Crawley-Telefonzellen

Die zwei Geschenke der Briten haben endlich neue Standorte gefunden

Vorbemerkung: In Dorsten gibt es zwei typische und originale rote Telefonzellen. Die eine ist ein Geschenk der britischen Streitkräfte, die andere eins der Partnerstadt Crawley. Beiden hatten in Dorsten wechselnde Standorte. In Veröffentlichungen wurden die beiden Telefonzellen und ihrer Standorte verwechselt. Marita Kipinski, Vorsitzende des Freundeskreises Crawley, stellte nun klar, welche der beiden Telefonzellen auf welchen Plätzen standen und stehen.

Abschiedsgeschenk der in Wulfen stationierten britischen Streitkräfte

Die eine der roten Telefonzellen war ein „Goodbye“-Geschenk der britischen Streitkräfte an die Wulfener, als sie 2001 die Muna in Wulfen verlassen hatten. Früher stand sie funktionsfähig an der Hervester Straße/Potmere in Altwulfen. Irgendwann wurde sie in den Bauhof der Stadt ausgelagert, dann restauriert und zum 90. Geburtstag der britischen Queen vom Dorstener Freundeskreis Crawley am 12. Juni 2016 am Alten- und Pflegeheim St. Anna an der Kirchhellener Straße 111 feierlich im Beisein englischer Gäste als Symbol wieder aufgestellt. Der offiziellen und feierlichen Neu-Installierung am neuen Standort ging eine „englische Woche“ mit Fish & Chips, Diavorträgen, Tea-Time und weiteren Aktionen in St. Anna voraus.

Geschenk der Stadt Crawley 1983 zur zehnjährigen Städtepartnerschaft

 Die andere Telefonzelle steht seit Ende Oktober 2020 am Dorstener Krankenhaus und hat ein langes und bewegtes Leben hinter sich. Zum zehnjährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Crawley mit Dorsten machte die britische Stadt den Dorstenern 1983 dieses typisch englische Geschenk: einen roten Standbriefkasten mitsamt einer roten schmuckvollen Telefonzelle, wie man sie in England überall sieht, so wie bei uns die gelben. Die rote gusseiserne und 690 Kilogramm schwere Telefonzelle ist ein besonderes Schmückstück. Sie war eine von 60.000 im Jahr 1936 zu Ehren des silbernen Thronjubiläums von König Georg V. hergestellten „Jubilee Telephon-Boxes“. Das Foto zeigt Bürgermeister Lampen (l.) und Stadtdirektor Dr Zahn in der neuen Telefonzelle 1983 in der Recklinghäuser Straße.  Jahrzehntelang war die dann schon über 50 Jahre alte Telefonzelle, ausgestattet mit einer modernen Rufanlage, ein beliebter Blickfang in der Recklinghäuser Straße. Blickfang aber auch für jene Dorstener, die hier alles beschmieren und auch zerstören. Das Glas wurde zerbrochen, das Häuschen mit Aufklebern verschandelt, auch das Innenleben zerstört, so dass man nicht mehr telefonieren konnte. Lange Zeit stand sie nur noch als beschmutztes Relikt in der Fußgängerzone, wo das ramponierte Symbol der Städtefreundschaft dann nutzlos im Weg stand. Jahrelang hatte der Freundeskreis Crawley für eine Umsetzung plädiert. Doch die Plädoyers verhallten im Rathaus lange ungehört. Der verdreckte Kasten blieb in der Fußgängerzone stehen. Schließlich richtete die Telefonzelle als „alte englische Dame Jubilee“ selbst einen Hilferuf direkt an den Bürgermeister in Form eines Briefes, den Philip Ralph vom Freundeskreis im Namen der Telefonzelle verfasste. Ralph ist gebürtig aus Crawley, in Deutschland verheiratet und seit vielen Jahren aktives Mitglied des Freundeskreises. Im September 2015 erfolgte die förmliche Zustellung des Bittbriefs im Rahmen einer gemeinsamen Vorstandssitzung der beiden Städtepartnerschaftsvereine aus Dorsten und Crawley, zu der auch Bürgermeister Tobias Stockhoff eingeladen war. Bei diesem feierlichen Anlass las Philip Ralph den Brief im Namen der eisernen roten und alten „Lady“ mit entsprechender Stimme schauspielerisch vor.

Von der Recklinghäuser Straße über den Bauhof zum Krankenhaus

Das wirkte. Noch 2015 demontierte die Stadt das britische Telefonhäuschen und brachte es als Schrott zum Bauhof (Foto). Denn es musste wegen der Planung des Umbaus der Fußgängerzone sowieso weg. Der Freundeskreis Crawley erinnerte immer wieder an dieses eigentlich kostbare Symbol der Städtefreundschaft, es zu restaurieren und einen neuen Standplatz zu suchen. Es war wohl geplant, die Zelle nach dem Umbau des Bahnhofsvorplatzes dort zu installieren und eine Geschichtstafel sollte über die Städtepartnerschaft informieren. Aber die Tatsache, dass sie dort sehr wahrscheinlich wieder dem Vandalismus ausgesetzt sein würde, hatte letztlich zu der Entscheidung geführt, einen anderen Platz zu suchen. Im Jahr 2020 war es dem Freundeskreis Crawley gelungen, genügend Geld zu generieren, um die Zelle restaurieren zu lassen. Die Herstellung des Telefonhäuschens in seinen Originalzustand wurde mit finanziellen Mitteln des NRW-Programms „Heimatscheck“ und des Vereins „Dorsten dankt Dir“ gefördert. Die „Dorstener Arbeit“ hat die Restaurierung mit viel Liebe zum Detail ausgeführt und nur die Fremdkosten berechnet. Nur so war die Restaurierung finanzierbar. Ein neuer Standort wurde ebenfalls gefunden – auf dem Krankenhaisgelände. Wenn man in dieser roten Telefonzelle auch nicht telefonieren kann, so kann man sich doch über einen QR-Code über die Städtepartnerschaft Dorsten-Crawley informieren, nicht aber über die jahrelange Suche nach einem angemessenen Platz für das britische Gehäuse, das bei der neuen Einweihung am 8. November schon 84 Jahre alt sein wird.

Siehe auch: Crawley
Siehe auch: Muna Wulfen


Quellen: DZ vom 2. Juni. 12. Juni, 15. Juni 2016, 28. Juni 2019, 17. Oktober 2020. – Information Marita Kipinski, Vorsitzende des Freundeskreises Crawley, Okt. 2020.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone