Rybnik

Mit den Vertriebenen Patenschaft, mit der Stadt Partnerschaft

Marktplatz in Rybnik

Die oberschlesische Industriestadt Rybnik (150.000 Einwohner, Steinkohlebergbau, Hüttenwerke) in Polen hat slawische Ursprünge und eine deutsche Vergangenheit. Um 1308 bekam Rybnik, wo sich bereits seit 1223 ein Prämonstratenserinnenkloster befand, Stadtrechte verliehen; es gab eine Kirche und eine fürstliche Burg, eine Schule für Edelfräuleins und zwei Wirtshäuser. Die mittelalterliche Geschichte ist wechselvoll. 1607 wurde Rybnik mit den umliegenden Ortschaften ein selbstständiger Staat, der so genannte „Rybniker Staat“. Danach wurde die Stadt österreichisch, dann preußisch und kam 1871 an Deutschland. 1922 gelangte Rybnik durch Aufstände an Polen. Im Zweiten Weltkrieg wurde Rybnik bis 1945 wieder deutsch, danach wieder polnisch. Früher arbeiteten im Bergbau 20.000 Rybniker; bis heute ist diese Zahl rapide gesunken. Die Stadt lebt von Maschinenfabriken, Elektronik, Bauwesen, Transport und Lebensmittelherstellung.

Patenschaft mit den Heimatvertriebenen und Partnerschaft mit der Stadt

Rybnik Marktplatz mit Rathaus

Rathaus in Rybnik 2008

Der Partnerschaft war eine jahrzehntelange Patenschaft (eingegangen 1958) der Stadt mit dem Vertriebenverband der Rybniker in der Bundesrepublik vorausgegangen, der seine Rybniker Heimattreffen in Dorsten abhielt. Begünstigt durch die politischen Veränderungen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, entstanden persönliche Beziehungen zwischen den Bürgern beider Städte, die 1994 in die Städtepartnerschaft mündeten. Auf dem Hansetag 1995 in Soest waren Dorsten und Rybnik mit einem gemeinsamen Informationsstand vertreten. Getragen wird die Partnerschaft u. a. vom „Freundeskreis Rybnik e.V.“, und der „Bundesheimatgruppe Rybnik“ (Rybniker Heimatbund). Zwischen diesen beiden Gruppen gab es anlässlich des 21. Heimattreffens der Rybniker in Dorsten 1997 eine öffentlich ausgetragene Kontroverse. In einer gemeinsamen Sitzung des Heimatbundes Rybnik und des Freundeskreis Rybnik mit Bürgermeister Dr. Zahn (Dorsten), Ratsmitgliedern und dem Bürgermeister von Rybnik, begründete der Vorsitzende des Dorstener Partnerschaftsvereins Rybnik, Dr. Thelen, seinen Willen, mit den Heimatvertriebenen mangelhaft oder gar nicht kooperieren zu wollen. Sein Verein, so Thelen, bewältige die Zukunft und die „anderen“ die Vergangenheit.

Deutsches Soldatengrab im Wald bei Rybnik (Polen) 1994 (inzwischen überführt); Foto: Wolf Stegemann

Dt. Soldatengrab; Foto: Stegemann

Zudem gäbe es in Rybnik eine deutsche Minderheit von nur noch 1,5 Prozent. Beide Vereine hätten unterschiedliche Ziele, Er, Thelen, wolle „die Versöhnung“. Bürgermeister Dr. Zahn wies „solche Töne“ des Dorstener Freundeskreises Rybnik zurück und meinte, als Freundeskreis Rybnik müsse man auch denen gastfreundlich gegenüberstehen, die als Deutschstämmige zum Heimattreffen nach Dorsten gekommen seien. Rybniks Bürgermeister Makosch erklärte, dass in Rybnik heute kein Unterschied mehr gemacht werde zwischen den Zielen der Heimatvertriebenen und denen der heutigen Jugend. Versöhnung sei das Ziel aller. Dazu gehörten auch die Heimatvertriebenen und das Bekenntnis zur deutschen Geschichte in Polen und zur polnischen Geschichte. Die Menschen, die mit Rybnik ihre Heimat verloren hätten, müssen diesen Verlust notwendigerweise für die Gegenwart dokumentieren, damit die Zukunft versöhnlicher sei.

2008 am Rathaus eine Gedenktafel angebracht

Seit 2012 leitet Adam Juzek auf Rybnik den Dorstener Freundeskreis, dem er seit Gründung angehört. Er ist Bergwerksingenieur und stammt aus einem Nachbarort von Rybnik. 1982 kam er von dort ins Ruhrgebiet, zuerst nach Essen, dann nach Dorsten, wo er auf der Zeche Fürst Leopold arbeitete. Seine Mutter ist als Nachfahrin der ersten „Ruhrpolen“ in Bottrop geboren worden, bevor ihre Familie zurück nach Schlesien ging. – Im Jahre 2008 wurde am Dorstener Rathaus eine Gedenktafel zum 50. Jahrestag der Patenschaft mit Rybnik angebracht. Wie Dorsten unterhält Rybnik auch eine Partnerschaft zu Newtownabbey.

Dorstener Delegation zum 25-jährigen Partnerschaftsjubiläum in Rybnik

Aus Anlass der 25-jährigen Städtepartnerschaft reiste eine große Delegation von Mitgliedern des Freundeskreises, Mitgliedern von Rat und Verwaltung unter Führung von Bürgermeister Tobias Stockhoff sowie Sportlern und Musikern aus Dorsten in die polnische Partnerstadt Rybnik. Die Stadt Rybnik und der dortige Freundeskreis bereiteten den Gästen aus Dorsten ebenso wie den Vertretern aus Eurasburg (Bayern), Newtownabbey/Antrim (Vereinigtes Königreich) und Labin (Kroatien) einen großen Empfang mit abendlichem Grillfest. Die offiziellen Delegationsteilnehmer versammelten sich am Freitag im Rybniker Ratssaal, um in feierlichem Rahmen der 25 Jahre erfolgreicher Partnerschaft zu gedenken und den Menschen zu danken, die sich für die Städtepartnerschaft eingesetzt haben. Dorstens Altbürgermeister Lambert Lütkenhorst wurde mit dem Eintrag ins Goldene Buch geehrt. Die Feier fand in Anwesenheit des ehemaligen Rybniker Bürgermeisters Makosz statt, der am 3. Oktober 1991 eine kleine Dorstener Delegation empfing, die damals den Kontakt und Gedankenaustausch mit dem Bürgermeister derjenigen Stadt suchte, aus der viele Bürger schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts und nach dem 2. Weltkrieg eine neue Heimat fanden. Makosz wurde geehrt, weil er die Kontakte aufgegriffen und maßgeblich belebt hat.

25 Jahre Stadtpartnerschaft: Bürgermeister mit dem Fahrrad nach Rybnik

Aus Anlass der 25. Städtepartnerschaftjahres mit Rybnik fuhr Bürgermeister Tobias ein weiteres Mal mit sechs Begleitern Anfang August 2019 über Dorstens sächsischer Partnerstadt Hainichen in die polnische Partnerstadt Rybnik. Die 530-Kilometer-Strecke bis Hainichen fuhren die Dorstener mit dem Bus und von dort aus mit dem Fahrrad die weiteren rund 600 Kilometer nach Rybnik. Rückkehr eine Woche später.

  • Das Foto (privat) zeigt v. l.: Józef Makosz, Lambert Lütkenhorst, Dr. Hans-Joachim Thelen, Piotr Kuczera und Tobias Stockhoff.

Quellen:
WAZ vom 29. und  30. November 1982. – RN vom 30. November 1982. – RN vom 19. September 1983. – DZ vom 15. September 1997. – DZ vom 31. Mai 2014. – DZ vom 25. Juni 2019

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