Armenhaus

Gestiftetes Geld förderte die Menschenfreundlichkeit der Stadt

Alte Frauen im Armenhaus

Alte Frauen im Armenhaus

Mit dem Armengasthaus war eine der hl. Maria Magdalena gewidmete Vikarie verbunden, deren Kapelle 1488 dem damals gegründeten Franziskanerkloster überwiesen wurde. Das Benefizum wurde 1359 errichtet. Ursprünglich stand das Armenhaus außerhalb der Mauern (Mitte des 13. Jahrhunderts), was damals üblich war. Später kam es in den Bereich der Franziskaner. Entweder wurde es von außerhalb der Mauern dorthin verlegt oder der Bereich des Armenhauses wurde in die Ringmauern mit einbezogen. Eine Urkunde, die zehn Jahre später ausgestellt worden war, gibt Aufschluss über den Standort des mit der Vikarie verbundenen Dorstener Armenhauses. Es war das zum Armenhaus umgewandelte Wohnhaus des Ludwig Dunepeper, das zwischen den Häusern Ybiken und then Busche, lag. Der Geschichtsforscher Albert Weskamp nahm an, dass das damals „unter Änderung des ursprünglichen  an dem vorbezeichneten Platze für die Vikarie eine eigene Kapelle errichtet und das Hospital neben dieselbe verlegt worden ist“. Mit Hospital ist im Sprachgebrauch der damaligen Zeit das Armenhaus gemeint. 1441 wurde ein eigenes Vikarienhaus mit Hof und Platz „up de Wyschen“ (Wiesenstraße) erworben. Es lag „achter uth dem houe bet an die Lipstraete“. Wie viele Arme (Fremde und Einheimische) in dem Haus Aufnahme finden konnten, ist nicht bekannt, schreibt Prof. Dr. Weskamp. Das Geld, das die Stadt aufzubringen hatte, war anfangs ohne Belang. Erst 1441 stellte sich eine menschenfreundlichere Gesinnung ein, als der Kanoniker Gottfried Bley der Stadt für den Zweck zur Verfügung stellte.

In der Gollegasse (Gordulagasse) wurde 1484 erstmals ein Witwenhaus genannt. 1570 (andere Angaben 1575) wird ein Armenhaus erwähnt, das an der Blindestraße (heute Ursulastraße,  Paßmann) lag und die Hausnummer 329 hatte. Es fand 1617 eine erneute Erwähnung. Später war oft von „Armengang“ die Rede. Dabei handelte es sich wohl um das Armenhaus, denn in Prozessakten von 1731 heißt es, Bürgermeister Rive habe „ein gantz ruinirtes Armenhauß, den Armengang genant“, in Stand setzen lassen. Um 1812 wurde in den Akten des Zentralwohltätigkeitsbureaus neben dem Witwenhaus das Armenhaus genannt. 1827 kauften die Ursulinen das verfallene Gebäude (Hülswitt’sche Haus) für 230 Reichstaler. Das Geld wurde für Mieten von Armenwohnungen verwendet. Als Armenhaus wurde auch das Haus Nr. 140 am Südgraben genannt. 1872 wurde am Westwall neben dem früheren St. Elisabeth-Krankenhaus ein Alters-, Waisen- und Armenhaus gebaut, das die Ordensschwestern des Krankenhauses betreuten. Im Armenhaus (Annaheim), geleitet von einer „Barmherzigen Schwester“, waren 1901 neun arme und pflegebedürftige Frauen auf Kosten der Armenkasse untergebracht. 1926 wurde das Haus, das nun ganz als Annastift genutzt wurde, von der Stadt an das St. Elisabeth-Krankenhaus verkauft (siehe Annastift).


Quelle:
Dr. Albert Westkamp in „Vestische Zeitschrift“, 7. Band, 1907.

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