Windkraft-Anlagen I

Lembecker Gesellschaft produziert Strom für 1.800 Haushalte

Bernhard Dahlhaus und Heinz Thier gründeten Mitte des Jahres 2000 in Lembeck zusammen mit anderen die „Windenergie Lehmberg GmbH & Co KG“, eine Gesellschaft, die anfangs drei Windkrafträder Betrieb und zehn Jahre später fünf betreibt. 30 Gesellschafter (Stand 2012) stehen finanziell hinter dem Unternehmen, denn die Investitionskosten waren beträchtlich. Es sind Freunde der Gründer, Nachbarn und Familienangehörige, die Geld und Flächen in den Pool einbrachten. Die Gesellschaft hätte 14 Windräder errichten können, doch letztlich entschieden sie sich für drei große. Jeder Mast ist 100 Meter hoch, der Rotor-Durchmesser beträgt 77 Meter und die Windräder erbringen je 1,5 Megawatt Leistung. Lärm und Schattenwurf bleiben weit unter den Richtlinien, denn die Betreiber wollen keinen Ärger mit Nachbarn in Wessendorf haben.

Windkraft-Anlagen im Emmelkamp, Foto: JF

Viertes Windrad im Emmelkamp, fünftes in Haltern

Anders als beim immer noch hoch subventionierten Sonnenstrom aus Photovoltaik muss der Windstrom nicht von allen Bürgern über die Stromrechnung mitbezahlt werden. Nur neun Cent pro Kilowattstunde (kW/h) zahlt Versorger RWE den Lembeckern. Deutlich weniger, als Strom für Verbraucher kostet. Dennoch lohnt sich das Geschäft mit den Windrädern: Bestellt haben die Betreiber sie zu DM-Preisen, bezahlt haben sie sich in Euro (5,4 Millionen). Im Jahr produzieren die drei Windmühlen 9,5 Millionen kW/h Strom, was 1,2 Millionen Euro Umsatz bedeutet. Mittlerweile zahlt das Lembecker Unternehmen an die Stadtkasse einen fünfstelligen Gewerbesteuer-Betrag. Der erzeugte Strom reicht aus, um alle 1.800 privaten Haushalte in Lembeck zu versorgen. 2005 haben die Gesellschafter für 2,4 Millionen Euro ein viertes Windrad im Emmelkamp in Holsterhausen gebaut, das pro Jahr weitere 3,5 Millionen kW/h Strom produziert. Und 2009 haben sie gemeinsam mit einem Halterner Landwirt ein fünftes errichtet.

Größte Dorstener Windkraftanlage zwischen Östrich und Gahlen geplant

Die größte Dorstener Windkraftanlage soll ab 2014 an der Gemeindegrenze zu Schermbeck zwischen Östrich und Gahlen errichtet werden. Die geplanten Ausmaße der Windmühle sind beeindruckend: An der Nabe in 108 Metern Höhe dreht sich am Turm aus Beton ein Rotor mit einem Durchmesser von 81 Metern. Die 2,3-Megawattanlage soll pro Jahr bis zu 5 Millionen Kilowatt-Stunden Strom produzieren, was dem Verbrauch von 1.000 bis 1.200 Haushalten entspricht. An diesem Windkraft-Projekt können sich Bürger und bereits bestehende Energiegenossenschaften finanziell beteiligen.

Acht potentielle Dorstener Baugebiete für Windräder in der Diskussion

Grundlage für die Ausweisung weiterer Windkraftkonzentrationszonen ist der Erlass der NRW-Landesregierung von 2011. Das Land erklärt darin die Absicht, Vorreiter beim Klimaschutz werden zu wollen. Bis zum Jahr 2020 soll der CO2-Ausstoß um 25 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent reduziert werden. Mit der geplante Änderung des Dorster Flächennutzungsplans will die Stadt 200,22 ha für Wundkraftanlagen ausweisen. Das ist eine Fläche , die so groß ist wie Monaco. Dafür sind acht Schwerpunktgebiete in Dorsten geplant: Lembeck-Wessendorf (45,8 ha), Lembeck-Wessendorf Elven-Süd (31,03 ha), Gälkenheide südlich Muna (22,29 ha), Wulfen südlich Kläranlage (34,95 ha), Holsterhausen Emmelkämper Brauck (11,13 ha), Lembeck-Wessendorf-Mühlenberg (13,58 ha), Rombrock (19,32 ha), Lange Heide 21,14 ha). Zuspruch aus der Bevölkerung ist nicht unbedingt überall gegeben, wie die Diskussionen über die gigantische Anlage im Emmelkamp zeigten. Bis zu 200 Meter sind die Windrad-Masten hoch. Im Zuge der Bürgerbeteiligung wurden 182 Stellungnahmen abgegeben, davon 142 von Privatleuten. Im vorgesehenen Gebiet an der Gälkenheide zeichnete sich zwischen den Plänen der Stadt, den Investoren und Anliegern ein Interessenkonflikt ab. Anwohner des Riedwegs sprachen sich gegen drei Windrad-Anlagen in ihrer Nähe aus. Auch die Muna in Wulfen hatte Einwände, weil Windräder die Schutzzone des Bundeswehrareals verletzten. Das Verfahren geht weiter. – Mit den meisten künftigen Betreibern von Windkraft-Anlagen in Dorsten und den Grundstückseigentümern hat die Stadt mit Stand vom Februar 2016 im Wesentlichen Eingkeit erzielt. Im Flächennutzungsplan sind neue Windktaftzonen ausgewiesen.
Inzwischen schrieb die Landesregierung ihren Landesentwicklungsplan (LEP) fort. Der Entwurfe könnte den Windkraftgegnern Argumnente liefern, wie sie den Bau von Windrädern verhindert könnten, schreibt die Dorstener Zeitung. Vorgaben der Städte sind in dem neuen LEP nicht mehr bindend. Örtliche Bürgerinitiativen könnten nun erfolgreicher auf  Einhaltung des Schutzabstandes bestehen (Stand April 2016).

Hervester Bürger planen Klage gegen die Stadt

Hervester Bürger in der Gälkenheide denken ernsthaft darüber nach, so schrieb die DZ am 31. Januar 2017, die Stadt Dorsten wegen weiterer geplanter Windkraftanlagen zu verklagen, um den Bau anlässlich der Änderung des Flächennutzungsplans zumindest im Marienviertel zu verhindern. In Dorstens Nachbarstadt Haltern hat das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eine Klages des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) beispielsweise abgewiesen. Der BUND wollte den Bau eines Windrades aus Gründen des Artenschutzes verhindern. In Dorsten haben rund 130 Bürger, Institutionen und Unternehmen gegen den Bau einer Windkraftanlage mit einer Vielzahl von Argumenten Einspruch erhoben und Bedenken angemeldet. Weiterhin sind bei der Stadtverwaltung 77 Briefe  mit Unterschriftenlisten eingegangen, mit denen sich jetzt Verwaltung und Lokalpolitiker beschäftigen müssen (Stand 3. Februar 2017).

58 Windräder im Kreis produzieren 71.675 Kilowatt Strom

Im Kreis Recklinghausen gibt es 58 Windräder (Stand  Ende 2017), die insgesamt 71.675 Kilowatt produzieren. Im langjährigen Mittel liefern sie genug Strom für etwa 40.000 Haushalte. Im Vergleich dazu hat ein modernes  Kohlekraftwerk eine zehnfach höhere Leistung. Windräder stehen in Castrop-Rauxel 7 Windräder, Leistung: 8000 Kilowatt; Datteln 2 Windräder, 3000 KW;  Dorsten 10 Windräder, 11.800 KW; Gladbeck 11 Windräder, 13.085 KW; Haltern am See 7 Windräder, 11.950 KW; Herten 2 Windräder, 2100 KW; Marl 4 Windräder, 12.000 KW; Oer-Erkenschwick 4 Windräder; 1410 KW; Recklinghausen 6 Windräder, 4630 KW; Waltrop 5 Windräder, 3700 KW (Quelle: Energieatlas NRW 2016).

Zur Sache: Im Zeichen der Energiewende haben sich Bund und Länder neue Ziele zur Reduzierung der Treibhausgase gesetzt. Nach § 3 des Klimaschutzgesetzes NRW soll die Gesamtsumme der Treibhausgasemissionen in NRW bis zum Jahr 2020 um mindestens 25 Prozent und bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent im Vergleich zu den Gesamtemissionen des Jahres 1990 verringert werden. Der Stromerzeugung durch Windenergieanlagen kommt für die Energiewende große Bedeutung zu. Bis 2020 soll der Anteil des Stroms aus Windenergieanlagen mindestens 15 Prozent der Gesamtstrommenge ausmachen.


Quellen:
Nach Ludger Böhne „Windmüller feiern Zehnjähriges“ in WAZ vom 16. Juli 2012. – Nach Claudia Engel in der DZ vom 17. Dezember 2014.

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