Bevölkerungsentwicklung

Die vielen Kriege hatten stets Einfluss auf die Fluktuation der Einwohner

777-bervölkrtungdrmntewivklung rentner-HA-Hamburg-PillnitzVon Wolf Stegemann – Bei der Vorstellung des Buches „Lebensbilder aus sechs Jahrhunderten Dorstener Stadtgeschichte“ ging der Autor Wolf Stegemann 1997 auch auf die Frage ein, wie viele Dorstener es im Lauge der Jahrhunderte es wohl gegeben haben mag. Hier ein Auszug aus der Rede:

„Bevor wir uns mit der Frage befassen, Dorstener, was sind das nur für Leute? stell’ ich ihnen die Frage: Was glauben sie, wie viele Menschen in der Stadt im Laufe der letzten 600 Jahre geboren wurden? Einfach ist eine solche Rechnerei nicht. Für das Statistische Landesamt Nordrhein-Westfalen, das ich um Hilfe gebeten habe, war es auch sehr kniffelig, irgendetwas dazu zu sagen, denn solche Berechnungen gibt es nicht, zumindest nicht im Computer des Statistischen Landesamtes. Dennoch wagte sich ein Mitarbeiter an die Frage heran und gab unter Zuhilfenahme des Computers Antwort. Unter Berücksichtigung der vorhandenen Einwohnerzahlen und der in verschiedenen Jahrhunderten üblichen Kinderzahlen kam eine Million Dorstener zum Vorschein, die einst in den Mauern dieser Kleinstadt gboren wurden, gelebt haben und gestorben sind. 100.000 mehr oder weniger. Eine unheimlich große Zahl für eine kleine Stadt, bedenkt man alleine die sich daran anschließende Frage, wo ihre sterblichen Überreste geblieben sind!
Von den allermeisten dieser Million Dorstenern hat niemals irgendwer Notiz genommen. Wenn es allerdings einen Himmel und eine Hölle als einen Ort geben sollte, wo alle auf den jüngsten Tag warten, werden wir dieser Million Dorstener wieder begegnen, sei es oben im Himmel oder unten in der Hölle. Dann werden wir uns entsprechend einreihen und können authentisch feststellen, was denn das für Leute waren, jene Dorstener, von denen mit einhundertundzehn ein klitzeklein verschwindender kleiner Teil in unserem Buch beschrieben ist …“

Durch Kriege und Nöte bedingter steter Weg- und Zuzug

Nach der Stadtwerdung 1251 begann eine starke Wachstumsperiode. Es setzte nicht nur eine Landflucht in die attraktivere Stadt ein, es kamen auch Zuzüge aus weiter entfernten Städten, wie dies Familiennamen belegen: Emmerich, Hemer, Hildesheim, Osenbrugg (Osnabrück), Zutphen. Auch scheinen viele Recklinghäuser nach der Einäscherung ihrer Stadt (1247) nach Dorsten gekommen zu sein. In der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts gab es vermutlich 80 Häuser mit etwa 500 bis 800 Einwohnern. Eine andere Quelle berichtet von 40 Hausstellen und 240 Einwohnern. Der Historiker Franz Schuknecht meint hingegen, dass Dorsten zur Stadtwerdung nur 80 Einwohner (in zwölf bis 14 Häusern) hatte. Das würde bedeuten, dass den finanziellen und technischen Aufwand der Stadtwerdung maximal zwölf Familien mit schätzungsweise sechs bis zehn erwachsenen Männern zu leisten gehabt hatten.

Woher Dorstener Bürger in den Jahren der Stadtwerdung kamen, bezeugt auch das Magistratsregister von 1297. Von zwölf Magistratspersonen stammten zwei aus Erle, eine aus Lippramsdorf, eine aus Borken, drei von Höfen in Kirchhellen und Hervest. Im 14. Jahrhundert wurden die Inhaber von 47 Häusern genannt, die an Xanten abgabepflichtig waren. Neun unter ihnen hatten Namen, die ihre Herkunft aus Hervest, Gladbeck, Zweckel, Westerholt, Kirchhellen, Brabant anzeigen, dazu ein Semmels und ein Vorwerk von Höfen bei Dorsten. 1432 gab es 144 Häuser, 1598 „kaum 300“ und 1641 schon 340 Häuser. Demnach dürfte Dorsten um 1600 rund 1.700 bis 2.000 Einwohner gehabt haben. Einwohnerverluste erlitt die Stadt während der Pestepidemien im 16./17. Jahrhundert, bei anderen Seuchen und durch Kriegseinwirkungen, denn in den Jahren 1683 und 1693 schwankte die Einwohnerzahl nur zwischen 1.800 und 2.200. Im Jahre 1717 hatte die Pfarrei St. Agatha (identisch mit Einwohnerzahl) 1.800 Seelen („alle Eingesessene seyn katholisch bis auf vier Protestanten“). Hundert Jahre später (1818) ist schließlich die erste genaue Einwohnerzahl mit 2.304 überliefert; 1831 zählte man 2.612 Einwohner, davon siedelten 317 außerhalb der Wälle, 1840 standen dort bereits 60 Häuser.

Der Mauerring war um 1260 so großzügig angelegt worden, dass der Innenraum der Stadt fünf Jahrhunderte lang ausreichte, die Bevölkerung aufzunehmen, wenngleich es innerhalb der Mauern sehr eng war: Von 11,8 Hektar Grundfläche entfielen im Jahr 1820 auf Gebäudeflächen 10,9 Hektar (340 Häuser, 86 Scheunen, 712 sonstige Nebengebäude) und 0,9 Hektar auf Straßen und Plätze.

Zählung im Amt Lembeck

Am Ende des Jahres 1822 befanden sich in der Bürgermeisterei Lembeck vier Kir­chen, sechs kommunale Gebäude, 410 Priva­thäuser, 15 Fabrikgebäude, 568 Ställe, Schoppen und Scheunen. Die 3.158 Einwohner teilten sich wie folgt auf: Kna­ben unter 14 Jahren 462 und 456 Mädchen, männlich von 15 bis 60 Jahren 945 und 1.004 weiblich, über 60 männlich 155 und 136 weiblich, verheiratet männlich 517 und 514 weiblich, 3.144 Einwohner waren katholisch, es gab einen  evangelischen und 13 Einwohner verschiedener Konfessionen, darunter meist Juden. Zudem gab es 361 Pferde, 1.547 Kühe, 6.222 Schafe, sechs Zie­gen und 586 Schweine.

Bevölkerungsentwicklung der Stadt Dorsten im Überblick

Im Jahre 1828 hatte Dorsten (heutige Altstadt) 2.406 Einwohner, 1843: 2.888 Einwohner, 1858: 3.265 Einwohner, 1871: 3.232 Einwohner, 1885: 3.336 Einwohner, 1895: 4.234 Einwohner, 1905: 5.875 Einwohner, 1910: 7.073 Einwohner, 1928: 8.826 Einwohner, 1933 (nach der Eingemeindung von Gahlen-Hardt): 10.319 Einwohner, 1939: 10.332 Einwohner, 1946 (nach Eingemeindung von Hervest und Holsterhausen 1943 zu Groß-Dorsten): 24.707 Einwohner, 1950: 27.945 Einwohner, 1975 (nach der Eingemeindung von Altendorf-Ulfkotte und den Herrlichkeitsdörfern) 66.000;  2009 sind es über 78.547 Einwohner, im März 2015 weniger: 75.940.

Wilhelm Brepohl, „Vater des Ruhrvolkes“, schätzt den Anteil der Einwohner der nicht zur eingesessenen Bevölkerung gehört, auf 81 Prozent, wobei er in Hervest und Holsterhausen bei 90 Prozent und in der Altstadt bei 50 Prozent liegt. Konnten in der Altstadt die Zuwanderer in Wohnvierteln am Stadtrand untergebracht werden, wodurch das Innenstadtbild erhalten blieb, bestimmten in den Gemeinden Holsterhausen und Hervest die Lage der Zechen den Bau ausgedehnter Siedlungen, so dass sich zwischen dem eigentlichen Dorf und den Siedlungen eine räumliche Trennung ergab (Holsterhausen-Dorf und Holsterhausen, Hervest-Dorf und Hervest-Dorsten). Weil sich die Koloniebewohner durch Sprache, Sitte und Herkunft von den Einheimischen unterschieden, traten zwischen ihnen erhebliche Spannungen auf. – 2010 wurden (erwartungsfroh) maximal bis zu 92.700 Einwohner prognostiziert, tatsächlich sind es nur 78.254 (Stand 2009). Einwohnerstärkster Ortsteil bleibt nach wie vor Wulfen mit 15.234 Einwohnern, gefolgt von Holsterhausen (13.800) und Hervest (13.361); Deuten ist mit 1.778 Einwohnern kleinster Ortsteil.

Seit Jahren steter Bevölkerungsrückgang

Im Jahr 2009 schrumpfte die Bevölkerung Dorstens um 671 Bürger auf 78.254 Einwohner. Die Zahl der Sterbefälle (806) überstieg die Zahl der Geburten (575) um 231. 2987 Menschen zogen aus Dorsten weg, aber nur 2.547 neu in die Stadt – unterm Strich ein Minus von 440 Einwohnern. Weitere 30 verlor die Stadt durch Registerbereinigungen (z. B. Wechsel vom Haupt- zum Nebenwohnsitz). Wulfen und Rhade müssen den kräftigsten Schwund verkraften: Rhade verlor 122 Einwohner, davon 108 allein durch Wegzüge. Wulfen schrumpfte gar um 248 Bürger, wobei hier allein 216 Wegzüge zu verzeichnen sind. Dennoch bleibt der Ort (Altwulfen und Barkenberg) mit noch 14 603 Menschen Dorstens größter Ortsteil, gefolgt von Holsterhausen (13 800) und Hervest (13 096).
Im Jahr 2011 hatte die Stadt 542 Einwohner verloren. Die Einwohnerzahl betrug Anfang 2012 nur noch 77.204 Bürger. Es wurde häufiger gestorben (788) als geboren (474). Gegenüber dem Vorjahr eine weitere Verschärfung der Situation. Sollte dieser Trend anhalten, so würde – statistisch gesehen – im Jahr 2013 Holsterhausen bereits der größte Stadtteil Dorsten sein und Wulfen mit Barkenberg, bislang noch der bevölkerungsstärkste Stadtteil, den Rang abgelaufen haben. Im Ortsteil Altstadt ist die Lücke zwischen Sternefällen (136) und Geburten (21) besonders groß. Das mag an den vielen Altenheimen liegen, die es in der Altstadt gibt. 2011 kehrten 2.788 Bürger Dorsten den Rücken, aber nur 2.591 zogen zu.
Im Jahr 2012 schrumpfte Dorsten um weitere 472 Bürger, obwohl die Geburten miut 525 wieder gestiegen waren, was ein Plus von zehn Proznet wären. Die aktuelle Einwohnerzahl lag Ende 2012 bei 76.733. Aber auch die mit 797 verzeichneten Sterbefälle sind leicht gestiegen, so dass unterm Strich eine Lücke von 272 blieb.  Dazu kamen 197 mehr Wegzüge aus der Stadt als Zuzüge.

Ende 2014 gab es noch 76.077 Einwohner mit Erstwohnsitz in Dorsten. Die meisten wohnten mit 13.703 Einwohnern in Holsterhausen, wo auch die größten ZUwächse zu verzeichnen sind, Wulfen 13.548 Ew., Hervest 12.842 Ew. Deuten ist mit 1.692 Ew. der kleinste Stadtteil. Rhade und die Feldmark haben im Vergleich zum Vorjahr die meisten Einwohner verloren.

Innerhalb der Stadt gab es durch Umzüge eine Wanderungsbewegung zwischen den Stadtteilen, von denen die Altstadt mit einem Plus von 89 am meisten profitierte, sie aber durch 131 Sterbefälle gegenüber 42 Geburten die meisten Einwohner verlor. Das mag an den vielen Altenheimen, die es in der Altstadt gibt, gelegen haben. Die Feldmark verlor durch Todefälle 71, Wulfen 39 und Rhade 30 Einwohner.

Gewinner der Wanderungsbewegungen innerhalb der Stadt waren neben der bereits erwähnten Altstadt noch die Feldmark (+66) und Deuten (+16). Deutlicher Verlierer war Wulfen mit einem Minus von 51, gefolgt von Holsterhausen (-74), Hervest (-45) und die Hardt (-44).

Die Fakten – In Dorsten leben mehr Senioren als Kinder

1975 gab es in Dorsten fast 21.000 junge Menschen unter 18 Jahren (fast 32 % der damaligen Bevölkerung) und nur 6.800 Dorstener, die älter waren als 65 Jahre (10 % der Einwohner).
2010 hat sich das Bild gedreht. Da gab es nur noch 13.000 Dorstener unter 18 Jahre (17 %), aber 15.500 waren älter als 65 Jahre (20 %). Dass Menschen insgesamt älter werden, zeigt noch deutlicher die Zahl der Dorstener, die über 80 Jahre alt sind. 1975 waren dies 820 Personen, bis 2010 hat sich diese Zahl auf 3.830 beinahe verfünffacht. 2030 wird sich der Altersdurchschnitt der Dorstener Bevölkerung von 43,9 im Jahr 2009 auf 49,7 verschieben.

Zahlen korrigiert: Zensus 2011

2011 bereinigte die Stadt ihr Einwohnermelderegister aufgrund des bundesweiten Melderegisterabgleichs (Zensus 2011; Doppel- und Mehrfacherfassung der Einwohner). Zum Stichtag am 9. Mai 2011 lebten 76.518 Menschen in Dorsten, 664 mehr als im Melderegister standen. Das hatte den Vorteil, dass das Land NRW zu den jährlich gezahlten Schlüsselzuweisungen in Höhe von 37 Millionen Euro, etwas drauflegen wird (mutmaßlich rund 100.000 Euro).

Weitere Erkenntnis aus dem durch Zensus 2011 ermitteltes Zahlenmaterial: In Dorsten leben mehr Frauen (39 630, d. s. 51,6 Prozent) als Männer (37 230, d. s. 48,6 Prozent). Der Anteil der in Dorsten lebenden Ausländer betrug  4,3 Prozent (NRW-weit sind es 9,2 Prozent). Aber: 11.820 der Dorstener haben einen Migrationshintergrund (15,4 Prozent). Bei den Altersklassen liegen die 30- bis 49-Jährigen vorne (21.030), der Prozentsatz der über 50-Jährigen ist allerdings höher als im Landesschnitt (43 zu 40 Prozent). Ziemlich genau die Hälfte aller Dorstener ist verheiratet, 27.760 hingegen sind ledig (36,1 Prozent). Bei der Religion liegen die Katholiken weit vorn: 40.020 Dorstener sind römisch-katholisch getauft (52,6 Prozent), 21.480 evangelisch (27,9 Prozent), sonstige: 14.960.

Für Dorsten finden sich auch für den wirtschaftlichen Bereich neue Daten: 26,4 Prozent aller Dorstener haben eine (Fach-)Hochschulreife (NRW: 30 Prozent), 54,5 Prozent sind Auspendler (NRW: 46,5 Prozent), 65,9 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Dienstleistungsbranche tätig (NRW: 70 Prozent), aber noch 31,5 Prozent im produzierenden Gewerbe (NRW: 29,1 Prozent). Auch die Selbstständigen mit Beschäftigten sind in Dorsten unterrepräsentiert (nur 5,1 Prozent).

Steigende Zahl der Asylbewerber bremst Bevölkerungsrückgang

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Landesamts sank in den ersten sechs Monaten 2014 die Zahl der Einwohner Dorstens auf 75.395.  Das ist ein Rückgang um 152 Personen und damit deutlich weniger als im Vergleichszeitraum der Vorjahre. Da lagen die Rückgänge im Halbjahr durchschnittlich bei etwa 250. Ist das die Wende in der Bevölkerungsentwicklung der Stadt? Wohl kaum. Vielmehr wirkt sich die starke Zunahme der Zahl der Asylbewerber aus, die Dorsten zugewiesen wurden.  Im Gesamtjahr 2014 waren das nach Angaben der Stadtverwaltung  290 Personen, im Vorjahr nur 110. Sie werden in der Bevölkerungsstatistik als zuwandernde Einwohner mitgezählt. Deswegen ist anzunehmen, dass der geringere Rückgang der Einwohnerzahl im ersten Halbjahr 2014 vor allem dadurch beeinflusst ist.  Detaillierte Zahlen für die einzelnen Monate in der üblichen Gliederung nach Deutschen und Ausländern liegen seitens des Statistischen Landesamts bislang nicht vor. Erst wenn sie bekannt sind, ist eine Bewertung der Entwicklung möglich. Vieles spricht dafür, dass die Ursachen für den seit Jahren anhaltenden Bevölkerungsschwund in Dorsten, nämlich das Geburtendefizit und der negative Wanderungssaldo, unverändert fortwirken.

Düstere Aussichten – kommentierende Betrachtung

Die gängigen Vorausberechnungen für die Bevölkerungsentwicklung reichen bis 2030. Aber auch danach geht der Sinkflug weiter. Wenn die Geburtenrate auf dem bisherigen niedrigen Niveau verharrt, beschleunigt sich deutschlandweit die Abnahme der Bevölkerung. Für Dorsten und die gesamte Emscher-Lippe-Region, die als Folge ihrer Sturkturschwäche zusätzlich von Wanderungsverlusten betroffen sind, verheißt das nichts Gutes.

Das Statistische Landesamt rechnet vor

Das Statistische Landesamt rechnet in seinen Modellrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung für Dorsten bis 2030 mit einem Bevölkerungsrückgang auf 68.000 Einwohner. Das sind gegenüber dem aktuellen Stand 9.000 Einwohner weniger, ein Minus von 12 %. Ein Vergleich mit dem übrigen Deutschland zeigt, dass Dorsten damit zu den am stärksten schrumpfenden Gemeinden in Westdeutschland gehört, auf einem Niveau mit großen Teilen der neuen Bundesländer.

Weil im Allgemeinen nur Modellrechnungen bis 2030 betrachtet werden, könnte der Eindruck entstehen, dass danach die Bevölkerungsentwicklung wieder in ruhigere Bahnen zurückkehrt. Weit gefehlt, das Gegenteil ist richtig. Der Blick bis 2030 zeigt nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte der Wahrheit: nach 2030 beschleunigt sich der Bevölkerungsrückgang. Die durch eine niedrige Geburtenrate dezimierte Bevölkerung schrumpft bei unveränderter Geburtenrate weiter – und zwar schneller. Dieser Trend gilt für ganz Deutschland, allerdings mit großen regionalen Unterschieden.

Dorsten im Weihnachtsstress im Jahr 2050?

Die Bezirksregierung Münster hat 2005 für Zwecke der Regionalplanung einen Bevölkerungsbericht vorgelegt, der eigene Modellrechnungen zur Bevölkerungsentwicklung bis 2050 für den Regierungsbezirk enthält. Die Modellrechnungen sind bis auf Gemeindeebene heruntergebrochen. Für Dorsten ist die Zahl der Einwohner für 2050 mit 47.900 angegeben. Das würde bedeuten, dass sich der Bevölkerungsrückgang gegenüber dem Zeitraum 2010 /2030 in den beiden folgenden Dekaden bis 2050 auf 20.000 verdoppelte. Demnach verlöre Dorsten mehr als ein Drittel seiner heutigen Bevölkerung. Wanderungsverluste verstärken hier den bundesweiten Trend.

Erschrecken über die Entwicklung

Die gesamte Emscher-Lippe-Region, das sind der Kreis Recklinghausen und die kreisfreien Städte Bottrop und Gelsenkirchen, ist in einem ähnlichen Ausmaß betroffen. Dagegen wird für das Münsterland ein Rückgang von lediglich sieben Prozent erwartet. Das Erschrecken der Bezirksregierung über die für die Emscher-Lippe-Region gefundenen Ergebnisse ist deutlich. Im Bericht heißt es: „Sollten die Einwohnerrückgänge wie geschätzt eintreten, so ist der Rückgang in der Emscher-Lippe-Region als dramatisch zu bezeichnen.“ Der überdurchschnittlich hohe Bevölkerungsrückgang ist unverkennbar eine Folge der Strukturschwäche der Region. Die Menschen wandern weg, weil Arbeitsplätze fehlen.

Die Modellrechnungen bauen auf Annahmen auf. Die können sich in einem Zeitraum von mehreren Jahrzehnten ändern. Dabei spielen lokale Besonderheiten eine wichtige Rolle. 2009 hat die Bezirksregierung ihre Bevölkerungsvorausschätzung von 2005 überarbeitet und  die „Richtung“ ihrer vorangegangenen Schätzungen bestätigt gefunden – allerdings mit der Einschränkung, dass „in der Emscher-Lippe-Region der Bevölkerungsrückgang weniger schnell eintreten wird.“ Verbesserungen betreffen die Städte Herten, Marl und Oer-Erkenschwick. Vor allem in Gelsenkirchen scheint sich der Bevölkerungsrückgang nicht zu beschleunigen. Für Dorsten ergeben sich vorerst keine Änderungen.

Wird Dorsten im Jahr 2050 nur noch 50.000 Einwohner haben?

Daran wird deutlich, dass die Entwicklung nicht unabänderlich ist. Man kann etwas tun, um den Absturz der Einwohnerzahl zu bremsen. Es ist eine Herausforderung, auf die die Kommunalpolitiker eine Antwort finden müssen. Das Menetekel einer im Jahr 2050 auf nur noch 50.000 Einwohner geschrumpften Stadt müsste alle Verantwortlichen aufrütteln. Dorsten hat schon einmal eine Zeitenwende verschlafen, als vor zehn Jahren durch die Schließung der Zeche und den Untergang der Stewing-Gruppe 5.000 Arbeitsplätze verloren gingen, mehr als ein Viertel aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse in Dorsten. Das sollte Mahnung genug sein, endlich langfristige Konzepte und Strategien zu entwickeln, die geeignet sind, den Absturz der Stadt in die Bedeutungslosigkeit abzuwenden.

Am Rande notiert: Der demografischen Wandel lässt immer mehr den Staat erben. Er ist der größte Erbe von Wohnhäusern in Deutschland. Die 16 Bundesländer sind auf dem Wege der Erbschaft mittlerweile Allein- oder Miteigentümer von rund 10.000 Wohnhäusern und privaten Liegenschaften geworden, wie eine bundesweite Umfrage der Deutschen Presseagentur (dpa) bei Länderverwaltungen und Bezirksregierungen ergeben hat. Den Rekord hält mit weitem Abstand Bayern mit 7251 ererbten Wohnhäusern, gefolgt von Hessen (742) und Thüringen (581). „Der Anteil älterer Menschen ohne Angehörige steigt“, sagt eine Sprecherin der Bezirksregierung Münster.


Quellen:
Stadt (Hg.) „Dorsten“, Dorsten 1975. – Statistisches Material 2009. – WAZ vom 17. Juli 2009. – Ludger Böhne in WAZ vom 22. Januar 2010. – Ute Hildebrand-Schute „Zahl der Kinder schrumpft“ in WAZ vom 22. März 2011. – Datenbank des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen. – Dr. Helmut Frenzel „Rückgang der Einwohnerzahl trifft Dorsten hart“ in www. DORSTEN-transparent.de, 2012.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Dieser Beitrag wurde am veröffentlicht.
Abgelegt unter: , Stadtentwicklung