Laum, Prof. Bernhard

Er verstand es, den sakralen Ursprung des Geldes zu erklären

1884 in Velen bis 1974 in Marburg; Wirtschaftswissenschaftler und Staatsrechtler. – Er machte 1904 am Dorstener Gymnasium Petrinum das Abitur und forschte als Archäologe, Altphilologe, Nationalökonom und Hochschullehrer für Staatsrecht über die Entstehung und den Nutzen des Geldes. Sein 1924 erschienenes Buch „Heiliges Geld“, das bis heute aufgelegt wird, irritierte die damalige Finanzweltwelt. Noch heute werden seine Thesen in vielen Ländern – von China bis Südafrika, von den USA bis Japan – zitiert, gelehrt und diskutiert. Im Internet gibt es aktuelle Blogs, über die sich Studenten, Wirtschaftswissenschaftler und Finanzpolitiker über Laums „Heiliges Geld“ austauschen.

Forschung über Geld und Nationalökonomie

Prof. .... Laum mit Tochter

Prof. Bernhard Laum mit Enkelin; Foto: privat

Er war der Sohn von Franz Laum (1849 bis 1923), Müller in Vreden, und  Josefine Welsing (1848 bis 1910), ebenfalls aus Vreden. Nach seinem Abitur in Dorsten studierte Bernhard Laum zunächst Archäologie und Altphilologie in Bonn, München und Straßburg, wo er als Schüler von Bruno Keil 1908 mit der Dissertation „Stiftungen in der griechischen und römischen Antike“ 1914 promoviert wurde. Nach dem Staatsexamen pro facultate docendi (1911) unternahm Laum als Stipendiat des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches eine längere Studienreise nach Athen und Kleinasien, als deren Frucht 1928 sein Buch „Das Alexandrinische Akzentuationssystem“ erschien. Mittlerweile war ihm aber das Thema innerlich fremd geworden, denn er fühlte sich zu den Problemen der historischen Nationalökonomie hingezogen. Nach dem Kriegsdienst von 1915 bis 1917 habilitierte er sich im Juli 1917 für Wirtschaftsgeschichte in Frankfurt.

Geld nicht aus der Nützlichkeitserwägung entstanden

Speziell auf dem Gebiet der Geldtheorie war jetzt für Laum die Möglichkeit gegeben, seine Kenntnisse der antiken Wirtschaft zur Begründung origineller nationalökonomischer Lehrmeinungen zu verwenden. Seit 1922 nicht beamteter außerordentlicher Professor, schrieb Bernhard Laum 1924 gegen die rein theoretische Ökonomik sein bestes Buch „Heiliges Geld. Eine historische Untersuchung über den sakralen Ursprung des Geldes“, worin der Ursprung des Geldes aus den religiösen Opferhandlungen der antiken Menschen erklärt wird. Laum stellte in diesem Buch heraus, dass er von der These nichts hielt, Geld sei aus Nützlichkeitserwägungen entstanden. Er entwickelte vielmehr die Sakraltheorie, nach der Geld als ein religiöses Opfer entstand, indem in der Antike Priester durch die Hingabe von Metallen Gegenleistungen von den Göttern erhofften, wobei sich im Laufe der Zeit feste „Tarife“ für bestimmte göttliche Leistungen herausgebildet hätten. Im Laufe der Zeit sei dann der Staat an die Stelle der Gottheit getreten und der Beamte an die Stelle des Priesters, behauptete Laum. Das Ergebnis bestand in der Verweltlichung und Ausbreitung der Geldwirtschaft. Laums Erklärung ist umstritten, aber noch gehört sie zum Standardstoff deutscher Lehrbücher über das Geldwesen. Ein „brillantes Buch“, so urteilte der amerikanische Psychohistoriker Lloyd de Mause. Bernhard „Laums Studie über die Anfänge der Münze“, so eine französische Veröffentlichung, „ist von brennender Aktualität, erinnert sie doch an die vergessene Dimension des Kapitals: den Zusammenhang von Geld und Religion.“

Viele wissenschaftliche Werke erschienen

Ende 1923 ging Laum als Ordinarius an die Akademie Braunsberg in Ostpreußen, obwohl dort für ernste wissenschaftliche Arbeiten keine zureichende Bibliothek vorhanden war. Während der Jahre in Braunsberg (bis 1936) brachte Laum neben den schon genannten Schriften noch „Das Wesen des Münzgeldes“ (1930) und „Die geschlossene Wirtschaft“ (1933) heraus, eine Arbeit, in der er sich mit dem damals sehr aktuellen Autarkieproblem auseinandersetzte. Als Ergebnis seiner Vorlesungstätigkeit erschien 1935 die „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“. Im Oktober 1936 berief ihn die Universität Marburg auf den ordentlichen Lehrstuhl für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Hier wirkte Laum noch 16 Jahre lang. Seine späteren Studien bezweckten den Nachweis, dass auch die Bereiche des Schenkens, des Bewirtens und der gegenseitigen Hilfe in die Ökonomie gehören. Diesem Ziel diente das Werk „Schenkende Wirtschaft. Nichtmarktmäßiger Güterverkehr und seine soziale Funktion“, das 1960 erschien. – Bernhard Laum wurde 1953 emeritiert und starb 1974 in Marburg. – Weitere Werke: „Das Eisengeld der Spartaner“, 1925; „Die Entstehung der öffentlichen Finanzwirtschaft“ (Altertum und Früh-Mittelalter) in: Handbuch der Finanzwissenschaft, 1926; „Geschichte der öffentlichen Finanzwirtschaft im Altertum und im Früh-Mittelalter“,  ebd. in: Lb. aus Kurhessen und Waldeck III, 1942; „Allgemeine Wirtschaftsgeschichte“ in: Die Handelshochschule, 1949; „Kinder tauschen, teilen, schenken“, 1966.


Quelle:
Walter Brauer „Laum, Bernhard“, in: Neue Deutsche Biographie 13 (Onlinefassung). – Wikipedia, Online-Enzyklopädie. – Schülerverzeichnis des „Vereins ehemaliger Schüler des Gymnasium Petrinum“ 1953. – Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (2011).

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