Fridays for Future

Bislang gab es seit 2019 in Dorsten eine Handvoll Demonstrationen

Freitag, 15. März 2019 – Schüler fuhren nach Essen und Oberhausen

Dieser Freitag stand für viele Schüler aus Dorsten ganz im Zeichen des Klimaschutzes. So hatten sich zum Beispiel die Wulfener Gesamtschüler auf zwei große Demonstrationszüge aufgeteilt. Die Schüler demonstrierten für die Umwelt und wollten ein Zeichen für den Klimaschutz setzen. Jeweils rund 100 Schüler aus Dorsten beteiligten sich in Recklinghausen und auch in Oberhausen an den „Fridays For Future“-Demos. In Recklinghausen zogen zahlreiche Schüler vom Hauptbahnhof bis zum Rathaus. Dabei war die junge Schwedin Greta Thunberg ihr Vorbild.

Freitag, 12. April 2019 – Erste Dorstener „Fridays for Future“-Demo

Die Bewegung „Fridays for Future“ folgt dem Beispiel der Schwedin Greta Thunberg, die mit ihren 16 Jahren schon seit Monaten jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm demonstriert. In Deutschland streiken mittlerweile mehrere Zehntausend Schüler in mehr als 250 Städten mit der jungen Schwedin, die zuletzt sogar die Demonstration in Hamburg am 1. März 2019 besucht hatte. Etwa 150 Schüler waren am Freitagnachmittag in Dorsten für den Klimaschutz auf die Straße gegangen. Ihr Anliegen war ernst. Dem Klimaschutz gaben sie eine glatte Sechs. So stand es auf einem der Plakate, die die Schüler für ihre Demonstration vorbereitet hatten. Die meisten und längst nicht nur Oberstufenschüler kamen vom St. Ursula-Gymnasium und skandierten Sprüche wie: „Wir sind viele, wir sind laut, weil Ihr uns die Umwelt klaut.“ Und weil sie nach dem Unterricht und zum Start in die Osterferien auf die Straße gingen, reihten sich auch einige Erwachsene in den Umzug durch die Altstadt ein. Denn es war den Kindern und Jugendlichen ernst mit ihrem Anliegen. Erwachsene Spendeten viel Applaus. Den gab es auch für Petrinum-Schüler Paul Kahla: „Wenn jemanden die Zukunft der Erde zu interessieren hat, dann ist es die Jugend. Wir müssen ja noch ein bisschen Zeit hier verbringen.“ Mit Freude und ein bisschen Stolz stellten Ida Vienenkötter und Ann Catherine Timpert vom fünfköpfigen Organisationsteam des St. Ursula-Gymnasiums fest: „Wir haben vor drei Wochen, als wir mit der Planung begonnen haben, nicht damit gerechnet, dass so viele Leute kommen. Toll, dass auch so viele junge Teilnehmer dabei sind.“
Auf dem Platz der Deutschen Einheit gestalteten die Demonstranten anschließend ein großes Banner (Foto), auf dem sich jeder mit seinen Gedanken verewigen konnte. „Habt Ihr kein schlechtes Gewissen dabei, wenn Ihr Euren Nachkommen die Umwelt zerstört?“ war dort zu lesen. Aber auch: „Klimaschutz fängt bei jedem selbst ab.“
Darauf zielte auch Bürgermeister Tobias Stockhoff ab, der das Banner entgegennahm und das Engagement der Schüler lobte: „Wer die Erde retten will, muss hier bei uns in Dorsten, muss in der Familie damit anfangen“, betonte er. „Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch vor Ort für Klima, Umwelt und Naturschutz engagiert.“

Freitag, 20. September 2019 – Demonstranten quer durch Generationen

Um 10.30 Uhr trafen sich die Demonstranten auf dem Marktplatz in der Altstadt. Die Baumaschinen, das Pflaster wurde erneuert, schwiegen nur kurz, als sich rund 400 Dorstener zum Klimastreik versammelten. Um zu schweigen, waren die aber nicht gekommen. „Warum sind wir hier? Weil es nur einen Planeten gibt“, eröffnete Susanne Fraund von der Partei Die Grünen die Kundgebung und forderte die Anwesenden dazu auf, ihren Standpunkt ebenfalls klarzumachen. Dutzende Wortbeiträge von Demonstranten aus allen Generationen folgten. „Ein paar meiner Lehrer wären am liebsten mitgekommen“, verkündete die elfjährige Madita. „Du kannst doch eh nichts machen“, hätten ihr Klassenkameraden mit auf den Weg gegeben. „Aber man muss es doch versuchen“, lässt Madita sich nicht beirren.
War die erste Demo im April noch hauptsächlich von Schülern besucht, versammelten sich bei dieser Aktion im September auch viele ältere Dorstener auf dem Marktplatz. „For Future, da sind wir dabei. Das geht doch alle was an“, sagte der 83-jährige Klaus Lachmann, der die Demo mit seiner Frau Ursula (80) besuchte. „Auf dem Sofa sitzen, bringt doch nichts.“ Einig war man sich besonders in einem Punkt: Es müsse nun endlich etwas passieren. Nur was? Während viele Redebeiträge die Verantwortung des Einzelnen betonten, die eigene Lebensweise zu hinterfragen, reichte Jennifer Schug (SPD) dies nicht aus. Es könne nicht sein, dass die komplette Verantwortung auf die Bürger abgewälzt werde. Auch die Politik müsse in die Pflicht genommen werden. Kritik an der eigenen Kohlepartei?
Übertönt wurde der Protest teilweise vom Lärm der Baumaschinen am Marktplatz. Nur 15 Minuten hatten diese für die Kundgebung pausiert – nicht nur aus Sicht von Susanne Fraund ein fragwürdiges Signal der Stadt. Ruhiger wurde es, als die Teilnehmer zum Platz der Deutschen Einheit zogen. Stille, als einer der Demonstranten fragte, wo eigentlich der Bürgermeister sei. Der Bürgermeister war nicht dabei.

Freitag, 29. November 2019 – Black Friday statt Friday for Future

Rund 100 Dorstener Jugendliche, darunter auch Erwachsen, an einem Freitag durch die Innenstadt, um für ein besseres Klima zu demonstrieren. Die Teilnehmerzahl blieb hinter den früheren Demonstrationen, wo sich 400 Personen einfanden, zurück. Besonders die Schüler fehlten.  Organisatorin war Susanne Fraund, Mitglied der Grünen im Rat der Stadt Dorsten. Vom „Goldenen Anker“ zogen die Demonstranten über Ostwall, Südwall, Essener Straße und Recklinghäuser Straße zum Platz der Deutschen Einheit. Doch auch dort war es sehr überschaubar. Es gab keinen Andrang. Daher titelte die Dorstener Zeitung ihren Bericht mit „Black Friday statt Fridays for Future“

  • Aufgrund der Corona-Pandemie 2020 sagte Fridays for Future alle öffentlichen Klimastreiks und Straßendemonstrationen ab und verlegte sich auf Online-Aktionen.

Freitag, 25. September 2020 – Demonstration mit wenigen Teilnehmern

„Fridays for Future“ rief am Freitag, 25. September 2020, bundesweit zu einer Klima-Demonstration auf.  Auch die Dorstener Gruppe machte mit und lud für diesen Freitag zur Demonstration ein. Etwa 25 Personen folgten dieser Aufforderung und machten sich am Vormittag demonstrativ auf den Weg durch die Innenstadt. Mit Mundschutz und Transparenten ausgestattet liefen sie entlang des Ost- und Südwalls, der Essener Straße, über den Markt und bis zum Südgraben. Dort versammelten sich die Klimaschützer. „Die Klimakatastrophe ist das größte Ereignis, das uns in den nächsten Jahren ereilen wird“, prophezeit Ursula Marschalek. Sie hatte am Vortag noch Handzettel an Schüler des Gymnasium Petrinum und des St. Ursula-Gymnasiums verteilt. „Ich habe selten so viel Desinteresse erlebt“, gibt sie gegenüber der DZ zu. Mit dem Titel „Traurige Bilanz“ kommentierte Lydia Heuser in der DZ die Demonstration der zwei Dutzend Dorstener (Auszug): „… Schüler aus Dorsten? Fehlanzeige. Ist Fridays for Future out? Ist der vor einem Jahr noch als politisch bezeichneten Generation die Lust vergangen? Fest steht: Sie haben am Freitag in Dorsten gefehlt. Für seine Überzeugungen einzustehen, ist ein Marathon und kein Sprint. Ebenso wenig wie der Kampf gegen Corona es ist. (…) Fridays for Future sollte nicht als eine kurzlebige Initiative im Gedächtnis bleiben, sondern echte Veränderung bewirken. Um das zu erreichen, müssen sich Klimaschützer, ob Alt oder Jung, weiter engagieren.“ – In Recklinghausen brachte „Frydays für Future“ 160 Demonstranten auf die Beine.

Zur Sache: „Wir sind hier,
wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut!“

„Fridays for Future“ (deutsch „Freitage für die Zukunft“; kurz FFF, ist eine globale soziale Bewegung ausgehend von Schülern und Studierenden, die sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzen. Ziel der Klimastreiks ist es, auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen und Maßnahmen für den Klimaschutz einzuleiten. Insbesondere soll die Einhaltung des Übereinkommens von Paris sichergestellt  und die Politik immer wieder an Klimaschutz erinnert werden. Nach dem Vorbild der schwedischen Initiatorin Greta Thunberg (Foto) gehen Schülerinnen und Schüler freitags während der Unterrichtszeit auf die Straßen und protestieren. Der Protest findet weltweit statt und wird von den Schülern und Studenten organisiert; so sollen beispielsweise am ersten weltweit organisierten Klimastreik am 15. März 2019 fast 1,8 Mio. Menschen an den Demonstrationen von FFF teilgenommen haben. „Fridays for Future“ ist in Deutschland als nicht rechtsfähige Personenvereinigung organisiert und versteht sich selbst als basisdemokratische Graswurzelbewegung (Oktober 2019). Einen durch die Basis legitimierten Vorstand oder Sprecher gibt es nicht. Aufgrund der Corona-Pandemie 2020 sagte Fridays for Future alle öffentlichen Klimastreiks und Straßendemonstrationen ab und verlegte sich auf Online-Aktionen. Es gibt etwa 600 Ortsgruppen in Deutschland (Stand: Juli 2019). Neben diesen Ortsgruppen gibt es bundesweit 20 Arbeitsgruppen (Stand 2019). Die Koordination und Abstimmung innerhalb und zwischen den einzelnen Gruppen erfolgen überwiegend über soziale Medien und Messenger. Es gibt ein Strukturkonzept, welches 21 Seiten umfasst und welches unter anderem Abstimmungen regelt. Dieses gilt noch nicht in den Ortsgruppen (Stand: Juli 2019). Befürworter und Anhänger der Bewegung rechtfertigen die Schulstreiks damit, dass die Teilnehmer erst dadurch, dass sie „zu ‚drastischen‘ Maßnahmen greifen, […] so prominent gehört [werden]. Es geht hier nicht um Schuleschwänzen, sondern darum, die große Dringlichkeit, jetzt zu handeln, mit allen Mitteln zu unterstreichen“, meint Luisa Neubauer, Streik-Organisatorin bei FFF Berlin Viele Schüler betrachten den Schulstreik demnach als Ausdruck des zivilen Ungehorsams.

Siehe auch: Klimafasten
Siehe auch: Klima-Bündnis
Siehe auch: Klimawald


Quellen: DZ vom 30. Nov. 2010, vom 16. März, 10. April, 4. Juni, 1. Mai, 13. Sept., 21. Sept., 30. Nov. und 28. Sept. 2020. – dpa-Meldung vom 11. Okt. 2019. – Fotos: Bastos, Heuser, Bludau, Diebäcker.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone