Kreishaus Recklinghausen I

1980 für 51 Mio. DM (=26 Mio. Euro) errichtet – Sanierung heute: 99 Mio. Euro

Eröffnung 1980: Regierungspräsident von Münster Schleberger, Landrat Marmulla, Oberkreisdirektor Pezely, Ministerpräsident Rau (v. l.)

Am 18. April 1980 ist das Kreishaus in Recklinghausen eingeweiht worden. Die Errichtung des Verwaltungsgebäudes für etwa 850 Mitarbeiter hat damals 51 Millionen Deutsche Mark gekostet. Das sind umgerechnet 26 Millionen Euro. Wenn man bedenkt, dass die 2021 bevorstehende Sanierung des Kreishauses fast mit dem Vierfachen dieses Betrags veranschlagt ist (99 Millionen Euro), erhält man eine Vorstellung davon, wie sich die Baupreise in den zurückliegenden gut 40 Jahren entwickelt haben. Natürlich sind auch die Anforderungen, die heutzutage an ein modernes Verwaltungsgebäude gestellt werden, von einem ganz anderen Kaliber. Energieeffizienz und Klimaschutz sind Faktoren, die mittlerweile eine zentrale Bedeutung haben. 33 Mio. Euro für Dach, Fenster und Fassade müssen allein in dieser Kategorie verbucht werden. Hinzu kommen 6 Mio. Euro für Fotovoltaik, Dachbegrünung und die Gestaltung der Außenanlagen mit Pflanzen, die dem Klimawandel standhalten. Auch an Sicherheitskonzepte hatte früher niemand gedacht. Heute sehen sich der Landrat und seine Mitarbeiter aus sensiblen Bereichen akuten Anfeindungen ausgesetzt, die bis zu Morddrohungen reichen. Im sanierten Kreishaus wird es deshalb einen „Bürgerbereich“ geben, weite Teile des Gebäudes wird man nur noch als autorisierte Person betreten dürfen. Zusammen mit der mittlerweile obligatorischen Barrierefreiheit werden in dieses Konzept 4 Mio. Euro investiert.

NRW-Ministerpräsident Johannes Rau eröffnete das Kreishaus

Das 1980 erbaute Kreishaus an der Kurt-Schumacher-Allee war damals ein Leuchtturm in der Recklinghäuser Verwaltungslandschaft – ein Gebäude, „in dem optimale Arbeitsplätze den Vorrang haben gegenüber der Repräsentation“. Hervorgehoben wurden auch die fünf „mit besonderer Sorgfalt landschaftlich gestalteten Innenhöfe, die den Besucher zum Verweilen einladen“. Entsprechend stolz waren die Protagonisten, als das neue Gebäude am 18. April mit einem Festakt seiner Bestimmung übergeben wurde. Festredner war NRW-Ministerpräsident Johannes Rau, Landrat Helmut Marmulla und Heinz Netta (Oer-Erkenschwick) in seiner Eigenschaft als dienstältester Bürgermeister des Kreises hielten weitere Ansprachen. Im Festzelt auf dem Konrad-Adenauer-Platz (heute – in einer ganz anderen Zeit – steht dort das Impfzentrum) ging es dann ungezwungen weiter: „Tanz bis 2 Uhr nachts“, schrieben Zeitungen damals – auf Schwarz-weiß-Seiten versteht sich.
Landrat Marmulla würdigte insbesondere die Leistung des damaligen Kreisarchitekten Günter Stebner, der es geschafft hatte, den vereinbarten Kosten- und Zeitrahmen exakt einzuhalten – und das trotz des Konkurses der Fassadenfirma aus Berlin. Doch der Kreis hatte in dieser Situation auch eine gehörige Portion Glück: Vom Konkursverwalter erhielt die Behörde innerhalb einer Woche einen Anschlussauftrag, und die gesamte Bauarbeitertruppe blieb bei der Stange. Der erste Spatenstich für das Großprojekt erfolgte übrigens am 7. Juli 1977. Mit großer Genugtuung wurde im Rahmen der Kreishaus-Einweihung auch registriert, dass ein Viertel des Auftragsvolumens bei Unternehmen „in unserem Raum“ geblieben ist. „Angesichts einer bundesweiten Ausschreibung ein erheblicher Prozentsatz“, kommentierte die Medien damals.

Siehe auch: Kreishaus Recklinghausen II
Siehe auch: Kreis Recklinghausen


Quelle: Mit unwesentlicher Kürzung übernommen von Michael Wallkötter aus der DZ vom 5. Juni 2021.

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