FreiRaum

Präventionsprojekt für Kinder und Jugendliche von suchtkranken Eltern

Bereits 1992 gab es in Dorsten das erste Präventionsprojekt für Kinder suchtkranker Eltern. Es hatte allerdings nur für ein halbes Jahr Bestand, da es keine personellen Kapazitäten gab. Im September 2019  gab es einen neuen Anlauf. Das Projekt der Caritas heißt „FreiRaum“, das Kinder von psychisch kranken und suchtkranken Eltern präventiv unterstützen soll. Das Angebot richtet sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Dass die Hilfe nötig ist, zeigt schon ein Blick auf die Statistik: 60 Prozent der Personen, die von der Caritas betreut werden, haben selbst als Kind Sucht erleben müssen. So wird das Problem von einer Generation an die nächste weitergegeben. 2017 hatte sich eine fachübergreifende Projektgruppe gegründet, um das Thema anzugehen. Es dauerte lange, bis die Finanzierung stand. Für drei Jahre gab es Fördergeld von der ZDF-„Aktion Mensch“.

Trennungsängste, Tabuisierung, Stigmatisierung, Schamgefühle…

In Dorsten leben etwa 5000 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren in Familien, in denen ein Elternteil psychisch erkrankt und/oder suchterkrankt ist. Die Lebenssituation von Kindern psychisch erkrankter und/oder suchterkrankter Eltern ist durch schwierige Entwicklungsbedingungen in Zusammenhang mit der elterlichen Erkrankung hoch belastet. Betroffene Kinder leiden zum Beispiel besonders unter Einsamkeit, Isolation und Entfremdung, fehlende Aufmerksamkeit und Förderung, Angst vor einer Krankheitsverschlechterung ihrer Eltern und damit verbundene Trennungsängste, Tabuisierung und gesellschaftliche Stigmatisierung, fehlende Aufklärung über die Erkrankung, Schamgefühle, Schuldgefühle, die psychische Erkrankung durch ihr Verhalten mit ausgelöst zu haben sowie Rollenumkehr und verstärkte Verantwortungsübernahme. Im Gesundheitssystem, so die Caritas, bestehen kaum Möglichkeiten, sich diesen Kindern zu widmen, solange sie selbst noch nicht erkrankt sind. Statistisch ist jedoch für diese Kinder das Risiko, selbst eine psychische oder Suchterkrankung zu entwickeln, deutlich höher als bei Kindern gesunder Eltern. Auch in Dorsten gab es bislang keine Institution, die sich diesen Kindern mit einem zielgruppenspezifischen Angebot explizit und umfassend widmete. Aus diesem Grund wurde das Präventionsprojekt FreiRaum entwickelt. Eine niederschwellige, risikomindernde Prävention und Frühintervention soll die Aussicht auf eine gesunde Entwicklung der Kinder erhöhen.
Eine Gruppe aus Mitarbeitern unterschiedlicher Fachbereiche des Caritasverbandes Dorsten (Sucht- und Drogenhilfe, Jugendhilfe, Gemeindecaritas und Hilfe für psychisch kranke Menschen) entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Recklinghausen als gemeinsames Angebot das fachbereichsübergreifende Präventionsprojekt. Es will präventiv bei Kindern wirksam werden, indem personale, familiäre und soziale Schutzfaktoren gestärkt werden, damit die Kinder auch unter andauernder Belastung gesund bleiben. FreiRaum hilft dabei, den Kindern und Jugendlichen (4 bis 27 Jahren) ein positives Selbstwertgefühl und angemessene Bewältigungsstrategien zu vermitteln, offene Kommunikationsstrukturen zu schaffen, über die Erkrankung aufzuklären und außerfamiliäre Sozialkontakte aufzubauen

Vor der Corona-Pandemie wurden 12 Familien betreut

Betroffene Kinder und Jugendliche und Eltern können sich direkt an FreiRaum wenden und einen Gesprächstermin vereinbaren. Beim ersten Kennenlernen werden Informationen ausgetauscht und Vereinbarungen über das weitere Vorgehen besprochen. FreiRaum ist freiwillig und kostenlos! Seit dem Start des Projektes im September 2019 bis März 2020, als die Corona-Pandemie ausbrach, gab es insgesamt zwölf Familien mit ihren Kindern und auch Jugendlichen, die das Angebot zur Beratung in den Räumlichkeiten des Beratungszentrums an der Halterner Straße 28 und auch zu Hause oder in der Schule mehrmalig genutzt haben. Die Eltern sind entweder psychisch erkrankt oder suchterkrankt. – Neben Sabine Cremer gehören Simone Glinka als Projektleiterin, Karl-Heinz Berse (Caritas-Fachbereich Sucht- und Drogenhilfe), Heike Pithan (Hilfe für psychisch kranke Menschen), Anne Rentmeister (Jugendhilfe) und Ulrike Mossakowski (Sozialpsychiatrischer Dienst des Kreises Recklinghausen) der Projektgruppe „Freiraum“ an (Stand Mitte 2020).

Siehe auch: Caritasverband Dorsten


Quellen: Homepage FreiRaum (Caritas, Aufruf Juli 2020). – Bianca Glöckner in DZ vom 27. Juni 2020.

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