Dietrich, Marco

Er schrieb weltweit Erfolgsgeschichte mit seinen Kaffee-Pads „Yvette“

Marco Dietrich 2012 in seiner Firma Opdipack in Heuden; Foto: Winkel (WAZ)

Marco Dietrich 2012 in seiner Firma Opdipack in Heuden; Foto: Winkel (WAZ)

Geboren 1969 in Italien; gelernter KFZ-Mechaniker, Senseo-Erfinder in Dorsten und danach Kaffee-Händler in Heiden und Schermbeck. – „Ein Mann mit Visionen“ nannte ihn 2012 die Dorstener Lokalzeitung WAZ. Und ein solcher ist Marco Dietrich auch. Denn er entwickelte das Konzept von Senseo. Wie er der WAZ erzählte, saß er an einem heißen Sommertag an einem Baggerloch bei Xanten am Niederrhein – und zeichnete ein Blatt voll mit Konstruktionen, Gefäßen und Schläuchen. Die Zeichnung hat er heute noch. Sie ist inzwischen eselsohrig und ziemlich abgegriffen. Doch damit schrieb Marco Dietrich Erfolgsgeschichte. Am Baggerloch in Xanten entstand das Konzept, nach dem noch heute Kaffee-Pad-Maschinen funktionieren.
Marco Dietrich kam als Fünfjähriger nach Bottrop, kam dann nach Dorsten und verlegte seinen Wohnsitz nach Schermbeck. Nach seiner Ausbildung zum KFZ-Mechaniker im Autohaus Sonntag eine Anstellung bei der Kaffeerösterei Tempelmann gefunden. Es dauerte nicht lange, bis Inhaber Hubert Tempelmann den Ehrgeiz und das auffallend hohe technische Verständnis seines Mitarbeiters entdeckte und es förderte.

Am Xantener Baggerloch Kaffee-Maschine mit Pads konstruiert

Made in Schermbeck

Made in Schermbeck

Dietrich wurde zum Maschinenführer befördert, hatte somit regen Kontakt zu Lieferanten und baute sich ein kleines Netzwerk auf. Der Dorstener reiste durch Europa, lernte andere Länder und somit auch viele andere Kaffeekulturen kennen. Kaffee war Mitte der 1990er-Jahre schließlich teilweise preiswerter als Mineralwasser, die Kaffeemaschine durfte nicht mehr als 20 DM kosten. Marco Dietrich wollte, wie die WAZ schrieb, der Erste sein, der ein „geeignetes Produkt für Deutschland“ auf den Markt bringt und erdachte das Konzept. Der Kaffeeröster soll bestimmen können, wie der Kaffee schmeckt. Die Formel war schnell errechnet: Auf sieben Gramm Kaffee kommen 125 ml Wasser. Nicht mehr und nicht weniger. So steht es auf dem Blatt Papier vom Xantener Baggerloch anno 1995. Marco Dietrich erfand  eine preisgünstige Niederdruckmaschine. Dafür mussten die Einzelportionen mit lose gepresstem Kaffee-Pads hergestellt werden. Marco Dietrich verließ die Firma Tempelmann, machte sich selbstständig und fuhr quer durch ganz Europa. Im Kopf viele Ideen, im Kofferraum das Muster einer Maschine, manuell gefertigte Pads und ein Campingzelt. Auf jeder Messe war er präsent. Das Konzept ging auf, das Interesse stieg. Seine Niederdruckmaschine brühte tatsächlich lose gepresste Portionen zu Kaffee.

Weltweit werden einige hundert Millionen Pads pro Tag verbraucht

Nach vielen Gesprächen mit den Vorständen der Kaffeebranche weltweit war die Firma Sara Lee/Douwe Egberts (Niederlande) überzeugt und setzte Dietrichs Konzept gemeinsam mit der Firma Philips um. Dietrich selbst verkaufte die Maschinen zur Herstellung der Pads und Kapseln und plante einige Dutzend Produktionsstätten, die inzwischen weltweit Tag und Nacht produzieren. Heute gibt es viele Millionen Pad- und Kapselmaschinen, im Schnitt werden 2,5 bis 3 Tassen pro Tag und Maschine getrunken. Macht einige hundert Millionen Stück Pads und Kapseln am Tag. Diese stellt Marco Dietrichs Firma „Opdipack“ in Heiden her. Dafür hat er ein spezielles Papier für Kaffee-Pads und Kapseln sowie Teebeutel entwickelt. Seit 2015 ist die Firma mit  15 bis 20 Mitarbeitern in Schermbeck ansässig und produziert dort eine eigene Kaffeemarke mit dem Namen „Yvette“. Opdipack bezieht Kaffeebohnen in so genannten „Big Packs“ (300 bis 600 Kilogramm) von befreundeten Röstereien, die ihre Bohnen wiederum etwa aus Vietnam, Brasilien und Uganda beziehen. In Schermbeck werden die Bohnen gemahlen und unter der Marke „Yvette“ verpackt, auch in Pads. Bislang verkaufte man vor allem an Großhändler im Baltikum, in Österreich, Deutschland, Benelux-Staaten und England.


Quellen:
Mit Ergänzungen nach Christoph Winkel „Ein Mann mit Visionen“ in WAZ vom 30. Dezember 2012. – Helmut Scheffler in Schermbeck-online vom 2. Dezember 2015.

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