Ölmühlengelände / Wohnbebauung

Caritas baut 65 Wohnungen am Kanal – Mieten sind exklusiv wie die Lage

Luftbild September 2019 vom Baugebiet am Leinpfad am Kanal; Foto Guido Bludau (DZ)

Für die 65 barrierefreien Wohnungen der Caritas auf dem Hardter Ölmühlengelände am Leinpfad am Kanal sucht die Caritas Mieter. Mitte 2020 haben sich von 436 Angeschriebenen 100 reagiert. Die Lage ist exklusiv, die Mieten allerdings auch. 11,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten verlangt die Caritas von ihren Mietern.  Heizkosten sind zusätzlich mit monatlich 25 Euro für die kleinen Wohnungen und für die größeren auf 45 Euro veranschlagt. Die kleinen Wohnungen werden mit Nebenkosten etwa 1000 Euro, die großen 1500 Euro monatlich kosten. So dürfte eine Gesamtmonatsmiete zusammenkommen, die Dorstener Mieten übersteigt. Der Caritas-Geschäftsführer Schrudde begründete die hohen Mieten gegenüber der „Dorstener Zeitung“, dass die Caritas nichts zu verschenken habe. Die Baukosten seien in den letzten fünf Jahren um 35 Prozent gestiegen. Außerdem seien die Wohnungen nicht nur barrierefrei, sondern haben Dreifachverglasung, eine gute Wärmedämmung, Solarthermie auf den Dächern, Wärmetauscher und verklinkerte Fassaden. Für barrierefreies und behinderten- und rollstuhlgerechtes Wohnen seien die Mieten „sogar noch recht gering“. Sie könnten auch teurer angeboten werden. Solche Wohnungen seien in einer immer älter werdenden Gesellschaft eine absolute Rarität, die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum sei in Dorsten sehr hoch.
Zwei Wohnungstypen bietet die Caritas am Wesel-Datteln-Kanal in sieben Häusern an. Die kleineren Wohnungen, von denen es 52 geben wird, haben 65 Quadratmeter, die 13 großen 100 Quadratmeter. Der parkähnliche Charakter des Geländes soll durch die Bebauung nicht zerstört werden. Nur dass der parkähnliche Charakter des Areals mittlerweile schon verschwunden ist. Zeitplan: Haus eins bis drei (jeweils zehn Wohnungen) werden in den bis Ende 2020 fertig, die nächsten drei (ebenfalls zehn Wohnungen) bis zum Frühjahr 2021. Alle Häuser sind identisch. Das letzte, nachträglich geplante Haus mit fünf Wohnungen soll bis August 2021 stehen.

Stellungnahmen und Leserbriefe zum Thema in der Lokalzeitung

Zu dem Thema veröffentlichte die „Dorstener Zeitung“ am 18. Juli 2020 einen Leserbrief: „Was ist aus dem Caritas-Hilfswerk geworden? Nützliche Gebrauchsgegenstände können nicht angenommen werden, da Lagermöglichkeiten fehlen. Wohnungen werden für Wohlhabende gebaut, die 11,50 Euro Kaltmiete bezahlen können. Für Sozialwohnungen ist auch im rückwärtigen Teil kein Platz, da auf die große Anzahl von Interessenten Rücksicht genommen wird…“ Ein weiterer Leser, der sich um eine solche Wohnung beworben hatte,  schrieb am 21. Juli: „Schnöder Mammon statt christlicher Werte – Geld siegt über karitative Werte wie Nächstenliebe, Wohltätigkeit, Mildtätigkeit, denn diese Merkmale stehen für den karitativen Gedanken der Caritas. Im Projekt ,Wohnen am Leinpfad’ werden diese Attribute allerdings ,mit Füßen getreten’.  Hier wird der karitative Gedanke ,beerdigt’. … „Herr Schrudde, dann wandeln Sie die Caritas doch gleich in eine Aktiengesellschaft um!“
Friedhelm Fragemann, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, nahm in der „Dorstener Zeitung“ vom 25. Juli Stellung: „Dem Geschäftsführer des Caritasverbandes Dorsten, Klaus Schrudde, müsste hinreichend geläufig sein, dass ein sozialer Wohlfahrtsverband nicht die Aufgabe hat, Kapitalrendite zu erzielen, wie es bei freien privaten Unternehmen der Fall ist … Ich empfehle dringend eine Rückbesinnung auf die Aufgaben als sozialer Wohlfahrtsverband. Man kann nicht auf der einen Seite mildtätige und ehrenamtliche Tätigkeiten hochhalten und zum Beispiel über Haussammlungen Solidarität einfordern, auf der anderen Seite aber mit einem Luxus-Ghetto Profite erzielen wollen. Die Aussage von Herrn Schrudde, er hätte auch 15 Euro pro Quadratmeter nehmen können, macht deutlich, dass die notwendige sozialpolitische Orientierung bei der Caritas abhanden gekommen ist.“
Dr. Hans Udo Schneider, Sozialpfarrer a. D. schrieb am 1. August seine Meinung in einem DZ-Leserbrief (Auszug): „Wie zu hören ist, schwelt der Konflikt um die Mietpreise der neuen Caritas-Wohnanlage weiter. Das verwundert nicht. Es geht um das Selbstverständnis der Caritas. Sie hat den Anspruch „Wesensäußerung der Kirche“ zu sein. Wie passt das zusammen mit dem Ziel, hohe Renditen auf dem Wohnungsmarkt zu erzielen? Da hilft auch das Argument nicht weiter, man habe durchaus auch noch höhere Mietpreise durchsetzen können. Die einen können es sich leisten, während viele andere verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum suchen. Wem ist die Caritas verpflichtet?“

Siehe auch: Ölmühle
Siehe auch: Caritasverband Dorsten


Quelle: Claudia Engel in DZ vom 14. Juli 2020

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