Emmelkamp

1975 wurde die Altschermbecker Bauerschaft eingemeindet

Emmelkamp im August 2012; Foto: Wolf Stegemann

Erstmals wird das Gebiet Emmelkamp (heute zu Holsterhausen) 890 als „Emilighem“ in den Urbaren der Abtei Werden erwähnt. Die Urkunde, in der auch Thiutina (Deuten), Sulithem (Sölten) und Durstina (Dorsten) genannt sind, befindet sich im Düsseldorfer Landesarchiv. Bei der Interpretation des Namens gibt es zwei unterschiedliche Erklärungen, beide mit einem Fragezeichen versehen. Die Silbe hem bedeutet heim. Gewöhnlich geht die Vorsilbe solcher Wörter auf eine Person zurück. Danach wäre mit Emilighem das Heim eines Mannes mit dem Namen Emmo gemeint. Emmo war ein bekannter althochdeutscher Männername, der entsprechende Frauenname Emma ist noch heute gebräuchlich. Eine andere Erklärung  wäre Emilighem gleich Heim des Irminbald. Eine weitere Erklärung wird von Schermbecker Heimatforschern gegeben: Emmer bzw. Ammer heißt eine alte Getreidesorte.

Emmelkämper Landschaft, Foto: JF

Bis Ende des 12. Jahrhunderts setzte ein intensiver Landbau ein. Dietrich von Kleve kaufte 1338 die Holzgrafschaft in der Emmelkämper Mark von Johann von Hagenbeck. Die weitere Entwicklung der Höfe im Emmelkamp wurde von den adeligen Grundherren geprägt. Durch großen Holzeinschlag in den Eichenwäldern im 17. Jahrhundert. veränderte sich die Landschaft. 1816 kam das Gebiet Emmelkamp mit Altschermbeck zum Kreis Recklinghausen und 1839 fand die Aufteilung der 240 ha großen Emmelkämper Mark statt, so dass die Söltener Bauerschaft 9 5/8 Erbenrechte erhielt, die auf acht Vollerben und fünf Teilerben entfielen; es wurden 17 Servitutenberechtigte berücksichtigt. Graf Merveldt erhielt einen Anteil der Fläche von 42,5 ha. Im Jahre 1844 wanderten 17 Personen aus dem Emmelkamp nach Amerika aus.

Eine nie gebaute Schule im Emmelkamp wurde 1984 geplant

Gedenkstein 1100 Jahre Emmelkamp

Gedenkstein 1100 Jahre Emmelkamp; Foto: Stegemann

Um den Kindern der Bauerschaft den weiten Schulweg nach Altschermbeck zu ersparen. Wurde 1884 der Plan gefasst, im Emmelkamp eine Schule zu errichten. Der Plan wurde vom königlichen Katasteramt in Dorsten im Januar 1885 genehmigt („Handzeichnung über die Lage des neu gebildeten und der vom Amte bzw. von den Eingesessenen des Schulbezirks vorgesehenen Schulbauplätze in der Bauerschaft Emmelkamp“). Das Amt Schermbeck schlug als Standort einen Bauplatz östlich des Hofes Hohenhinnebusch vor. Doch der von den Emmelkämpern gestellte Bauplatz lag nördlich des Hofes Aleff (heute Witte) am Buerboomsweg. In weiteren Gesprächen einigte man sich auf einen Bauplatz zwischen den beiden bereits vorgeschlagenen nordöstlich des Hofes Marienbaum. Doch die Schule wurde nie gebaut. Für einen Teil der Kinder brachte die Anbindung an Holsterhausen eine Erleichterung, als sie in die Antoniusschule eingeschult wurden. Im Jahre 1900 kamen Teile des Emmelkamp zur Pfarrei Holsterhausen und bei der kommunalen Neugliederung 1975 große Teile des Emmelkamps von Altschermbeck, das zu Schermbeck kam, an Dorsten. 1980 wurde quer durch das Emmelkamp die Autobahn 31 gebaut, was die „Emmelkämper“ nicht davon abhält, weiterhin Nachbarschaftsfeste und Brauchtum zu feiern.

„In den Grenzstrichen des Bistums Münster“

Im 19. Jahrhundert befuhr eine berühmte Westfälin die Napoleonroute von Wesel nach Münster. Es war Westfalens größte Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die in ihrem Buch „Bilder aus Westfalen“ ein literarisches Bild von der Emmelkämper, Deutener und der Hohen Mark überliefert hat:

„Wir haben bei Wesel die Ufer des Niederrheins verlassen und nähern uns durch das noch echt rheinische Herzogtum Kleve den Grenzen jenes Landes. Das allmähliche Verlöschen des Grüns und der Betriebsamkeit, das Zunehmen der glänzenden Sanddünen und einer gewissen lauen, träumerischen Atmosphäre, sowie die aus den seltenen Hütten immer blonder und weicher hervorschauenden Kindergesichter sagen uns, dass wir sie überschritten haben, wir sind in den Grenzstrichen des Bistums Münster. – Eine trostlose Gegend! Unabsehbare Sandflächen, nur am Horizont hier und dort von kleinen Waldungen und einzelnen Baumgruppen unterbrochen. – Bei jedem Hauch geht ein zartes, dem Rauschen der Fichten ähnliches Geriesel über die Fläche und säet den Sandkreis in glühenden Streifen bis an die nächste Düne, wo der Hirt halb in somnambuler Beschaulichkeit seine Socken strickt und sich so wenig um uns kümmert als sein gleichfalls somnambuler Hund und seine Heidschnucken. Aus einzelnen Wacholderbüschen dringt das klagende, mövenartige Geschrill der jungen Kiebitze. Dann noch etwa jede Meile eine Hütte, vor deren Tür ein paar Kinder sich im Sande wälzen und Käfer fangen, und allenfalls ein wandernder Naturforscher, der lächelnd die zierlich versteinerten Muscheln betrachtet, die wie Modelle einer früheren Schöpfung hier überall verstreut liegen – und wir haben alles genannt, was eine lange Tagesreise hindurch eine Gegend belebt, die keine andere Poesie aufzuweisen hat als die einer fast jungfräulichen Einsamkeit und einer weichen traumhaften Beleuchtung, in der sich die Flügel der Phantasie unwillkürlich entfalten.“


Quellen:
Bernhard Dettmer „Emmelkamp – durch die Zeiten“ in HK 1997. – FJS-Homepage über Deuten (2011).

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