Kornblumentag

Vaterländischer Frauenverein sammelte für Kriegsveteranen

"Kornblümchen" 1934 auf der Freitreppe von Schloss Lembeck (Jugendorganisation Stahlhelm)

„Kornblümchen“ 1934 auf der Freitreppe von Schloss Lembeck (Jugendorganisation Stahlhelm)

Das Zentralkomitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz erklärte 1911 den 16. Juni zum „Kornblumentag“. Denn 40 Jahre zuvor, am 16. Juni 1871, kehrten preußische Truppen siegreich aus dem deutsch-französischen Krieg zurück. In Erinnerung daran wurden in den preußischen Städten und Gemeinden eigens für diesen Gedenktag hergestellte Postkarten und Kornblumenanstecker zu Gunsten der Veteranenfürsorge des Roten Kreuzes verkauft. Die Kornblume war die Lieblingsblume der legendären preußischen Königin Luise, die Kaiser Napoleon I. in Memel zur Zurückhaltung gegenüber dem geschlagenen Preußen umzustimmen versuchte. Zudem war die Kornblume als preußische Blume das Symbol des Deutschtums. In Dorsten übernahm der „Vaterländische Frauenverein“ die Sammelaktion. Beim Zentralkomitee des Roten Kreuzes in Berlin bestellten die Damen 6.000 Kornblumen, 2.000 Postkarten und 25 Sammelbüchsen, die wegen des großen Andrangs nicht mehr geliefert werden konnten. Daher verschob der Vaterländische Frauenverein den Dorstener „Kornblumentag“ auf den 27. August, dem Tag, an dem der Schützenverein feierte. Überall im Stadtgebiet wurden die Kornblumenanstecker verkauft und die Geschäfte schmückten ihre Schaufenster mit großen Kornblumen. Schließlich bekam der Vaterländische Frauenverein auf Nachfrage die Erlaubnis, die Hälfte des gesammelten Geldes für die örtliche Veteranenfürsorge einzubehalten. Das war immerhin ein Betrag in Höhe von 585 Mark. Weil die preußische Regierung lieber die „Roten“ verfolgte, anstatt Geld für Veteranenpensionen ausgab, kritisierte ein anonymer Dichter den Kornblumentag in einem kleinen Vers:

„Das leert vor allem ihre Kassen –
Fürs Kriegspack betteln sie derweil auf allen Gassen –
Kornblumentag…“

„Kornblümchen“ hießen die Mädchen der Jugendorganisation des Stahlhelmbundes, der 1934 in die SA aufging. Aus diesem Grund ließen sich die Lembecker „Kornblümchen“ 1934 noch einmal als Gruppe auf der Freitreppe von Schloss Lembeck fotografieren.

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