Schlachthäuser

Mitte der 1970er-Jahre gab es noch 14 Schlachthäuser in der Stadt

In Dorsten gab es keinen zentralen Schlachthof, aber etliche Schlachthäuser, die den Metzgern gehörten. Da es in der heutigen Altstadt sehr eng war, gab es deswegen auch immer wieder Beschwerden, wenn zwischen Wohnhäusern und Ladengeschäften geschlachtet wurde. Die Dorstener wollten wohl das Fleisch und die Wurst essen, doch das erbärmliche Gebrüll der Tiere vor und der Gestank nach dem Schlachten weder hören noch riechen. Im Hof des Wohnkarrees zwischen der Wiesenstraße, Hühnerstraße, Ursulastraße und der Nonnenstiege hatte der Metzger Ludowski sein Schlachthaus da, wo sich heute Parkplätze und die kleinen Hinterhausgärtchen der umliegenden Anwohner befinden. Früher gehörte das Schlachthaus dem Metzger Kuhlmann. Auch wenn damals überall dort, wo man wohnte, auch gehämmert und gesägt wurde, und die Viehställe rechtlichen Bestandsschutz hatten, waren sich die Anwohner in der Ablehnung des Schlachthauses einig, von dem Gestank und Gebrüll ausging.

Stadtplan mit Schlachthof

Stadtplan zwischen der Wiesenstraße, der Hühnerstraße und der früheren Blindestraße mit den Schlachthäusern

Proteste gegen das Schlachthaus der Metzgerei Perlstein

Inserat des Metzgers Ernst Perlstein

Inserat des Metzgers Ernst Perlstein

Die Witwe Grewer von der Hühnerstraße protestierte dagegen ebenso wie die Nachbarn Heinrich Kaiser und August Kottendorf. Als die Familie Perlstein im Jahre 1921 in der Nähe des damals an der Klosterstraße befindlichen Gymnasium Petrinum eine Metzgerei einrichten wollte, stellte sich der Schulleiter Dr. Josef Wiedenhöfer dagegen, allerdings erfolglos. Er schrieb an das Provinzialschulkollegium in Münster:

„Unmittelbar neben dem Gymnasium, vom inneren Schulhof nur durch eine Mauer getrennt, sollen nun alle Anlagen eines solchen Metzgerei- und Wurstereibetriebs errichtet werden; ein Viehstall ist bereits vorhanden, ebenso ein Schuppen für die geschlachteten Tiere, jedenfalls auch ein Hofteil oder Raum für das Schlachtgeschäft, für eine Wurstküche soll ein Gebäude errichtet werden, das jetzt der Baugenehmigung unterliegt. […] Kommen die geplanten Anlagen zur Ausführung, dann werden wir, eingekeilt zwischen faulem Wurstgeruch und dem Gebrüll der Schlachttiere einerseits und dem mehr zunehmenden Straßenlärm und Staub andererseits, ohne die geringste Ausdehnungsmöglichkeit und ohne Schulhof unsere Schularbeit verrichten müssen.“

Unter verschärften Auflagen genehmigte der Regierungspräsident im Juli 1922 Perlsteins Metzgerei neben dem Gymnasium.

Schlachten in den Metzgereien mit „ambulanten Fleischbeschauer“

In den 1970er-Jahren befasste sich die Dorstener Fleischerinnung wiederholt mit der Frage nach einem Schlachthof für alle Metzger. Denn immer noch schlachteten die Dorstener Metzger selbst. Ein „ambulanter Fleischbeschauer“ des Kreises Recklinghausen besuchte beim Schlachten die Metzgerei. Ende 1976 wurden dafür die Kosten erhöht, worin die damals 17 Dorstener Metzger, von denen 14 eigene Schlachthäuser hatten, eine Attacke gegen diese kleinen Schlachthäuser sahen. Das nicht zu Unrecht, denn der Kreis versuchte schon seit längerer Zeit, die Dorstener Metzger zu einem gemeinsamen Schlachthof zu überreden.

Innungsobermeister Ferdi Sax sah in höheren ambulanten Fleischbeschau-Gebühren sogar eine Wettbewerbsverzerrung, denn die Erhöhung konnten die Metzger ihrer Ansicht nach nicht an die Kunden weitergeben. Ferdi Sax führte gegen den Schlachthof noch an, dass die Dorstener Metzgereien ihre Lehrlinge auch im Schlachten ausbilden konnten. Die nächste überbetriebliche Schlachthof-Ausbildungsstätte wäre damals in Düsseldorf gewesen. Auch unter erhöhtem Gebührendruck setzten sich die Dorstener Metzger für den Weiterbestand der Eigenschlachtungen ein. Mitte der 1970er-Jahre wurden in Dorsten pro Woche etwa 250 Schweine und 60 Rinder geschlachtet. Das Verfahren war wie in den großen Schlachthöfen: Die Tiere wurden elektrisch betäubt und dann abgestochen.

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