Hanse

Zahlungsaufforderungen überforderte die Stadtkasse – das Ende

Hanse-Karte um 1400

Hanse-Karte um 1400

Da Dorsten im Binnenland liegt, waren Außenhandelskaufleute gezwungen, in Städte an der Ost- oder Nordsee umzusiedeln. Allerdings gibt es darüber keine frühen Nachweise. Erst 1567 ist belegt, dass der Dorstener Kaufmann Augustin Behen in Brügge bzw. Antwerpen für das Hansekontor tätig war, das ihm für seine Arbeit ein Zeugnis ausstellte. – Schon 1356 führte der Hanse-Kaufmannsbund den ersten Hansetag durch, der mit einfacher Stimmenmehrheit als oberste Instanz über wichtige Angelegenheiten des Handelsbündnisses entschied. 1499 wurde der gesamte Hansebereich in vier Quartiere eingeteilt. Dem rheinisch-westfälischen Quartier stand Köln vor. Es gab regionale Hansetage auf Quartierebene. Die unterste Stufe der hansischen Organisation bildeten die Stadträte jeder einzelnen Hansestadt.

Dorsten war nur eine Beistadt, keine reguläre Hansestadt

Dorstens Stellung in der Hanse war von untergeordneter Bedeutung bestenfalls, um nicht zu sagen: ohne Bedeutung. Zu Hansetagen wurde Dorsten nie geladen. Neben den Hansestädten gab es noch die „kleinen Hansestädte“ (mehr touristischer Begriff heute) oder „Beistädte“. Diese waren keine Vollmitglieder. Dorsten war als „Beistadt“ der Reichs- und Hansestadt Dortmund zugeordnet. Schon zur Blütezeit der Hanse im Jahre 1494 erschienen Dorsten und Recklinghausen in einem Verzeichnis Kölns als Beistädte. Noch während des Niedergangs im 16. Jahrhundert versuchte die Hansestadt Dortmund 1556 ihre Beistädte Dorsten, Recklinghausen und Essen beim Hansetag in Lübeck als hansisch anerkennen zu lassen, wozu die genannten Städte sich an den Kosten des Hansetags beteiligen mussten. Da sich die drei kleinen Hansestädte interessiert zeigten, bildeten sie ab 1557 mit Dortmund den Dortmunder Hansebezirk. Die Hanse war in jener Zeit wichtig für den Fernhandel: sauerländisches Eisen und Holz aus den Lippewäldern für den holländischen Schiffsbau.

Im Jahr 2000 den touristischen „Westfälischen Hansebund“ beigetreten

Als der Landesherr den kurfürstlichen Lippezoll 1557 in Dorsten erhöhte, schrieben die Hansestädte Nymwegen, Deventer, Zutphen, Dordrecht, Zwolle, Wesel, Arnheim, Zaltbommel, Kleve, Emmerich, Kalkar, Xanten und Rees einen Beschwerdebrief an den Erzbischof von Köln, der allerdings nicht die erwünschte Wirkung zeigte. 1577 wurde lediglich der Tarif für die Dorstener wieder auf den alten Zollfuß zurückgesenkt. Bis 1591 beschränkte sich Dorstens offizielle Hansetätigkeit auf regionale Treffen mit Recklinghausen. Dann setzte der Verfall ein, der sich bis 1669 hinzog. Eine endlose Kette von Zahlungsaufforderungen der Hanse überforderte die Dorstener Stadtkasse. Dazu kamen die Kriege und Belagerungen. Die Mitgliedschaft und die Hanse selbst waren am Ende. – Im Jahre 2000 trat Dorsten dem neuzeitlichen 1984 gegründeten touristischen Westfälischen Hansebund bei und richtete während des 750. Stadtjubiläums 2001 in Dorsten den „18. Kleinen Westfälischen Hansetag“ aus.

Dorsten feiert wieder eigenen „Tag der Hanse“ im Mai 2017

Zu den 33. Westfälischen Hansetagen kamen im Oktober 2016 über 150.000 Besucher nach Wesel, wo sich 44 Städte des Hansebundes, darunter Dorsten, zwei Tage lang präsentierten. Im Mai 2017 feiert Dorsten seinen eigenen „Tag der Hanse“ in der Altstadt.


Quelle:
Dr. Werner Koppe „Bürger der Freien Hanse Statt Dursten“ in HK 1992.

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