Lebenshilfe

Die Lebenshilfe engagiert sich erfolgreich seit 50 Jahren in Dorsten

Verwaltung udn Frühförderstelle in der Hohefeldstraße

1965, 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, gab es kaum Hilfen und keine Förderangebote für Menschen mit geistiger Behinderung und für deren Familien.  Professionelle Beratungsstrukturen waren so gut wie unbekannt. Es herrschte zudem eine Atmosphäre, in der sich Betroffene und ihre Probleme lieber versteckten. Eine Zeit, in der die Gesellschaft Menschen mit Besonderheiten bestenfalls gleichgültig, meist aber schaulustig oder offen feindselig gegenüber stand. Auch in Dorsten regte sich etwas gegen diesen Zeitgeist. Aber erst 1995 startete die Diskussion um die Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung. Für die einen war es pure Not, für andere engagiertes Mitfühlen. Eltern von Kindern mit geistiger Behinderung taten sich zusammen, wollten ihren Nachwuchs gefördert wissen. Sie gewannen Unterstützer, organisierten erst im kleinen Kreis Unterstützungsangebote, gingen dann an die Öffentlichkeit.

Gründungsvorsitzender war der RN-Lokalredakteur Hans Kühnel

Villa Keller in der Ovelgünne

Erster Vorsitzender der Lebenshilfe wurde der Journalist Dr. Hans Kühnel, von 1955 bis 1963 Lokalredakteur der Ruhr Nachrichten in Dorsten. Er starb 1967 starb, prägte ab den Verein für eine lange Zeit: Sein Team – dem unter anderem Manfred Buschfort und Fritz Marek angehörten – stellte die Lenker und Macher der Aufbauphase. In diesen Anfangsjahren ging es vor allem um Akzeptanz und grundlegende Hilfen. Es wurden endlich Informationsveranstaltungen und Beratungen für Eltern angeboten. Erste gemeinsame Betreuungsmöglichkeiten folgten, zu denen 1968 die neue Tagesstätte an der Wasserstraße gehörte. Der Verein hatte die Verantwortung dafür zusammen mit dem Amt Hervest-Dorsten übernommen. 36 Kinder wurden dort betreut und gefördert. Zu den Lebenshilfe-Angeboten zählten auch die heute legendären Stadtranderholungen. Für diese hatte der damalige Volksbank-Vorstand Hubert Kahr immer wieder Geld gesammelt. Bald wurden Lese- und Schreibkurse gemeinsam mit der Volkshochschule initiiert, so dass auch ältere Jugendliche und Erwachsene Nutzen von den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Förderung zogen.

Lebenshilfe ein positives Beispiel für das gelebte Miteinander

Voritzender Ludger Cirkel

Später dachte man vorsichtig über das Thema Integration nach – und 1988 gab es den ersten Kindergarten für alle Kinder, ob mit oder ohne geistige Behinderung. Und zum 25-jährigen Bestehen freute sich die Lebenshilfe auf den ersten integrierten Unterricht in einer Grundschule. Dorsten war zu einem positiven Beispiel für das gelebte Miteinander von Menschen mit und ohne geistige Behinderung geworden. In dieser Zeit war Birgit Witting längst aktiver Teil der Lebenshilfe. Denn ihre Tochter besuchte eine Spielgruppe des Vereins, und sie gehörte zu den engagierten Müttern: „Es fing damit an, dass ich stellvertretend für die anderen Eltern einen Brief an den Kreis Recklinghausen unterschreiben sollte. Es ging um eine zweite Kraft für die Frühförderung.“ 1985 wurde Birgit Witting in den Beirat gewählt, vier Jahre später war sie Vorstandsmitglied und ehrenamtliche Geschäftsführerin. Ab 1995 wurde daraus eine Teilzeitbeschäftigung. Seit 2009 – nach der Aufteilung der Lebenshilfe in einen gemeinnützigen Verein und einen gemeinnützigen Wirtschaftsbetrieb auf GmbH-Basis – trägt sie diese Verantwortung ganztags.  Ludger Cirkel hatte den Vorsitz 2013 von Dr. Karl-Christian Zahn übernommen. Der frühere Dorstener Bürgermeister und Stadtdirektor hatte nach 16 Jahren im Vorstandsamt einen Nachfolger gesucht.

Lebenshilfe entwickelte sich zu einem mittelständischen Arbeitgeber

1989 hatte der Dorstener Verein Lebenshilfe drei Mitarbeiter. Er entwickelte sich zu einem mittelständischen Arbeitsgeber mit rund 120 Mitarbeitern (2017) mit vielfältigen Aufgaben in den nach und nach entstandenen sozialen Einrichtungen aus ihrem Büro: Villa Keller, Lebenshilfe Center, Integratives Familienzentrum Pusteblume, Außenwohngruppe Holsterhausen, Haus der Lebenshilfe in Lembeck, Frühförderung und Geschäftsstelle an der Hohefeldstraße. 55 Frauen und Männer engagieren sich zudem ehernamtlich für die gemeinsame Sache.

Siehe auch: Villa Keller

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