Varus

Der Feldherr zog entlang der Lippe in sein Verderben

"Der gescheiterte Varus", Skulptur von Wilfried Koch in Haltern am See; Foto: Wolf Stegemann

„Der gescheiterte Varus“, Skulptur von Wilfried Koch in Haltern am See (Ausschnitt); Foto: Wolf Stegemann

47/46 v. Chr. in Cremona bis 9 n. Chr. in Germanien; Senator und Feldherr. – Sein Name ist vor allem mit der römischen Niederlage in der nach ihm benannten Varusschlacht verbunden, bei der unter seiner Führung drei römische Legionen ihren Untergang fanden, als sie von Germanen unter dem Cheruskerfürsten Arminius angegriffen wurden. Varus selbst nahm sich noch auf dem Schlachtfeld das Leben. Vorher durchzog er von Xanten kommend das Gebiet des heutigen Vestes Recklinghausen, überquerte die Lippe, und dürfte dabei auch das heutige Stadtgebiet von Dorsten tangiert haben.

Rechtsprechung und Steuern stießen auf Widerstand

Publius Quintilius Varus wurde als Sohn eines Quästors geboren und erhielt schon in jungen Jahren Ehrungen. So begleitete er Kaiser Augustus auf dessen Orientreise (22/19 v. Chr.). Vermutlich war er während der Eroberung des Alpenraums im Jahre 15 v. Chr. Legat der später in Germanien mit ihm untergegangenen XIX. Legion. Er hatte weitere hohe Ämter inne (Konsul, Statthalter, Prokonsul). Durch Heirat war Varus mit Kaiser Augustus verwandt. Von 7 bis 9 n. Chr. war er „legatus Augusti pro praetore“ in Germanien. In dieser Rolle hatte er auch das Oberkommando über die fünf am Rhein stationierten Legionen. Er setzte den begonnenen Provinzialisierungsprozess beispielsweise durch die Errichtung von Kastellen fort, befriedete das Land, sprach Recht und ließ Steuern eintreiben. Es ist anzunehmen, dass insbesondere die römische Rechtsprechung sowie die Steuererhebung in Form von Naturalien bei den Germanen zunehmend Widerstand auslöste. Im Sommer des Jahres 9 n. Chr. zog Varus auf Veranlassung u. a. von Arminius mit drei Legionen – etwa 20.000 Mann – von Vetera (Xanten) entlang der Lippe zur Weser, um weiter östlich römische Präsenz zu zeigen. Auf dem Rückweg zum Rhein wurden die drei Legionen von germanischen Kämpfern unter der Führung von Arminius angegriffen. Die Schlacht endete nach drei- bis viertägigen Kämpfen mit der weitgehenden Vernichtung aller drei Legionen. Varus selbst nahm sich am Ende mitsamt seiner nächsten Offiziere auf dem Schlachtfeld das Leben. Als Augustus von der Niederlage des Varus in Germanien erfuhr, soll er ausgerufen haben: „Quintili Vare, legiones redde!“ („Quintilius Varus, gib die Legionen zurück!“) – Von der Wissenschaft wird aufgrund von Funden mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen, dass die Varusschlacht bei Kalkriese stattgefunden hat. Die Funde (Münzen, Waffen, Rüstungsstücke, Knochen u. a.) werden dort in einem Museum auf dem vermuteten Schlachtfeld aufbewahrt.

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