Ukraine und Dorsten (II)

Helfer aus Wulfen retteten Dasha (20) und Misha (9) aus dem Kriegsgebiet

Carsten Heinrich (l.) hatte die Geschwister in Empfang genommen; Foto: G. Bludau

Mit neun Kriegsflüchtlingen ist „Wulfen hilft“ nach Dorsten zurückgekehrt. Unter ihnen: Dasha (20) und ihr kleiner Bruder Misha (9). Ihre Rettung gelang in einer „Nacht- und Nebel-Aktion“. An die polnisch-ukrainische Grenzen fahren, die viele Spenden abliefern und wieder zurück in die Heimat kommen – das war der Plan des Hilfskonvois von „Wulfen hilft“ Anfang März 2022 gewesen. Doch dann kam einiges ganz anders. Nach einer Übernachtung in Kattowitz erreichte der Hilfskonvoi die polnisch-ukrainische Grenze. „Es gab so viele Spenden, sodass wir zu einem alten Güterbahnhof gelotst wurden“, berichtet Fahrer und Mit-Organisator Carsten Heinrich. Mit einem Sonderzug wurden die Spenden aus Wulfen schließlich am Wochenende in die Ukraine gebracht.

Kurz hinter der Grenze die ukrainischen Flüchtlinge empfangen

Es war reiner Zufall, dass Carsten Heinrich und seine Mitstreiter auf dem Hinweg über private Kontakte vom Schicksal von Dasha (20) und Misha (9) erfuhren. Über einen Messenger-Dienst kamen sie schließlich in Kontakt mit den beiden Geschwistern, die sich ohne Eltern auf den Weg gemacht hatten ins Grenzgebiet zur EU. Es war spät abends, als Carsten Heinrich kurz hinter der ukrainischen Grenze auf polnischem Hoheitsgebiet die Geschwister nach den üblichen Einreiseformalitäten in Empfang nahm.
„Dass ein Kind und eine Jugendliche in einem fremden Land mit einem fremden Mann mitgehen, der ihre Sprache nicht spricht, und sich ihm anvertrauen, ist eigentlich nicht fassbar“, sagt Carsten Heinrich. „Aber so war es. Sie sind mit einem kleinen Koffer zu uns ins Auto gestiegen. Die beiden hatten sonst nichts dabei.“
Die Eltern von Dasha und Misha leben in der Nähe von Charkow in der Ukraine, zusammen mit den Großeltern. Der Vater (48) darf das Land nicht verlassen, die Mutter wollte bei ihm bleiben. Also machten sich die beiden am 24. Februar alleine auf den Weg und kamen mit Wulfener Hilfe nach drei Wochen und mit sieben weiteren Kriegsflüchtlingen in Deutschland an. Nach der langen Fahrt wurde die gesamte Truppe am Montagnachmittag (14. März) in Wulfen herzlich willkommen geheißen. Zunächst ging es gemeinsam in die warmen Räumlichkeiten des Brauturms, wo sie reichlich zu essen und zu trinken bekamen. Nach einer kurzen Pause ging es dann für die Geflüchteten zu ihren Verwandten oder ihren Gastfamilien. Dasha und Misha wurden von einer Tante abgeholt, die eine Woche zuvor aus der Ukraine geflohen war und bei Verwandten in Essen unterkam. Für sie ist es jetzt erst einmal wichtig, sich auszuruhen und anzukommen. Dann wird sich um die ordnungsgemäße Registrierung gekümmert. Carsten Heinrich und seine Mitstreiter sind überglücklich, dass sie neun Menschen ganz unbürokratisch mit in die Freiheit nehmen konnten.

Siehe auch: Ukraine und Dorsten (Artikelübersicht)


Quelle: Guido Bludau „Helfer aus Wulfen retteten Dasha (20) und Misha (9) aus dem Kriegsgebiet“, entnommen der DZ vom 16. März 2022.

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