Paul-Spiegel-Berufskolleg

Unterricht an der gewerblichen Sonntagsschule gab es ab 1830

Berufliche Schulen 2010; Foto: Wolf Stegemann

Berufliche Schulen 2011; Foto: Wolf Stegemann

Die Beruflichen Schulen haben in Dorsten eine lange Tradition, die mit der gewerblichen Sonntagschule 1830 begann (bis 1870). Mit ihr sollte das berufliche Können der Handwerker befördert werden. Demzufolge hieß die Schule auch Handwerkersonntagsschule, die mit 40 Schülern aus 20 Berufen (Schiffbauer, Schreiner, Strumpfweber, Seilspinner u. a.) im Gebäude des Gymnasium Petrinum in der Klosterstraße eröffnet wurde. Gelehrt wurde Rechnen, gewerbliche Geschäftskunde, Religion, Deutsch im Schriftverkehr und Fachzeichnen. Die Anzahl der Schüler schwankte ständig: 1837: 22, 1854: 108, 1884: 23. Es dürften in diesen Erfassungsräumen kaum die Hälfte der jungen Handwerker die Schule besucht haben, was zum Teil auch auf die damalige Schulorganisation der beruflichen Zuordnung zurückzuführen ist. Außerdem zeigten übergeordnete preußische Schuldienststellen kaum Interesse an dieser Schulform.

Von der Handwerkersonntagsschule zur Fortbildungsschule

B-Berufliche Schuilen-150 Jahre Festschrift 19801887 wandelte die Stadt die Handwerkersonntagsschule in eine gewerbliche Fortbildungsschule mit Ortsstatut um. Da noch andere Fächer hinzukamen, reichte ein Schultag in der Woche nicht aus. Die Schüler mussten auch abends am Unterricht teilnehmen. 1902 zog die Schule von der Klosterstraße in das Gebäude des Gymnasium Petrinum an der Bochumer Straße und belegte auch Räume der Agathaschule am Kirchplatz sowie der „Frauenschule“ der Ursulinen. 1913/14 erreichte sie mit 211 Schülern den höchsten Stand bis zur neuerlichen Umwandlung 1920 von der Fortbildungsschule zur Dorstener Berufsschule, die 1935 mit den bereits 1928 zusammengelegten Berufsschulen von Hervest und Holsterhausen verbunden wurde. Die Regierung führte eine dreijährige Berufsschulpflicht für alle Jugendlichen unter 18 Jahren ein, die ab 1938 das Reichsschulpflichtgesetz regelte. Im gleichen Jahr zog die Schule in das Gebäude der Marienschule.

Bis 1954 hatte die Berufsschule dort fünf Klassenräume, die landwirtschaftlichen Schüler blieben in den Schulen ihrer Landgemeinden; die 81 Klassen der mittlerweile 2.240 Berufsschüler waren in verschiedenen Schulen untergebracht. Im gleichen Jahr wurde aus der Berufsschule eine berufliche Gesamtschule mit verschiedenen Schulformen und ständigen Veränderungen, die bis in die 1990er-Jahre hinein reichten. Auch erfuhren die Beruflichen Schulen in der Nähe des Gemeindedreiecks ab 1960 ständige bauliche Erweiterungen. 1960 wurde auch eine Handelsschule eingerichtet. Seit Anfang der 1990er-Jahre ist der Kreis Recklinghausen Schulträger.

Landwirtschaftsschule seit 1922 in Dorsten

Die für die Ausbildung des bäuerlichen Nachwuchses wichtigste Schulart war die Landwirtschaftsschule, verbunden mit einer Wirtschaftsberatungsstelle. In der Regel verfügt jeder Kreis über eine Landwirtschaftsschule. Da sich das Vest Recklinghausen über eine sehr große landwirtschaftliche Nutzfläche erstreckt (etwa 40.000 Hektar), entstand neben der bereits 1896 in Horneburg eingerichteten Landwirtschaftsschule 1922 eine solche Einrichtung in Dorsten. Die Schule fiel 1944  einem Bombenangriff zum Opfer und war daher in der Wirtschaft Kremerskothen in Ulfkotte untergebracht gewesen, bis sie nach Wiedererrichtung des Gebäudes ihren Betrieb an der Bochumer Straße wieder aufnehmen konnte.

In Berufskollegs unterrichten im Kreis 800 Lehrer derzeit 18.400 Schüler

Der Schulentwicklungsplan des Kreises Recklinghausen 2016 bis 2021 für Berufskollegs sieht für alle acht Schulen des Kreises eine Standortgarantie vor. Neben dem „Paul-Spiegel-Berufskolleg“ in Dorsten mit 1660 Schülern (2015/16), gibt es je Stadt Kollegs in Datteln, Castrop-Rauxel, Haltern und in Recklinghausen drei Kollegs. Insgesamt werden die Schulen von 18.400 Schülern besucht. 2021 werden  es voraussichtlich nur noch 16.760 sein. An allen Standorten werden 880 Klassen in 595 Klassenräumen, PC-Räumen, Werkstätten, Fachräume und Labore von 800 Lehrkräften unterrichtet.


Quelle:
Festschrift „150 Jahre Berufliche Schulen der Stadt Dorsten“, Dorsten 1980.

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