Neubert, Ulrike

2021 Bundesverdienstkreuz für in Kenia erfolgreich tätige „Dorstenerin“

Bürgermesiter Stockhoff, Ulrike Neubert, Landrat Klimpel (v. l.) bei der Verleihung im Kreishaus

In Anwesenheit des Dorstener Bürgermeisters überreicht der Landrat im Kreishaus Recklinghausen Ulrike Neubert im August 2021 das ihr vom Bundespräsidenten verliehene Bundesverdienstkreuz am Bande für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement vor allem im Bereich Völkerverständigung. Ulrike Neubert reiste zur Verleihung extra aus Kenia an, wo sie seit Jahrzehnten lebt. Auf Wunsch der Geehrten fand die Verleihung im kleinen Kreis im Kreishaus Recklinghausen statt. Von 1972 bis 1976 studierte die gebürtige Soesterin Erziehungswissenschaft an der Universität in Göttingen. Ende der 1970er-Jahre setzte sie sich für die Rechte der Frauen ein und war eine der Initiatoren des Frauenhauses in Göttingen. Zwischen 1982 und 2000 leitete sie mit Unterbrechungen das deutsch-kenianische Sprach- und Kulturinstitut in Mombasa/Kenia, war Lehrerein am dortigen Goethe-Institut. Kenia war bekannt dafür, dass dort weiße Sex-Touristen ihre Neigungen ausleben konnten. Doch damit sollte es nun vorbei sein. Die kenianische Regierung in Nairobi wollte Anfang der 1980er-Jahre dem Sex-Tourismus aus Übersee, der außer guten Devisen auch allerlei ungute Sitten ins Land brachte, energisch entgegentreten. Ein Parlamentsabgeordneter lt. „Spiegel“ vom 14. November 1982:

„Wir benötigen ausländische Devisen, aber nicht beschämendes Betragen.“ Strittig war, wie das eine ohne das andere zu erlangt werden konnte. Denn viele Touristen suchen am Strand des Indischen Ozeans nicht weißen Sand, sondern schwarzen Sex – vorneweg die Deutschen. Der Spiegel: „Nicht, dass sie alle nur das eine suchen“, sagt Ulrike Neubert aus Soest, Deutschlehrerein des Goethe-Instituts in Mombasa, „aber die Sex-Touristen stellen sicherlich die stärkste Gruppe.“

1984 war sie Mitbegründerin des Netzwerkes „Women Network Centre“ in Mombasa, das sich für die Rechte von Frauen in dem afrikanischen Land einsetzt. 1997 gründete sie das „Kwetu Training Centre“ in Kilifi/Kenia. Seither leitet Ulrike Neubert ehrenamtlich dieses Ausbildungszentrum zur Nutzung von natürlichen Ressourcen der Region, das mittlerweile auch international anerkannt ist. Ausgebildet werden vor allem Jugendliche und Frauen, da diese Gruppen besonders stark von der hohen Arbeitslosigkeit betroffen sind. Heute gilt das Zentrum als Vorzeigeprojekt und erfolgreiches Beispiel für Nachhaltigkeit. Unter schwierigen bürokratischen, sozialen und klimatischen Bedingungen hilft sie in Kenia Familien dabei, sich durch eigene Arbeit zu ernähren und ihren Kindern Zugang zu Schule und Bildung zu ermöglichen.  Durch die Vermittlung beruflicher Kompetenzen zeigt sie Jugendlichen Wege auf, wie sie der Perspektivlosigkeit entkommen und später ein Einkommen erzielen können. Die Nutzung lokaler Agrarrohstoffe verbesserte die Perspektiven von Jugendlichen, Frauen und deren Familien. Angeboten werden beispielsweise Kurse über Imkerei, Meeres- und Agrarkultur und nachhaltige Landwirtschaft wie die Verarbeitung des Niembaumes, der wenig Wasser benötigt, und der Mangrovenanbau. Von 1999 bis 2001 erwarb sie an einem OD-Institut in den USA ein Diplom für Organisatorische Entwicklungshilfe. Von 2009 bis 2013 hatte Ulrike Neubert das Amt der Programmdirektorin der Frauenorganisation „Soroptimist International Europa“ inne, von 2013 bis 2015 war sie Vizepräsidentin.
Seit 2008 trug sie durch ihre Arbeit in der Geschäftsführung der „Deutschen Stiftung Weltbevölkerung“ in Kenia unter anderem zur Sexualaufklärung Jugendlicher bei. Durch die Arbeit des Ausbildungszentrums veränderte sich auch die Sicherheitslage der gesamten Region zum Positiven, da gleichzeitig Probleme wie Drogenkonsum, sexuelle Ausbeutung, Menschenhandel, frühe Schwangerschaften und die Zahl der HIV-Infektionen abnahmen. Projekte dieser Art leben von der praktischen und kompetenten Arbeit vor Ort, wie sie Ulrike Neubert in ihrem Projekt seit mehr als 20 Jahren in Afrika praktiziert. Daher betonte Landrat Bodo Klimpel in seiner Festrede im Kreishaus:

„Durch Ihr ganz besonderes Engagement tragen Sie zum Wohl unserer Gesellschaft bei, schaffen Verbindungen zwischen den Kulturen und sorgen für gegenseitiges Verständnis. Durch Ihr Handeln werden Sie zum Vorbild für andere Bürgerinnen und Bürger. Sie machen anderen Menschen Mut, selbst aktiv zu werden.“

Presserechtliche Anmerkung: In Bezug auf die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wird Ulrike Neubert in Veröffentlichungen der städtischen Pressestelle und in der Lokalzeitung lediglich als „Dorstenerin“ bezeichnet. Der Dorstener Leser erfährt nicht, welchen Bezug die  in Soest geborene zu Dorsten hat. Außer den Artikeln über ihre Ordensverleihung der Dorstener Zeitung wird auch im Internet in Zusammenhang mit ihrer Person lediglich Soest, Göttingen und dann afrikanische Städte genannt. Bei der städtischen Pressestelle nach den Bezügen der „Dorstenerin“ zu Dorsten gefragt, wurde erklärt, dass die Information, ob und wann sie in Dorsten wohnte oder vielleicht neben ihrem jahrzehntelangen Wohnsitz in Kenia formal auch noch in Dorsten gemeldet ist, „aus Datenschutzgründen“ nicht beantwortet werden können, obgleich das Presserecht in einem solchen Fall dies zulässt. Auf die Beschwerde hin wurde dann mitgeteilt:

„Unabhängig von aktuellen oder früheren Wohnorten werden Verleihungen von Bundesverdienstkreuzen in der Regel an dem Ort durchgeführt, an dem die Geehrten zum Zeitpunkt der Zuerkennung dieser Ehrung gemeldet waren. Davon kann in Absprache mit dem Bundespräsidialamt abgewichen werden. In diesem Fall war es aber so, dass die Geehrte zum Zeitpunkt der Entscheidung über die Zuerkennung des Bundesverdienstkreuzes in Dorsten gewohnt hat.“

Wo und seit wann Ulrike Neubert in Dorsten wohnt/e wurde nicht mitgeteilt. Eine Online-Anfrage an Ulrike Neubert in Kenia über ihren Dorstener Bezug blieb bislang unbeantwortet (W. St.).


Quellen: DZ vom 26. Aug.2021. – Tobias Scheufele, Pressestelle Bundespräsidialamt Berlin. – Pressestelle Stadt Dorsten. – Spiegel Nr. 46/1982.

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