Sternsinger

Kath. Dreikönigssingen: Hilfsaktion von Kindern für Kinder in der Welt

Die kleinen Sternsinger-Könige

Die kleinen Sternsinger-Könige

Die Sternsinger-Aktion Anfang Januar eines jeden Jahres wird auch „Dreikönigssingen“ genannt, ist mittlerweile urheberrechtlich geschützt und weltweit die größte organisierte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Traditionell werden die Sternsinger auch vom Bundespräsidenten im Schloss Bellevue, von der Bundeskanzlerin im Bundeskanzleramt und von weiteren Mitgliedern der Bundesregierung in ihren Ministerien empfangen. Im Jahr 2004 wurden die „Sternsinger“ mit dem „Westfälischen Friedenspreis“ ausgezeichnet.

Der Tag „Heilige drei Könige“ – 6. Januar – ist auch in Dorsten Anlass für hunderte von Kindern, sich in Gruppen auf den Weg zu machen, Geld zu ersingen und Segen zu spenden. Verkleidet als die heiligen drei Könige mit Gefolge und mit dem Papp-Stern von Bethlehem in Händen gehen sie von Tür zu Tür, um zu singen, Segen zu sprechen und mit einer Spendenbüchse zu klappern. 600 Kinder mit 250 Begleitern sammelten 2016 für die landesweite Dreikönigssing-Aktion der katholischen Kirche „Respekt für dich, für mich, für andere!“ Geld. Beteiligt waren die Kinder der Gemeinen St. Agatha, St. Paulus (Dorf Hervest), Herz-Jesu (Deuten). St. Marien (Hervest), St. Bonifatius (Holsterhausen, St. Josef (Hervest), St. Barbara (Wulfen-Barkenberg), St. Laurentius (Lembeck), St. Matthäus (Wulfen) und St. Urbanus (Rhade) unterwegs. Sie sammelten zusammen 84.500 Euro. Die Tendenz ist steigend. Beispielsweide waren es 2010 noch 70.573 Euro.
Die einzelnen Spendenergebnisse aus den Gemeinden: St. Agatha: 10.225 Euro, Heilig Kreuz Altendorf-Ulfkotte: 4329,26 Euro, St. Johannes Feldmark: 3478,29 Euro, St. Nikolaus Hardt: 9066,17 Euro, St. Antonius Holsterhausen: 7780,38 Euro, St. Bonifatius Holsterhausen: 7243,41 Euro, St. Josef Hervest: 4570 Euro, St. Marien Hervest: 3663,40 Euro, St. Paulus Dorf-Hervest: 4357,65 Euro. Herz-Jesu Deuten: 2200 Euro, St. Barbara Wulfen-Barkenberg: 4650 Euro, St. Matthäus Wulfen: 7477,55 Euro, St. Laurentius Lembeck: 7625,23 Euro, St. Urbanus Rhade: 7700 Euro.
2017 sammelten 500 Kinder mit über 250 Begleitern in den Dorstener Haushalten fast 83.000 Euro. Die Kinder der Gemeinde St. Matthäus (Wulfen) sammelten 7866 Euro. In St. Antonius (Holsterhausen) wurden 6521 Euro gesammelt, in St. Urbanus (Rhade) 8900 Euro, in St. Josef (Hervest) 3928 Euro, in St. Marien (Hervest) 2354 Euro, in Heilig Kreuz (Altendorf-Ulfkotte) 4005 Euro, in St. Agatha (Altstadt) 10.400 Euro, in St. Johannes (Feldmark) 3870 Euro, in St. Bonifatius (Holsterhausen) 6682 Euro, in St. Laurentius (Lembeck) 7613 Euro, in St. Paulus (Dorf Hervest) 4338 Euro, in Herz Jesu (Deuten) 2408 Euro und in St. Barbara (Wulfen-Barkenberg) 3863 Euro. MIt dem gesammelten Geld wurden Projekte in der kenianischen Region Turkana (Afrika) unterstützt.

Geschichte des Brauchtums mit mehrmals veränderten Deutungen

Das Sternsingen geht auf die Erwähnung der Weisen oder Sterndeuter in Mt 2,1 zurück. Im sechsten Jahrhundert wurden auf Grund ihrer drei Gaben Gold, Weihrauch und Myrrhe (Mt 2,11) drei Personen vermutet. Aus den Sterndeutern wurden im achten Jahrhundert unter Bezug auf Jes. 60,3 und Ps 72,10 Könige mit den Namen Caspar, Melchior und Balthasar gemacht. Die Ursprünge des Sternsingens liegen vermutlich in örtlich verschiedentlich aufgeführten Dreikönigsspielen. Der Brauch des Sternsingens entwickelte sich unterschiedlich im Norden und Süden Europas.

Sternsinger, Holzstich Nürnberg 17. Jh.

Sternsinger, Holzstich Nürnberg 17. Jh.

Im Norden verloren mit dem Beginn des Protestantismus die Klosterschulen ihr Einkommen, da die Regierungen klösterliches Land und Güter an sich nahmen. Die Klosterschüler nutzten in der Not die Gelegenheit, mittels Sternsingen Spenden zu sammeln. Daher wurde in den folgenden Jahrhunderten das Sternsingen in Nordeuropa vorrangig von Klosterschülern betrieben. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde es zunehmend als Form von Bettelei von den Behörden verboten und der Brauch starb vielerorts nahezu aus. In der Mitte Europas ist das Sternsingen ein traditioneller katholischer Brauch. Ein erstes Sternsingen ist 1541 in Salzburg nachgewiesen. Besonders nach 1560 verbreitete sich das Sternsingen in Deutschland und verband sich dabei mit dem zu dieser Zeit gebräuchlichen Ansingen beim Fest der Heiligen Drei Könige durch Schülerchöre. Gebietsweise war das Sternsingen nur bestimmten Berufsgruppen erlaubt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gibt es in Deutschland, Österreich und Belgien zentral gesteuerte Sternsinger-Aktionen. Gesammelt wird meist für Entwicklungshilfeprojekte, die weltweit Kindern in Not helfen.

Sternsinger 20161003_Sternsinger_GoDi_23-640x360

C-M-B: früher als Bann verstanden, heute als Segensspruch

Wer beim Geldsammeln gespendet hat, bekam mit Kreide den Segen der Sternsinger an die Tür gemalt. 2016 in Deutschland mit der empfohlenen Schreibweise „20*C+M+B+16“. Sie hat die Bedeutung: ein Stern für den Stern von Bethlehem und die drei Kreuze für den Dreifaltigen Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die Bedeutung der Buchstaben C, M und B wird offiziell spätestens seit den 1950er-Jahren als Abkürzung der lateinischen Worte „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“) gedeutet. Früher als Bannmittel, heute als Segensbitte verstanden, soll es den Segen Gottes auf das Haus und seine Bewohner herabrufen und sie vor Unglück schützen. In älteren volkskundlichen Abhandlungen herrscht die Deutung der Buchstaben als Initialen der drei Könige vor. Dies wird auch dadurch erhärtet, dass in manchen Regionen die Schreibweise „K+M+B“ üblich war und ist. Bei Verwendung dieser Schreibweise wird das „K“ heute als Abkürzung für das griechische Wort für „Herr“ (Kyrios) interpretiert („Kyrios mansionem benedicat“).

An der ersten Sternsinger-Aktion 1959 beteiligten sich Sternsinger in 100 Pfarrgemeinden und sammelten 90.000 Mark. Seit 1961 beteiligt sich der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) an der Aktion, die seitdem vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und vom BDKJ gemeinsam getragen wird.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone