Schlickum, Jakob Julius

In Mexiko wartete er am Rio Grande vergebens auf seine Frau aus Texas

1825 bis 1863 in Matamortes/Mexiko; Alkalde in Texas, Sheriff. – „Ich will nach Amerika“ schrieb 1849 entschlossen Jakob Julius Schlickum im freiheitlichen Gefühl der soeben stattgefundenen Bürgerrevolution von 1848.

„Ich sah, wie die liebliche Morgenröte der Freiheit trotz schwarzer Wolken hereinstrahlte… Ich will hinüber in ein Land, wo lichtere Sonnen glühen.“

Auswanderer, Gemälde

Auswanderer nach Amerika, Gemälde von Franz Wilhelm Harsewinkel, Münster, 1850, Westf. Landesmuseum

Verheiratet war er mit Therese Klier. Am 1. Oktober 1849, am Tage seiner Trauung, fuhr Julius Jakob Schlickum mit seinem Schwager nach Amerika, dem Land der lichteren Sonnen, nach Texas, wo er in St. Anton eine Farm kaufte. Zwei Jahre später reisten seine Frau und weitere Familienangehörige nach, die in dem Texas-Western-Nest einen „Store“ eröffneten. Schlickum wurde zum Alkalden, zum Distrikt-Friedensrichter gewählt, sein Schwager Klier trug den Sheriff-Stern.

Kriegsdienst in der Südstaaten-Armee verweigert

Als 1861 der Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten ausbrach, wählten ihn die Texaner zum Kapitän der Texas-Miliz, später wurde er Oberstleutnant. Als Geschäftsmann verdiente er gut am Krieg. Schlickum, stets gegen Sklaverei eingestellt, verweigerte aber den Kriegsdienst als Hauptmann in der Südstaaten-Armee, wurde deshalb verhaftet und mit 17 anderen Deutschen interniert. Ihnen gelang die Flucht. Sie hielten sich in den Wäldern verborgen, kämpften gegen Indianer, Banditen und Raubtiere. Der Dorstener schlug sich bis zum Rio Grande durch und durchquerte trotz scharfer Bewachung durch Texas Ranger nachts den Fluss. In Mexiko machte er gute Geschäfte, erwirtschaftete ein Haus und 2.000 Dollar. Er organisierte einen Treck, der seine Familie heimlich von Texas nach Mexiko holen sollte. Am vorgesehenen – aber durch die Verfolgung durch Texas Ranger nicht eingehaltenen – Ankunftstag stand Schlickum nachts am Rio Grande und wartete auf seine Familie. Dabei zog er sich das „gelbe Fieber“ zu. Schlickum starb just zu dem Zeitpunkt, als seine Familie wohlbehalten den Rio Grande überquerte. Die Witwe kehrte mit ihren Kindern ein Jahr später nach Deutschland zurück. Schon vorher reiste sein in Texas geborener Sohn Hugo alleine nach Dorsten, wo er 1934 starb (siehe März-Unruhen1848).

Der Entschluss zur Auswanderung im Juni 1849

„Ich stehe vor dem Rubikon, und ich habe mich heute entschlossen, ihn zu überschreiten. Es ist zwar kein Übergang; wie ihn der stolze Caesar, mit dem ich nur den Namen gemein habe, beabsichtigte; es hängt nicht das Schicksal einer Welt von meinem Vorhaben ab , aber es ist für mich ein ebenso wichtiger Schritt, wie der des Römers für ihn war.
Ich will nach Amerika! – Mein Vaterland, mein Deutschland, will ich verlassen, um jenseits des Meeres mir eine andere Heimat zu gründen. Eine andere Heimat?! Ach ich vergesse, daß ich schon lange keine mehr habe. Der väterliche Herd stand mir seit Jahren verödet; die Mutter und der Vater haben sich in die kühle Gruft am Bilstein gebettet und Schwester und Brüder sind in der Welt zerstreut. Mich halten keine zarten Bande zurück, denn die Geschwister werden mich begleiten oder mir folgen und kein liebendes Auge wird sich mit Tränen füllen, kein weißes Tuch mir zum Abschied von dem Fenster wehen. Dennoch gehe ich traurig.

Und Satans Saat ging auf …

Ich lasse das Land meiner jugendlichen Träume, lasse mein deutsches Land hinter mir; ich muß seinen Kampf und seine Schmach beweinen, da ich nicht dafür in die Schranken treten kann. Ich habe gesehen, wie die lichte Morgenröte der Freiheit trotz schwarzer Wolken hereinstrahlte; da wurden die Deutschen Männer! Da suchten sie die vergessenen Schwerter aus den Hallen; man sah den blanken Stahl in der Frühsonne blitzen -. Manches Eisen ward gerötet – und wilder wurde der Kampf gegen die Tyrannen. Er wurde wilder und ungestümer, aber der Teufel streute seine Saat zwischen den Weizen. Und Satans Saat ging auf – und unlautere Elemente mengten sich in den Kampf und wurden die Alliierten der Unterdrücker. Die Kraft des Volkes wurde zersplittert durch Zwietracht und Verrat, und seine Augen geblendet. Die Weisen im Rat vergaßen ihre Sendung und der Herr verwirrte ihre Sprache.- Es schickten die Fürsten ihre Söldner aus gegen die Streiter der Freiheit; der Teufel lieh ihnen sein teuflisches Feuer und sie machten Schrapnells und Granaten daraus und der Tod ging vor ihnen her. Die Haufen der Männer wurden zerstreut und die Anhänger der Freiheit ballen ihre Fäuste im Verborgenen. – Alles dieses habe ich gesehen – meine Hoffnungen sind wie Streu verweht – hingegangen in den Wind. Was hält mich noch zurück!? Ich will hinüber in ein Land, wo lichtere Sonnen glühen. Leb wohl, du Heimat mein! Nun ich den scheidenden Blick auf die hellbeschienenen Fluren werfe, und sehe die Berge und Täler, die reichen Felder und lachende Auen, füllt sich mein Auge mit Thränen – . Wie schön bist du mein Heimatland, wie stolz und herrlich deine Wälder, wie deine Wasser rauschen!

Stolz, dass ich ein Deutscher bin

Du bist zerrissen und dein Innerstes ist zerfleischt. Weh daß du es bist! Du bist es durch eigene Schuld. Das Mark deiner Knochen haben dir die Geier und Adler ausgehackt und Raubtiere haben dein Herzblut getrunken. Du konntest mit den Zähnen knirschen, und du hast Galle gespieen, du hast das Schwert in der Hand gehalten – warum hast du es nicht gebraucht! – Ich will dich nicht schelten in deiner eigenen Sprache, in der Sprache, die die Götter sprechen. Ich scheide, weil ich deine Schmach nicht länger teilen mag! Aber trotz deiner Schmach bin ich stolz, daß ich ein Deutscher bin! – Leb wohl, mein Land, leb wohl!“


Anmerkung:
Die gefetteten Zwischenzeilen im Originaltext wurden von der Lexikon-Redaktion wegen einer besseren Lesbarkeit eingefügt.

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