Bürgermeisteramt

Nach der Wahl wurden die Mauern, Tore und Gräben inspiziert

Nach der Stadterhebung 1251 regelte der „liber statutorum oppidi Dursten“ die Wahl der Bürgermeister. Am Johannistag (27. Dezember) legten die beiden Bürgermeister Rechenschaft ab über das vergangene Jahr und gaben das Ergebnis der Rentmeisterrechnung vor der versammelten Bürgerschaft auf dem Marktplatz bekannt. Anschließend wählten die sieben Gilden auf dem Marktplatz je zwei Gildemeister, die sich danach ins Rathaus begaben, um den Rat zu wählen, der sich aus zwölf Schöffen und zwei Bürgermeistern zusammensetzte. Auch wurden zwei Rentmeister, zwei Kirchmeister, die Wein- und Fleischfestsetzer sowie der Armenprovisor neu- oder wiedergewählt. Für dieses Wahlverfahren bezahlte die Stadt an die Gildemeister Geld sowie Kerzen und Wein.

Silberbecher für Bürgermeister Terwyschen

Gewidmeter Silberbecher für Dorstens Bürgermeister Johannes Terwyschen 1642 (Museum Dortmund)

Anderntags wurden die neu gewählten Ratsmitglieder, die Bürgermeister und die anderen Amtsträger vereidigt. Am 12. Januar des darauf folgenden Jahres versammelten sich die Bürger erneut auf dem Marktplatz, wo die neuen Statuten verlesen wurden und die inzwischen vom Kurfürsten bestätigten Bürgermeister erläuterten ihre Vorstellungen für das neue Jahr. Danach wurden die Stadttore, Gräben, Mauern, Brücken und städtischen Gebäude unter Teilnahme der Rentmeister sowie des städtischen Maurer- und Zimmerermeisters inspiziert. Anschließend feierten alte wie neue Stadträte mit allen ab- und neu gewählten Amtsträgern. 1781 beschränkte der Kurfürst die Zahl der Magistratsmitglieder auf vier Bürgermeister und vier Beisitzer und ordnete die Wahl auf Lebenszeit an. Jährlich hatten die Bürgermeister wie auch die Beisitzer in ihren speziellen Aufgaben untereinander zu wechseln. Die Gewählten bedurften der Bestätigung durch den Landesherrn. Die Gildemeister wählten zwar noch die Magistratsmitglieder, waren aber an der Verwaltung des städtischen Vermögens nicht mehr beteiligt.

Gilden wurden aufgelöst

1808 legte die arenbergische Verwaltung die Amtsdauer der beiden Bürgermeisters auf fünf Jahre fest. Statt eines Stadtrates standen dem Bürgermeister ein Sekretär und ein Inspektor zur Verfügung. Die Gilden hatten nur noch Vorschlagsrecht für drei Kandidaten. Die Ernennung des Bürgermeisters erfolgte durch den Herzog. 1812 wurden die Gilden endgültig aufgelöst. In französischer Zeit (1810 bis 1813) standen dem Maire (Bürgermeister) zwei Adjoinsis (Beigeordnete) und als beratende Körperschaft ein Munizipalrat zur Seite. Die Preußen als nachfolgende Landesherren beließen einstweilen die Strukturen, schufen 1816 den Landkreis und nach der preußischen Städteordnung von 1831 waren nur Bürger als Bürgermeister wählbar, die entweder eine bestimmte Größe an Grundbesitz oder ein entsprechendes Einkommen hatten. Die Stadtverordneten wurden auf drei Jahre gewählt. Jährlich schied Eindrittel aus und wurde durch Neuwahlen ersetzt.

Erst die Weimarer Republik führte das allgemeine und gleiche Wahlrecht ein. Der Bürgermeister wurde für zwölf Jahre, die drei Magistratsmitglieder für sechs Jahre gewählt. Bis zum Ende des Dritten Reichs waren Bürgermeister von Dorsten: bis 1841 Gahlen, bis 1852 Luck, bis 1873 de Weldige-Cremer, bis 1886 Geißler, bis 1899 Middendorf, bis 1923 Lappe, bis 1933 Dr. Lürcken, bis 1945 Dr. Gronover. In nationalsozialistischer Zeit wurden die Bürgermeister von der NSDAP-Leitung vorgeschlagen und vom Gauleiter der Partei sowie vom Regierungspräsident bestätigt. Später lagen das Vorschlagsrecht beim NSDAP-Gauleiter und die Bestätigung beim Landrat. Von 1929 bis 1945 war der Bürgermeister in Personalunion Bürgermeister der Stadt und des Amtes Hervest-Dorsten. – Am 30. April 1945 ernannte der amerikanische Kampftruppenkommandant noch am Tage der Besetzung den Kaufmann Theodor Artmann zum Bürgermeister, der bereits im Mai 1945 aus gesundheitlichen Gründen wieder zurücktrat und die inzwischen etablierte englische Militärregierung Bernhard Weber zum kommissarischen Stadtbürgermeister und Philipp Desoi zum Amtsbürgermeister ernannten. Letzterem folgte Dr. Walter Banke als Stadt- und Amtsdirektor.

Nachkriegszeit

Erster gewählter Amts- und Stadtbürgermeister wurde 1946 Paul Kempa (CDU), ihm folgten 1949 Paul Schürholz (CDU), 1964 Hans Lampen (CDU), 1984 Heinz Ritter (SPD), 1994 Friedhelm Fragemann (SPD), 1995 Dr. Karl-Christian Zahn (CDU), 1999 Lambert Lütkenhorst (CDU). Stadtdirektoren waren nach Dr. Banke ab 1958 Heinrich Quinders, ab 1971 Dr. Karl-Christian Zahn (bis zur Abschaffung der Doppelspitze 1995). In den Landgemeinden wurden 1946 zu Bürgermeistern gewählt Bernhard Maas (Lembeck), Johann Schonebeck (Wulfen), Josef Markfort (Altschermbeck), Johann Hußmann (Erle). Siehe Bürgermeister (Liste).

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