Ernée

Dorstens französische Partnerstadt zwischen Normandie und Bretagne

Straße in Ernee

Straße durch die westfranzösische Partnerstadt Ernée

Die französische Stadt im Westen Frankreichs (Département Mayenne) liegt zwischen der Normandie und Bretagne („Tor zur Bretagne“) rund 280 km von Paris entfernt. Ernée wird im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt und war im Laufe der Geschichte Leidtragende von Unruhen und Zerstörungen, wie im 100-jährigen Krieg (bis 1448), als die Engländer eine verwüstete Landschaft hinterließen. 50 Jahre später wurde Ernée innerhalb von drei Tagen von bretonischen Truppen niedergebrannt, auch die Religionskriege verschonten die Stadt nicht, die seit 1665 ein Rathaus mit Bürgermeister, einen Leutnant und zwei Schöffen hatte. In der Französischen Revolution plünderten Royalisten Ernée. Die Stadt hat rund 5.800 Einwohner (Stand 2008) und ist reich an alten Herrenhäusern. Größte Arbeitgeber sind Industriefirmen (Oberbekleidung, Schuhe, Leichtmetall, Seilerei).

Partnerschaft: Durch einen französischen Studenten, dem 1961 in Dorsten Rucksack, Geld und Papiere abhanden gekommen waren, kam eine Freundschaft zwischen Bürgern beider Städte in Gang, die 1985 in eine Städtepartnerschaft mündete. Belebt werden die Beziehung von den Ratsspitzen beider Städte sowie Vereinen und der Deutsch-Französischen Gesellschaft.

Trauer um den Bürgermeister Gerard Lemonnier von Ernée

Gerard Lemonnier, seit 2009 Bürgermeister von Ernée, starb Mitte Februar 2017 im Alter von 67 Jahren. Schon als Schüler brachte er sich selbst Deutsch bei, engagierte sich für die französisch-deutsche Freundschaft und setzte sich in diesem Sinne auch mit großer Leidenschaft für die Städtepartnerschaft mit Dorsten ein. Gemeinsam mit Vertretern des Löschzugs Hervest I der freiwilligen Feuerwehr nahm Bürgermeister Stockhoff in Ernée an der Trauerfeier teil. Aus der ab 1978 belebten und gelebten Freundschaft der Feuerwehren von Ernée und Dorsten entstand die Städtepartnerschaft, die 1985 besiegelt wurde.

Zurückgeblickt: Amtsleiter organisierte den Jugendaustausch

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb unter dem Titel „Freunde in der Ferne“ am 19. Mai 1989 über den Beginn der Partnerschaft (Auszug):

„Womöglich ist der Student Jacques Cousin weltweit der einzige Tramper, der eine Städtepartnerschaft ausgelöst hat. Dabei war der Studiosus aus Ernée zunächst überhaupt nicht gut auf Dorsten in Westfalen zu sprechen. Bei einem Zwischenstopp war ihm nämlich in einer Dorstener Kneipe das Gepäck inklusive Brieftasche abhanden gekommen. Der Leiter des Jugendamtes wurde als Dolmetscher eingeschaltet. Ganz unbürokratisch nahm der Beamte den jungen Franzosen mit nach Hause und chauffierte ihn später nach Ernée zurück. Dort lernte der hilfsbereite Amtmann Bürgermeister Ballayer kennen und begann, mit ihm über die Segnungen der Völkerverständigung zu parlieren. Der tatkräftige Amtsleiter setzte die Theorie um und begann, einen Jugendaustausch zu organisieren. Als die jugendliche Begeisterung zu erlöschen drohte, entfachte die Feuerwehr beider Städte – entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit – die Flamme der Partnerschaft aufs Neue, so dass 1985 die Beziehung offiziell besiegelt werden konnte.“

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