Pauluskirche

Kunsthistorisch wertvolle Kirche wird dem hl. Luidgerus zugeschrieben

In Güterverzeichnissen des Grafen Heinrich von Dale aus dem 12. Jahrhundert, die heute im Reichsarchiv in Utrecht aufbewahrt sind, ist die Pfarrei Hervest mit dem Satz „Item in parochia Herevorst curia Haghenbecke“ erwähnt. Das Rittergut Dahl oder Dale lag in der Nähe des heutigen Bork im Landkreis Unna. Von dem einst blühenden Herrscherhaus, das im 14. Jahrhundert ausstarb und dem Hervest gehörte, sind nur noch Ruinen vorhanden. Zur weit ausgedehnten Pfarrei Hervest gehörte der Haupthof und spätere Adelssitz Hagenbeck am nördlichen Ufer der Lippe, heute Holsterhausen. Mit der Kirche St. Paul in Hervest wurde um 770 die erste kirchliche Stätte im Raum Dorsten errichtet, die einer Initiative des hl. Luidgerus zugeschrieben wird. Jahrhundertelang war die Hervester Kirche die einzige Pauluskirche in der Diözese. Sie gehört zu den kunsthistorisch wertvollsten Sakralbauten in Westfalen.

Pauluskirche in Hervest

Pauluskirche in Hervest

Im Dreißigjährigen Krieg entstanden viele Schäden

Die Kirche wurde im 12. Jahrhundert auf bischöflichen Grund errichtet; so war auch der daneben liegende Schultenhof Tenderich, der zum Amtshof Haltern gehörte, Eigentum des Bischofs. In den Besitz der Kirchen waren auch die die beiden Güter Schollbrock und ten Velde gelangt. In Urkunden von 1409 ist von einer Stiftung für den Altar „Unserer Lieben Frauen“ die Rede, zu der später eine Bruderschaft gehörte. Über dem Hauptportal steht die Zahl 1523, und aus derselben Zeit stammt stammt das gotische Sakramentshäuschen, das um 1780 an der Außenwand des Chores Aufstellung fand. 1615 wurden die Innenwände ausgemalt, 1627 die Fenster aufgemauert, 1652 kam eine neue Orgel, 1661 ein neuer Hochaltar, 1662 ein neuer Predigtstuhl. Auch sonst mussten damals manche Einrichtungsgegenstände erneuert werden, denn in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hatte 1625 „Anholts Kriegsvolck die Kirch offgebrochen“. 1633 waren die „Mißgewander und andere Kirchen ornamenta von den Hessischen geratzioniert“. Der Umbau der Kirche, bei dem das einschiffige Langhaus in ein dreischiffiges umgewandelt und das Sakramentshäuschen abgebrochen wurde, ist 1895 nach den Plänen des Mainzer Architekten Becker erfolgt.

Kirchenvorstand ab 2018:

In der Pfarrei St. Paulus in Hervest: wurden 2018 bei einer Wahlbeteiligung von 11,11 Prozent in den Vorstand gewählt: Dirk Börger, Heinrich Brosthaus, Annette Diepenbruck, Klaus-Dieter Grütering, Michael Grütering, Norbert Holz, Wolfgang Hoffrogge, Manfred Klümper, Johannes-Josef May und Rolf Rommeswinkel.


Siehe auch:
Kirchen, kath.


Quelle:
Hans-Günther Schneider „Die frühen urkundl. Erwähnungen der Pfarrkirchen zu Haltern, Recklinghausen, Datteln, Hervest, Lippramsdorf und Flaesheim“ in VK 1984.

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