Verein für Bergbau …

... Industrie- und Sozialgeschichte - Dokumentationszentrum in der Zeche

Maschinenhaus; Foto: Wolf Stegemann (2014)

Maschinenhaus; Foto: Wolf Stegemann (2014)

Zwanzig Dorstener Bürger gründeten 2003 den „Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte“ mit dem Ziel, dass das bergbau- und industriegeschichtliche Gebäudeensemble des aufgelassenen Bergwerks Fürst Leopold (siehe Zeche) erhalten bleibt. Insbesondere sind das die Platanenallee, die beiden Torhäuser, die Lohn- und Lichthalle, die Schwarz-Weiß-Kaue, das Werkstattgebäude und die Maschinenhalle mit den beiden bis heute betriebsfähigen dampfbetriebenen Fördermaschinen. Somit versteht sich der Verein als „Bestandteil der Kulturwelt“ in Dorsten, der mittlerweile 250 Mitglieder (Stand Oktober 2011) und es sich zur Aufgabe gemacht hat, in Hervest-Dorsten ein Dokumentationszentrum für den Bergbau zu errichten, in dessen Mittelpunkt die vor etlichen  Jahren gerettete Dampfmaschine der Maschinenhalle stehen wird.

Gefördert von der Stiftung Denkmalpflege und Geschichtskultur

Gefördert wird der Verein von der Stiftung Denkmalpflege und Geschichtskultur, die das Fördermaschinenhaus Fürst Leopold Schacht 1/2 als Eigentum übernahm, was den Erhalt des Gebäudes und der denkmalgeschützten Zwillingstandem-Dampffördermaschine sichert. Für die Stiftung ist die Maschinenhalle gleichsam die „Identität stiftende historische Mitte“ des Gesamtstandortes Fürst Leopold.
Anfang 2012 stellte der Verein ein Online-Lexikon zur Dorstener Industriegeschichte auf Wiki-Basis ins Internet. Zum 100. Geburtstag der Hervester Zeche richtete der Verein in Zusammenarbeit mit der Ruhrstadt-Stiftung eine Foto-Ausstellung mit bei Kumpels gesammelten Bergbaufotos unter dem Titel „Tafel der Fürsten“ aus. Der Titel ist eine Anblehnung an den Regalinhaber und Namensgeber der Zeche, Fürst Leopold von Salm.

„Leopold-Regal“ als Kunstwerk mit Alltagsgegenständen des Bergmanns

Einzigartiges Kunstwerk; Foto: Bergbauverein

Der Bergbauverein errichtete im März 2017 in der Maschinenhalle der Zeche eine in der Bundesrepublik einzigartige Erinnerungsinstallation als Zeugnis der Bergbaugeschichte und Bergbaukultur in der Stadt. Es ist ein etwa zehn Tonnen schweres, rund neun Meter hohes und sechs Meter breites Regal nach dem Namen der ehemaligen Zeche „Leopold-Regal“ genannt. Es beeindruckt alleine schon wegen seiner überdimensionalen Erscheinung. In 34 Fächern werden Exponate der Bergbaugeschichte und dem Alltagsleben der Kumpel gezeigt, die auf der Zeche malochten. Das interaktive Museumsstück hängt an der Wand der Maschinenhalle. In den Fächern sind die Gegenstände des Bergarbeiter-Alltags wie in einem Setzkasten zu sehen: vom Steigerstock (zur Gesteinsprüfung) über das Moped (mit dem man zur Arbeit fuhr) bis hin zu den Tauben (den Rennpferden des Bergmanns). Und weil Besucher nur in die beiden unteren Reihen des Regals hineinschauen können, lassen sich über eine Auswahl am Touchscreen alle ausgestellten Gegenstände heranholen, die dann in knappen, aber ausreichenden Worten erklärt werden. Somit erzählt dieses Regal „Geschichte und Geschichten“, wie Martina Grote, Geschäftsführerin der NRW-Stiftung, bei der Eröffnung dieser Erinnerungsinstallation anmerkte. Die Finanzierung besorgte die NRW-Stiftung  (92.000 Euro) und die Stiftung Industriedenkmalpflege.

Vereinsfinanzen mit der schwarzen Null

Weit über 15.000 Besucher wurden 2017 sonntags und bei Veranstaltungen in der Maschinenhalle gezählt. Das hatte natürlich auch finanziell erfreuliche Folgen. Somit konnten auch 2017 alle laufenden Betriebskosten finanziert und Rücklagen für Reparaturen und Neuanschaffungen gebildet werden. In der Mitgliederversammlung wurde im März 2018 der Vorstand wiedergewählt: Vorsitzender Gerhard Schute, Stellvertretende Vorsitzende Jürgen Robbert und Sabine Bachem, Geschäftsführer Dr. Jörg Rippe, Stellvertretender Geschäftsführer Martin Hagemann, Kassierer Wolfgang Littwin, Stellvertretende Kassiererin Sandy Meinhardt, und Schriftführer Dieter Steffen. Als Beisitzer Gabi Beer, Fred Heyden, Volker Jenau, Cornelia Lüngen-Steinau, Rainer Schöneweiss, Axel Steinau und Manfred Wissing.

Bergbauverein lässt ab Frühjahr 2021 den Brunnen wieder sprudeln

Die Stadt legte ihre städtischen Brunnen trocken, so auch den Brunnen, der dem Brunnenplatz in der Bergbausiedlung Hervest den Namen gab. Sie übergab dem Bergbausverein 2021 aus dem Mitteln des Bürgerbudges erst einmal für drei Jahre einen finanziellen Zuschuss, mit dem der Verein den Brunnen wieder fließen lässt. Zudem stellte die Hervest-Konferenz dem Bergbauverein (der einen Eigenanteil beisteuern muss) in Aussicht, während der drei Probelauf-Jahre weitere Zuschüsse zu gewähren – bis zu einer Gesamtsumme in Höhe von 5000 Euro. Der Rest muss vom Bergbauverein durch Spenden aufgebracht werden.

Fotos zeigten 2022 das Ruhrgebiet von oben, darunter auch Dorsten

Zum Start in die Saison 2022 zeigte der Bergbauverein im März/April gemeinsam mit Hans Blossey in der Maschinenhalle der ehemaligen Zeche Fürst Leopold eine Werkschau mit dem Titel „Draufsichten“. Es werden mehr als 25 großformatige Ruhrgebiets-Luftbilder aus dem riesigen Fundus des Fotografen Hans Blossey gezeigt. Die Bilder sind unter mehreren Themen zusammengefasst, auch Dorstener Motive finden sich darunter. Höhepunkte aus 2010, als das Ruhrgebiet „Kulturhauptstadt“ Europas war. Aus der Flugzeug-Kanzel heraus hat Hans Blossey immer wieder die Haldenlandschaft Ruhrgebiet fotografiert (auch die „kleine Halde“ des „Festplatzes“ auf dem Ex-Zechen-/Ruhrgasgelände in Dorsten). Aber auch Fotos von Arbeitersiedlungen (wie die Hervester Kolonie) und die Hauptsehenswürdigkeiten der Ruhrgebiets-Industriekultur werden in der Maschinenhalle aufgehängt. Nach Jahrzehnten als Fotojournalist in Diensten der WAZ unterwegs, machte sich Hans Blossey 2009 als Luftbildfotograf selbständig. Inzwischen umfasst sein ständig wachsendes Archiv über 260.000 Aufnahmen aus 220 Städten und Gemeinden in NRW.

Wiederinbetriebnahme der Dampfmaschine:


Siehe auch:
CreativQuartier Fürst Leopold

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