Knorr, Karl

Profi-Boxer, Westfalen-Meister im Schwergewicht und Taubenfreund

Familie Karl Knorr in der Holsterhausener Parallelstraße

Familie Karl Knorr in der Holsterhausener Parallelstraße

1916 in Holsterhausen bis 2005 in Dorsten-Holsterhausen, Profi-Boxer. – Der Holsterhausener Teppichweber schloss sich dem 1927 in Dorsten gegründeten Faustkämpfer-Verein an, doch für den damals 17-Jährigen gab es im Verein keine Gegner. Erst ein Jahr später fanden sich einige Kämpfer ein, die gegen ihn antreten wollten, darunter der Holländer van der Linde, der 200 Pfund auf die Waage brachte, aber gegen Karl Knorr nicht ankam. 1936 fuhr Karl Knorr mit Freunden zur Olympiade nach Berlin. Zurückgekehrt, wollte er es seinen Boxidolen, die er in Berlin gesehen hatte, nacheifern. Von Jan Tenbulte vom Dorstener Box-Verein ließ er sich trainieren und lernte Taktik und Kampftechnik. Schon 1938 wurde Karl Knorr Meister im Schwergewichtsboxen im Gau Westfalen. Ein Jahr später erneuerte er den Titel.

Mit 33 Jahren beendete er das Boxen und widmete sich seinen Tauben

Karl Knorr mit Frau (Zeitungsbild)

Karl Knorr mit Frau (Zeitungsbild)

Die Vereinskämpfe fanden in Holsterhausen auch unter freiem Himmel statt, entweder auf dem Sportplatz Blau-Weiß im Bereich Maria Lindenhof, im Hof der Bonifatiusschule oder im Biergarten der Wirtschaft Schulte/Boers an der Borkener Straße. Die schönste Box-Arena stand in der Turnhalle der Bonifatiusschule in Holsterhausen. Der Kriegsausbruch 1939 stoppte die Sportwettkämpfe. Karl Knorr heiratete und veränderte sich beruflich. Er ging zu den Hoesch-Werken nach Dortmund. Nach dem Krieg fand er zum Boxen zurück und wurde bei der ersten Box-Veranstaltung und weiteren Kämpfen Sieger. Daher wechselte er in der schlechten Nachkriegszeit ins Profi-Lager. In Hamburg, Bremen, Hannover und Dortmund trug er Kämpfe aus und hatte es schwer genug, in der Nachkriegszeit dort überhaupt hinzugelangen. Karl Knorr schaffte es, einige schwergewichtige Gegner aus dem Feld zu boxen, wie Kohbrecher aus Hannover, Schnarre aus Recklinghausen und Hein Tenhoff aus Hamburg. 1949 hängte er, gerade 33 Jahre alt, seine Boxhandschuhe an den Nagel, fand Arbeit als Schlosser auf der Zeche Fürst Leopold und trat dem Taubenverein „Pfeil“ in Holsterhausen bei, dessen Ehrenmitglied er 1994 wurde. Bis zu seinem Tod im Jahre 2005 hielt er seinem Verein und seinen gefiederten Freunden die Treue.


Siehe auch:
Sportler


Quellen:
Holsterhausener Geschichten, Band 1, 1999. – Gespräch mit Gregor Duve, Holsterhausen.

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