Graffiti

„Optische Seuche“ hat sich ins „Stadtbild gefressen“, titelte die Zeitung

Wilde Grafitti in der Unterführung am Bahnhof 2011; Foto: Wolf Stegemann

Wilde Graffiti in der Unterführung am Bahnhof 2011; Foto: Wolf Stegemann

Als „optische Seuche“, die sich ins „Stadtbild gefressen hat“ titelte im Juni 2011 die „Dorstener Zeitung“ und meinte damit Graffiti an Hauswänden, Unterführungen und Brücken. Wegen der engen Haushaltslage der Stadt ist es der Verwaltung schwierig geworden, dem Graffiti-Wildwuchs Herr zu werden. Daher hat die Stadt es aufgegeben, mit Putzmitteln Graffiti wieder zu entfernen. Nur wenn Hakenkreuze oder obszöne Schmierereien öffentliche Bauwerke verschandeln, treten umgehend städtische Putzkolonnen an. Sprayer, die meist im Schutz der Dunkelheit operieren, können nur dann zur Rechenschaft gezogen werden, wenn die Polizei sie auf frischer Tat ertappt. In so genannten Vorzeigebereichen der Stadt sind Schutzanstriche aufgetragen und werden erneuert, die das Entfernen von Graffiti erleichtern. Die Gesamtkosten für die Substanz der Schutzanstriche beziffern sich auf 40.000 bis 50.000 Euro. Der Polizeibericht vom 13. Juni 2014 berichtet von der Festnahme von zwei Graffiti-Sprayern in Dorsten:
„Zwei junge Männer wurden beobachten, wie sie den Brückenpfeiler der Hochstadenbrücke im Lippetal mit Graffiti besprühten. Der Zeuge rief die Polizei an, beobachtete die Männer weiter und konnte die anrückende Beamtin und ihre Kollegen so mit einer detaillierten Beschreibung der Sprayer und Örtlichkeit versorgen. Dank dieser Hinweise konnten ein 18-jähriger Dorstener und ein 20-jähriger Marler noch im unmittelbaren Bereich der Brücke festgenommen werden. Sie hatten Rucksäcke dabei, in denen sie Spraydosen, Stifte und Vorlagen von Symbolen, so genannten Tags, transportierten. Bei dem 18-Jährigen fanden die Beamten zudem noch Betäubungsmittel. Die jungen Männer wurden zur Wache gebracht und nach Abschluss der Maßnahmen entlassen.“

Graffiti-Sprayer wegen Sachbeschädigung angezeigt

Unbekannte Graffiti-Sprayer haben sich Mitte Januar 2017 an mehreren Stellen im Stadtgebiet mehr oder weniger, meist weniger, verewigt. Der Polizei lagen drei Anzeigen vor, doch es waren weit mehr Schmierereien, wie eine Diskussion auf Facebook zeigte. Juristisch gelten die Graffiti-Schmierereien als Sachbeschädigungen.
Illegales Sprühen ist ein Vergehen, das auch zivilrechtliche Folgen nach sich zieht. Die Regressforderungen aus so einem Prozess gelten für 30 Jahre, auch dann, wenn der Täter zum Tatzeitpunkt noch unter Jugendstrafrecht fällt. Ein Blick in die aktuelle Kriminalitätsstatistik zeigt, dass Sachbeschädigungen in Form von Graffiti rückläufig sind. Im Jahr 2010 wurden noch 123 Vergehen dieser Art in Datteln gemeldet. Dass es im Jahr 2018 nur noch 14 gemeldete Fälle im Stadtgebiet gab, ist vermutlich auch der hohen Aufklärungsquote geschuldet. „In 42 Prozent der Fälle konnten wir die Täter ausfindig machen“, erklärt der Pressesprecher der Polizei, Michael Franz. Die beste Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, sei, solche Vergehen konsequent der Polizei melden.

„Dreamz“-Sprayer-Schriftzüge an mehreren Stellen der Stadt

In der Dorstener Altstadt sind 2019 vermehrt Schmierereien mit den Schriftzug „Dreamz“ festgestellt worden. Sie sah oder sieht man an vielen Stellen wie der Eingangstafel des Vestischen Studieninstituts am Alten Postweg, auf Werbeschildern in der Fußgängerzone, Mullcontainern auf den Bänken in der Lippestraße und im Schölzbachtal, auf Baustellen-Absperrbaken und so weiter. Nach Angaben der Polizei gibt es 2019 in Dorsten keine erhöhte Tendenz bei den Strafanzeigen wegen Graffiti-Schmierereien. Laut Kriminalstatistik 2018 gab es in den vergangenen Jahren zwischen 50 und 80 solcher Anzeigen in der Lippestadt, 2017 waren es 52 und ein Jahr davor 76. Im Jahr 2018 wurden kreisweit 563 Fälle gezählt, womit der Vorjahreswert um 61 überschritten wurde. Nur etwa acht Prozent der Taten wurden 2018 aufgeklärt – was vor allem damit zu tun hat, dass Sprayer vor allem im Dunkeln der Nacht tätig sind. Augenzeugen sind deswegen rar.

Ein jugendlicher Sprayer von der Polizei überführt

Mitte 2019 konnte die Polizei einen 17-jährigen Tatverdächtigen überführt, „weil er sich selten dämlich angestellt“ hatte, so die DZ vom13. Juli 2019. Der Dorstener ist besonders für die Graffiti-Schmierereien in Hervest-Dorsten verantwortlich. Ihm kam die Polizei auf die Schliche, weil er in einem Dorstener Jugendzentrum sein „Skizzenbuch“ liegen gelassen hatte, in dem er auch Fotos seiner Machwerke gesammelt hatte. In dem Jugendzentrum LEO leistete der Jugendliche Sozialstunden ab. Zu diesen war er gerichtlich verdonnert worden, weil er bereits zuvor beim illegalen Sprayen erwischt worden war. Aus dem Skizzenbuch ist zu schließen, dass er besonders die Zechenbahnbrücke, das gesamte Umfeld des Begegnungszentrums LEO und benachbarte Gebäude besudelt hatte.

Graffiti als Kunstform

Es gibt aber auch die gewollte Kuntsform Graffiti, um die sich der Kunstverein Virtuell-Visuell sowie andere Gruppierungen und KÜnstler im Stadtgebiet bemühen. Der Kunstverein Virtuell-Visuell hatte 2014 die zwei Graffiti-Künstler Ingo Ahlborn und David Hubschmidt beauftragt, die schmuddelige Unterführung am Bahnhof neu zu besprühen. Die Auftraggeber waren mit dem Ergebnis hoch zufrieden.


Quelle:
Oberer Teil Klaus-Dieter Krause „Optische Seuche: Stadt kapituliert vor Graffiti-Sprayern“ in DZ vom 8. Juni 2011.–
M. Klein in DZ vom 13. Juli 2019.

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