Lenz, Stephanie

Ein Weg von brillanter „Medea“-Darstellerin zur Medien-Fachfrau

Geboren 1968 in Bottrop-Grafenwald; Autorin, Filmwissenschaftlerin und Cartoonistin; lebt in Rottach-Egern. – Wer gegen Ende der 1980er- bis in die 1990er-Jahre hinein in Dorsten kulturinteressiert war, der kam am „Sommertheater“ in Maria Lindenhof nicht vorbei und somit 1988 nicht an Stephanie Lenz als großartige Medea im gleichnamigen Stück von Euripides und ein Jahr später als Furie in „Thyestes“. Bei Zeus und allen Göttern, wer sie sah, dem blieb sie in Erinnerung.

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Nach dem Abitur am Leo-Albertz-Gymnasium in Bottrop studierte Stephanie Lenz bis 1996 Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Sozialpsychologie und Politikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum mit Magister-Abschluss. Ihre Magisterarbeit „Mensch – Drama – Landschaft – Regie: Michelangelo Antonioni“ wurde als „sehr gut mit Auszeichnung“ bewertet. Während des Studiums arbeitete sie bereits am Theater Dortmund und am Essener Stadttheater und der Philharmonie Essen als Regie- und Dramaturgiehospitantin bzw. Assistentin. Ferner war sie über zehn Jahre Mitglied einer Off-Bühne in den Bereichen Schauspiel, Regie und Dramaturgie. Es folgten Arbeiten als Trailer-Editorin und Bildregisseurin beim Adolf-Grimme-Institut in Marl, bevor sie im Jahr 2000 ihren Wohnsitz vom Ruhrgebiet nach München verlegte und als Headwriterin in einer TV-Produktionsfirma zahlreiche Trailer und TV-Serienformate entwickelte. Seit 2004 ist Stephanie Lenz in München als freiberufliche Texterin tätig und entwirft Konzeptionen für die Bereiche TV-Design, On-Air-Promotion, Commercials, Print und Web für Werbeagenturen, TV-Sender und Verlage. Sie arbeitet/e u. a. zusammen mit der Internationalen Film-, Fernseh- & Musik-Akademie in Gauting, El Cartel Media GmbH in  München, dem RTL-2 Fernsehen, der Tele-5, beide in München-Grünwald, dem Meininger Verlag in München sowie mit der Pressebildagentur Interfoto. Stefanie Lenz war zwischen 2004 und 2007 an der Theaterproduktion „Mamma Medea“ beteiligt und 2007 offizielles Gründungsmitglied des Verbandes deutscher Film- und Fernsehdramaturgen e. V. in Berlin.

Mit satirischen Zeichnungen  Gefühlszustände dokumentiert

Auch hat sich Stephanie Lenz als Cartoonistin einen Namen gemacht. Unter dem Titel  „Grenzwertige Stillstände – Satirische Zeichnungen von Stephanie Lenz“ zeigte sie ihre Arbeiten 2011 im Jazzclub „Unterfahrt“ in München.

Die „grenzwertigen Stillstände“ stellen die Absurdität menschlicher Lebens- und Empfindungswelten als ganz konkrete und nachvollziehbare Gegebenheit dar – das heißt: in greifbaren, szenischen Miniaturen. Diese kleinen Dramen begreifen sich als Momentaufnahmen menschlicher Wirklichkeiten in ihren alltäglichsten, skurrilsten und absurdesten Erscheinungsformen. Auf die Darstellung dramatischer Situationen, auf Vordergründiges, das sich aus dem Verhalten, bzw. aus den Taten, der Protagonisten speist, wird verzichtet. Vielmehr betont der kalkulierte, analytisch- distanzierte Blick auf die Figuren – auf ihr Tun bzw. auf ihre Taten –, die Unwichtigkeit vordergründiger Geschehnisse zugunsten menschlicher Gefühlszustände und Gedankenkonstruktionen: Neuralgische Momente – Selbstentfremdung – Ängste und Einsamkeiten – Gelingen und Scheitern – Seelenlandschaften – Abseitiges und Abgründiges – Glücksmomente, Illusionen und Träume – Eitelkeiten – „Kerkerbeschäftigungen“ – Sicher- und Unsicherheiten – Tragikomisches – Intimität und Intensität – Innere Dämonen – Polaritäten und Banalitäten … Ganz egal, was die Figuren tun oder wie sie es tun, was sie denken oder fühlen: Sie müssen ihr Leben leben.

In der Mitte ihrer Lebens- und ihrer weit gefächerten Berufserfahrung angekommen, sagt Stephanie Lenz, darauf zurückblickend: „Es waren einige Jahrzehnte reflektierter Lebenserfahrung unter Beibehaltung des Humors.“ Angefangen haben diese Jahrzehnte als brillante Medea in den grünen Anlagen von Maria Lindenhof zwischen Lippe und Kanal. Heute liebt sie ihre beiden Katzen, lange Spaziergänge an der Isar, viele Gespräche und die Literatur. Vor allem die von Fernando Pessoa. Ihren Humor bewahrt sie sich im Sinne von Schillers „Wallenstein“-Prolog „Ernst ist das Leben, heiter die Kunst.“


Siehe auch:
Künstler, darstellende
Literaten, lebend

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