Russenfriedhof

Zuerst verscharrt, dann in Einzel- und Massengräbern bestattet

Namenlose Grabfelder; Foto: Wolf Stegemann

Namenlose Grabfelder; Foto: Wolf Stegemann

Auf dem 1943 in Wulfen-Sölten nahe Holsterhausen eingerichteten 800 qm großen „Russenfriedhof“ sind 476 russische Männer und Frauen beerdigt, von denen nur 63 auf kleinen Tafeln namentlich genannt sind. Die anderen liegen in Massengräbern. Die Verstorbenen waren in Dorstener Betrieben als Ostarbeiter/innen tätig. Kinder „wurden in Schuhkartons gelegt und kamen oft zu viert in ein Grab!“. Bevor der Friedhof angelegt wurde, begrub man die Toten entweder auf den kirchlichen bzw. städtischen Friedhöfen oder die, die in der Landwirtschaft arbeiteten, oft neben den Feldern und Äckern.

Einweihung der Gedenktafel der Forschungsgruppe durch P. Immekus

Weihung der Gedenktafel der Forschungsgruppe

Nach dem Krieg musste die Gemeinde Wulfen den verwahrlosten Friedhof säubern und etliche auf anderen Friedhöfen Begrabene und die in der Landschaft Verscharrten bis 1949 zum Russenfriedhof überführen. Noch 1946 schändeten Unbekannte den Russenfriedhof. Mitglieder der KPD erstatteten bei der Polizei Anzeige und vermuteten die Täterschaft bei ehemaligen Nationalsozialisten. Die kyrillische Schrift des von den Sowjets errichteten Mahnmals lautet: „Hier ruhen Sowjetbürger, welche in deutscher faschistischer Gefangenschaft in der Zeit von 1941 bis 1945 gestorben sind.“ 1985 kam eine von der Forschungsgruppe „Regionalgeschichte/Dorsten unterm Hakenkreuz“ initiierte, von Tisa von der Schulenburg (Sr. Paula) gestaltete und P. Imekus geweihte Gedenktafel dazu. Gleiche Tafeln wurden auch an allen russischen Gräberfeldern anderer Friedhöfe angebracht. Später brachte der Heimatverein eine Informationstafel an. 2015 wurde der Friedhof saniert, der morsche Zaun  durch Metallgitter ersetzt, Gehölze beschnitten und Wege begradigt. Die Finanzierung in Höhe von 38.000 Euro übernahm die Bezirksregierung.


Siehe auch:
Tisa von der Schulenburg – Leben & Werke


Quellen:
Wolf Stegemann „Dorsten unterm Hakenkreuz“, Bd. 3, Dorsten 1985. – Ders. „Dorsten nach der Stunde Null“, Bd. 4, Dorsten 1987.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone