Stadtjubiläen

1951 feierten die Dorstener noch in Ruinen und aufgebauten Kulissen

Das 650. Stadtjubiläum im Juni/Juli 1901 verbanden die Schützen mit ihrem Schützenfest. Als Ausrichter des Stadtjubiläums bewarb sich der Verein für Orts- und Heimatkunde, der es aus Zeitgründen nicht schaffte, alle Vorbereitungen rechtzeitig zu treffen, so dass das Jubiläum erst im Januar 1902 stattfand. Festvorträge mit heimatkundlichen Rückbesinnungen und Gedichten sowie Veröffentlichungen in der „Vestischen Zeitschrift“ bestimmten das Programm der Jubiläumsfeier. Gerade den Notjahren nach dem Ersten Weltkrieg und der belgischen Besatzung entkommen, gedachte 1926 die „Dorstener Zeitung“ am 675. Jubiläumstag mit einer Sonderbeilage der Stadtgeschichte und die Stadt brachte eine Notgeld-Serie mit Motiven aus der Vergangenheit heraus.

Umzug zum Stadtjubiläum 1951

Festumzug zum Stadtjubiläum „700 Jahre Dorsten“ 1951; Kulisse des nachgebauten Essener Tors

Jubiläumsfestlichkeiten kosteten nur rd. 15.000 Mark

Zum 700. Stadtjubiläum 1951 veranstalteten die Dorstener in den Ruinen und der erst halb wieder aufgebauten Stadt eine zehntägige Festwoche mit Umzug, Festvorträgen und Konzert, einem Treffen von Gesangsvereinen, einer Modeschau und einer Kreis-Pferdeleistungsschau. Die Stadt veröffentlichte das Buch „700 Jahre Dorsten“. Zudem wurde eine Erinnerungsmünze (4 g) aus 986 Feingold geprägt, die für 39,50 DM verkauft wurde.
Für die gesamten Feierlichkeiten dieses ersten Stadtjubiläums nach dem Krieg waren im Haushalt der Stadt 28.500 DM vorgesehen. Davon wurde allerdings nur die Hälfte benötigt, nämlich genau 14.992,83 DM. Zu diesem günstigen Rechnungsabschluss trug der Verkehrsverein bei. Denn er erwirtschaftete während des Festes einen Überschuss von 6.330 DM, der an die Stadt abgeführt wurde. Um die Verwendung dieses Betrages gab es in der Ratssitzung vom Oktober 1951 eine Auseinandersetzung zwischen den Politikern. Stadtverordneter Norres (CDU) regte an, den Betrag als Darlehn der Kirche für den Wiederaufbau des Kirchturms zu verwenden. Stadtverordneter Maus (CDU) unterstützte seinen Parteikollegen Norres und meinte, wenn der Turm jetzt nicht gebaut werde, werde er nie gebaut. Im Namen des Verkehrsvereins betonte er aber auch, dass der Verkehrsverein für zukünftige Aufgaben das Geld irgendwann selbst benötigte. Stadtverordneter Orzelski (SPD) zeigte sich mit dem Kredit an den Kirchbauverein ebenfalls einverstanden, wenn der Verkehrsverein weitere ausstehende 1.500 DM an die Stadt abgeführt hätte. Nachdem Stadtverordneter de Bayer (KPD) das Geld lieber in den sozialen Wohnungsbau gesteckt hätte und Stadtverordneter Monhoff (Zentrum) den Antrag von Norres unterstützte, wurde die Angelegenheit dem Finanzausschuss zur Entscheidung überwiesen. Dieser entschied sich für den Turmbau der Stadtkirche.

Sonderbeilagen der beiden Tageszeitungen

1976 brachten zum 725. Stadtjubiläum die beiden lokalen Zeitungen Sonderbeilagen zur Geschichte der Stadt heraus. Ein Umzug, Vorträge, Fußballspiele, Musikaufführungen, Ausstellungen bestimmten das Festprogramm. Die Stadt gab das Buch „Dorsten“ heraus und die Kreissparkasse Gedenkmünzen in Gold und Silber. Den Festvortrag zur Eröffnung der Jubiläumswoche hielt Dr. Schuknecht zum Thema „Szenen aus der Stadtgeschichte“.
2001 feierte Dorsten unter dem Motto „Dorsten – 750 Jahre jung“ das Stadtjubiläum. Auftakt war ein Festvortrag zum Thema Ehrenamt und Bürgersinn. Zum Stadtfest waren auch Vertreter aller acht Partnerstädte eingeladen. Das vielfältige Programm verteilte sich bis Jahresende. Neben einer mit 200.000 DM von Firmen finanzierten „TheaterZeitReise“ durch die Geschichte der Stadt und einem Spiegelzelt-Festival wurden Vorträge zur Lokal- und Regionalgeschichte gehalten, Schüler des Schiffbauerkollegs Duisburg bauten eine Jolle und im Oktober kamen über 10.000 Schützen zum Westfälischen Schützentag nach Dorsten. Ein kleiner Hansetag sowie Musikveranstaltungen hiesiger und auswärtiger Orchester und Chöre und  der Westfalentag des Westfälischen Heimatbundes rundeten das Jubiläumsprogramm ab.

Anekdote: Der 2007 verstorbene frühere Stadtdirektor und Bürgermeister, Dr. Karl-Christian Zahn, der bekanntlich im Rat der europäischen Gemeinden und Regionen in Straßburg tätig war, erzählte gern sein Erlebnis, das er bei einem großen Treffen in Straßburg hatte, an dem auch nicht-europäische Bürgermeister teilnahmen. Dorstens Stadtdirektor schwärmte einem ausländischen Kollegen voller Stolz vor, dass seine Stadt schon über 700 Jahre alt sei. Als Zahn geendet hatte, antwortete sein Zuhörer trocken: „Meine Stadt ist 6.000 Jahre alt!“ Verdutzt nahm Dorstens Stadtdirektor zur Kenntnis, dass er den Bürgermeister von Jericho vor sich hatte (W. St.).

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