Spätaussiedler

Deutschstämmige Spätaussiedler suchten ein vermeintlich besseres Leben

Ankunft deutscher Spätaussiedler aus der Sowjetunion

Ankunft deutscher Spätaussiedler aus der Sowjetunion

Aussiedler heißen im offiziellen Sprachgebrauch seit dem 1. Januar 1993 Spätaussiedler. Sie sind Deutsche im Sinne des Grundgesetzes und Nachkommen von Menschen, die vor mehreren Generationen aus deutschen Ländern nach Osteuropa ausgewandert sind oder in den ehemaligen deutschen Ostgebieten lebten. Spätaussiedler verbanden und verbinden oft die Übersiedlung in die Heimat ihrer Eltern als eine Reise in ein besseres Leben. Das bleibt oft Illusion. 1988 stellte der damalige Sozialdezernent Dr. Backherms die Prognose aus, dass bis zum Jahr 1992 in Deutschland rund zwei Millionen Aussiedler, zu 90 Prozent aus der Sowjetunion bzw. den GUS-Staaten, zu erwarten seien, was für Nordrhein-Westfalen 240.000 Unterbringungen im Jahr bedeutete. Für Dorsten rechnete er mit jährlich rund 400 Zuweisungen. Eine vorsichtige Schätzung besagt, dass um das Jahr 2000 rund 2.500 Spätaussiedler in Dorsten lebten. Die Landesstelle in Unna-Massen wies Dorsten zwischen 1996 und 1999 genau 575 Spätaussiedler zu.

Wohnort-Zuweisungsgesetz

Mit dem Schlimmsten wurde gerechnet

Mit dem Schlimmsten wurde gerechnet

Da sie als Deutsche zählen, fehlen genaue statistische Zahlen vor dem Jahr 2000. Denn erst seit Mitte des Jahres 2000 gilt das „Wohnort-Zuweisungsgesetz“, das Neuankömmlinge für drei Jahre an einen Ort bindet. Finanzielle Starthilfe gab es für Spätaussiedler nur in den ersten sechs Monaten. Ledige Erwerbsfähige erhielten 227 DM in der Woche, Verheiratete 244 DM. Für Miete mussten sie beispielsweise im Übergangswohnheim an der Landwehr 17 DM pro Quadratmeter an die Stadt bezahlen. Rentner, die Ansprüche erworben hatten, bekamen 1.214 DM, ein Ehepaar, wo beide Ansprüche hatten, 1.943 DM. Nach sechs Monaten waren arbeitslose Aussiedler auf die Unterstützung des Sozialamtes angewiesen. Sechs Monate lang lief ein Sprachkurs für Aussiedler, denn Deutsch kannten die jüngeren Aussiedler kaum.

Ihre Ausbildungen in der Sowjetunion wurden in der Bundesrepublik selten anerkannt, weil beispielsweise die technischen Standards andere waren. Beispielsweise wurde die Ausbildung einer Ärztin in der Sowjetunion in Dorsten nicht anerkannt. Die Medizinerin arbeitete in einer Arztpraxis und sortierte Röntgenbilder und Krankenakten.

Viele von den Spätaussiedlern leben in den ersten Jahren hier völlig isoliert, haben oft nur Kontakte zu anderen Aussiedlern. Sie scheuen sich, ohne ausreichende Sprachkenntnisse Kontakte aufzunehmen. Damit beginnt der Teufelskreis. Wegen fehlender Deutschkenntnisse wird in der Muttersprache der Kontakt zur eigenen Gruppe gehalten, Isolation und Randgruppendasein sind die Folgen. Kinder und Jugendliche waren in der Regel am Ausreiseentschluss ihrer Eltern nicht beteiligt. Sie wurden aus ihrem vertrauten Umfeld herausgerissen, verloren ihre Freunde und ihre Heimat. Sich in Deutschland zurechtzufinden, dauert viele Jahre. Daher haben junge Spätaussiedler auch viele Probleme.

Definition: Nach dem Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge (Bundesvertriebenengesetz) von 1953 in der Fassung von 1971 gelten als Aussiedler alle Personen deutscher Staatsangehörigkeit oder Volkszugehörigkeit, die nach Abschluss der allgemeinen Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten oder Ländern Ost und Südosteuropas sowie aus China nach dem Zweiten Weltkrieg in die Bundesrepublik gekommen sind oder kommen. Sie besitzen von vorneherein die deutsche Staatsangehörigkeit. Dies gilt auch für Personen, die legal aus der DDR gekommen sind und Übersiedler genannt werden, und für DDR-Flüchtlinge. – Mit wachsendem Gefälle des Lebensstandards und Liberalisierung der Auswanderungsbestimmungen in den einstigen Heimatländern schwoll die Welle von Aussiedlern an (1994: 220.000) und führte zu Kontroversen über die Bevorzugung von Deutschstämmigen, die oft seit vielen Generationen z. B. in Russland oder Rumänien gelebt haben, vor Bewerbern um Asyl, denen bei Abschiebung Elend und Tod durch Not und/oder Verfolgung droht.


Siehe auch:
Aussiedler

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