Bierverlag Krietemeyer

Max Schmeling war Ehrengast beim Coca Cola-Jubiläum

Die einen verlegen Bücher, andere Teppiche, wiederum andere Bier. Fritz Krietemeyer entschied sich für Letzteres und legte 1899 den Grundstein für das Unternehmen an der Blindestraße, das heute mit Sitz an der Kirchhellener Allee über die Grenzen der Stadt hinaus Bedeutung hatte und 2012 nach Bocholt verlegt wurde.

Max Schmeling bei Krietemeyer

40 Jahre Coca Cola bei Krietemeyer – 1971 gefeiert mit Max Schmeling (4. v. r., Zeitungsbild)

In den Jahren 1907 bis 1912 war der Firmengründer Niederlagenleiter für die Dortmunder Actien-Brauerei in Lünen. Nachdem er seinem ältesten Sohn Fritz die Geschäfte in Lünen übertragen hatte, kehrte er nach Dorsten zurück. Inzwischen war der Bierverlag von der Blindestraße zur Kirchhellener Allee (heute Kirchhellener Straße) verlegt worden. In den Pionierjahren des Unternehmens wurde die Kundschaft in Dorsten sowie die in der näheren Umgebung Wulfen, Lembeck und Marl bis nach Raesfeld mit vier Pferdefuhrwerken beliefert. 1930 fuhr man das Bier bereits mit einem Kraftfahrzeug aus. Ein bedeutender Schritt für die weitere Entwicklung des Unternehmens war der Vertragsabschluss mit der Coca Cola-Gesellschaft 1931 (gültig bis 2007). Nach dem Tode des Gründers im Jahre 1936 übernahm Heinrich Krietemeyer das Unternehmen. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begann für den Bierverlag eine äußerst schwierige Zeit. Heinrich Krietemeyer geriet als Soldat an der Ostfront in sowjetische Kriegsgefangenschaft und seine Frau Wilhelmine musste die Firmenleitung übernehmen.

Zu einem regional bedeutsamen Unternehmen entwickelt

Das Unternehmen Krietemeyer

Das Unternehmen Krietemeyer

Anfang 1945 wurden Betrieb und Wohnung von Bomben zerstört. Als Heinrich Krietemeyer aus der Gefangenschaft nach Hause zurückkehrte, fand beides bereits wieder aufgebaut vor. Er vergrößerte den Betrieb zu einem bedeutsamen überörtlichen Bierverlag, dem er eine gute Grundlage durch eigene und gepachtete Gaststätten und Hotelbetriebe schuf. Mit viel Sachverstand und Geschick setzte er den Vertrieb von Coca Cola fort. Er gründete eine Abfüllfabrik für Coca Cola. Als geschäftsführender Gesellschafter leitete er neben seinem Bierverlag bis zu seinem 65. Lebensjahr ebenfalls die Erfrig H. Krietemeyer GmbH & Co. KG. Heinrich Krietemeyer war Ehrenoberst des Schützenvereins Feldmark I. und II. und Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Dorsten. Zum Betriebsjubiläum – 40 Jahre Coca Cola – im Jahr 1971 waren unter den illustren Gästen im Schlaunschen Festsaal von Schloss Lembeck auch der frühere Weltmeister im Gewichtsboxen, Max Schmeling.

Auslieferung um 1955

Auslieferung um 1955

Seit 1999 wurde der Geschäftsbereich durch die Übernahme diverser Getränkefachgroßhändler erheblich erweitert. Die Umsätze konnten in den folgenden Jahren nahezu verdoppelt werden. 2003 wurden die aufgekauften Einzelunternehmen unter dem gemeinsamen Firmendach gebündelt. Heute ist das Unternehmen flächendeckend mit einer KFZ-Flotte von 3,5 bis 15-Tonner im Absatzgebiet präsent. Im 8.000 qm großen Warenlager an der Kirchhellener Straße werden 2.800 Artikel angeboten – von Wasser, Bier über Sekt, Kaffee bis Süßigkeiten. 2007 wurde die Coca Cola-Konzession an die West-Zentra Erfrischungsgetränke GmbH (Rudolf-Diesel-Straße) verkauft. Nach Informationen des Branchendienstes „Insider“ habe sich danach der Krietemeyer-Umsatz auf 15 Millionen Euro halbiert. 2009, so „Inside“ weiter, habe Erfrig-Krietemeyer dann einen Fehlbetrag von 500.000 Euro ausgleichen müssen. Das Liefergebiet reichte vom Kreis Borken bis Velbert, von Dinslaken bis Recklinghausen. In der Umsatzrangliste von Westdeutschland rangierte Erfrig-Krietemeyer im Jahre 2008 mit 44 Millionen Euro Umsatz auf dem 17. Platz.

Vom „Warsteiner“-Konzern übernommen

Im Jahr 2011 übernahm der „Warsteiner“-Konzern das Dorstener Traditions-Unternehmen Erfrig-Krietemeyer. Eine Standort-Analyse des Konzerns war ausschlaggebend für die Absicht, den Dorstener Betrieb im Jahre 2012 nach Bocholt zu verlagern. Die Situation in Dorsten erlaubte keinen Umbau, der für einen Mehrschichtenbetrieb mit nächtlicher Lärmbelastung für Anwohner notwendig gewesen wäre. Die 45 fest angestellten Mitarbeiter behielten ihren Arbeitsplatz, müssen aber ab 2012 zum Warsteiner Partnerunternehmen Hornung ins Bocholter Industriegebiet pendeln.


Quelle:
Teils Klaus-Dieter Krause „Warsteiner-Konzern will Erfrig-Krietemeyer übernehmen“ in DZ vom 21. März 2011.

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