, dann war er eben verkalkt. So hieß das damals!“ Schon Sechzigjährige können erste Demenzerscheinungen haben, wenn das Kurzzeitgedächtnis Lücken aufweist. In der Bundesrepublik ist mit einem Anstieg der Anzahlen der an Demenz erkrankten Personen auf voraussichtlich drei Millionen im Jahr 2050 zu rechnen. Jüngste Schätzungen (Stand: Februar 2014) gehen deutlich darüber hinaus. Eine Studie des Forsa-Instituts hat im Auftrag der DAK-Gesundheit herausgefunden, dass jeder zweite Deutsche eine Demenzerkrankung fürchtet. Besonders hoch ist der Anteil unter den über 60-Jährigen. Demenz bedeutet nicht nur das landläufig genannte Vergessen. Es geht einher mit Verhaltensstörungen wie Apathie, zielloses Umherirren, Aggressionen, Schlafstörungen, Depressionen, Angstzustände, Enthemmungen, Halluzinationen und Euphorie. Aber auch mit Vernachlässigung von Hobbys und der Körperpflege, Aufräumen der Wohnung, keine ausreichende Ernährung, Verlust des Hungergefühls und das Vergessen, die Nahrung zu kauen und hinunterzuschlucken.

Mit Professionalität und Herzenswärme mit Demenzkranken umgehen

„Immer mehr demenzkranke Menschen bleiben heute im Alter zuhause“, so Andrea Schüller, die ihre „Klienten“ dann täglich besucht, mit ihnen frühstückt, ihnen zuhört oder Halma mit ihnen spielt, mit ihnen Musik hört wie auch zum Einkaufen fährt, Behörden- und Arztbesuche unternimmt und auch mal mit ihnen in den Gottesdienst geht oder einen kleinen Spaziergang macht. Auch werden ihr oft und gerne Fotoalben gezeigt und die Bilder erklärt. So verbringt Andrea Schüller bei einer Klientin oder einem Klienten manchmal bis zu sechs Stunden am Tag, meist aber zwei bis drei Stunden. „Einfach ist das alles nicht. Es gehört viel Geduld und Verständnis dazu.“ Ihre Klienten waren bislang zwischen 83 und 94 Jahre alt, darunter mehr Frauen als Männer. Und wenn einer ihrer Klientinnen oder Klienten stirbt, dann geht es Andrea Schüller zu Herzen. Doch ist Andrea Schüller professionell ausgebildet. Und über die Professionalität hinaus empfindet sie mit ihren Klienten auch Anteilnahme und Zuneigung mit einer guten Portion Humor! Dann hört sie die Jugend- und Kriegserlebnisse zum x-ten Mal, geht auf die oft verschobenen Erinnerungen ihrer Klienten ein – und auf deren Verhalten. Wie gesagt: Mit Professionalität und Herzenswärme, was die Demenzkranken spüren. Die Betreuung zuhause entlastet auch die Angehörigen, mit denen es manchmal kleinere Probleme gibt, wenn Töchter oder Söhne eine andere Vorstellung über die Tagesgestaltung ihrer Mütter oder Väter haben. Doch für Andrea Schüller ist es wichtig, was ihre Klienten wollen, denn die Kommunikation mit ihnen spielt sich nicht auf der vernunftorientierten Ebene ab, sondern auf der gefühlsbetonten.

Andrea Schüller lernt auch viel von ihren „Klienten“

Andrea Schüller hatte als junges Mädchen überhaupt nicht daran gedacht, Altenbetreuerin zu werden. Sie wollte Kunst studieren. Doch ihre Eltern meinten, dies sei eine brotlose Kunst und hielten sie davon ab. Über ein Schulpraktikum im Altenheim St. Anna  lernte sie Anfang der 1980er-Jahre die Altenpflege kennen. Versorgen über den Tag hinweg, das gefiel ihr. Auf die Frage, was ihr die Arbeit mit Demenzkranken gibt, antwortet sie: „Von dem, was ich meinen Klienten gebe, bekomme ich viel zurück. Sie sind wie Schatzkästchen, die viel wissen und erzählen und von denen man für sein eigenes Leben viel erfahren und lernen kann!“


Quellen: Gespräch mit Andrea Schüller (2018), www.seniorenserviceblauersee.de.  – Wikipedia (Aufruf Demenz 2018).
Siehe auch:Was macht eigentlich Andrea Schüller? Demenzkranke zu betreuen, sie zum Lachen …“ in dorsten-transparent.

 

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone