Müll

Illegale Entsorgung hat Hochkonjunktur - Müllsünden und ihre Kosten

Die Müllgebühren in Dorsten liegen, wie im ganzen Kreis Recklinghausen, unter dem Landesdurchschnitt und an dritthöchster Stelle im Kreis Recklinghausen. In den kreisangehörigen Städten gibt es große Gebühren-Unterschiede. Ein Vergleich allerdings muss immer unter den Gesichtspunkten der unterschiedlichen Serviceleistungen in den Städten betrachtet werden. Der Bund der Steuerzahler hat Mitte 2014 einen Vergleich aufgestellt, der für einen Musterhaushalt mit Restmüll- und Biotonne – jeweils 120 Liter – bei 14-tägiger Leerung berechnet ist: Herten 297 Euro, Waltrop 262,64 Euro, in Dorsten waren es noch 250 Euro, Oer-Erkenschwick 242,52 Euro, Castrop-Rauxel 208,80 Euro, Recklinghausen 191 Euro, Datteln 184,48 Euro, Mal 184,13 Euro, Gladbeck 152,83 Euro, Haltern 184,13 Euro. Der Landesdurchschnitt NRW liegt bei 261,08 Euro. Die Müllgebühren stiegen 2015 um 6,2 Prozent oder 8,50 Euro pro Tonne. Von 2008 bis 2011 sank sogar der Preis. Seitdem der Kreis dem Abfallwirtschaftsverband EKO City 2011 beigetreten ist, steigt der Preis unaufhörlich. Die Müllmenge sinkt, dennoch steigt der Preis! Ein fatales Signal!

Müllgebühren 2016 im Vergleich der Städte im Kreis Recklinghausen

Gesehen in Dorsten-Rhade

Gesehen in Dorsten-Rhade

Die Müllgebühren der Städte im Kreis Recklinghausen sind höchst unterschiedlich hoch und die Gebührenstruktur undurchsichtig. Zu diesem Schluss kam Michael Wallkötter von der DZ-Kreisredaktion, der im August 2016 einen Vergleich zog. Zugrunde gelegt sind eine 120-Liter-Tonne Restmüll und eine 120-Liter-Tonne Bioabfall in 14-tägiger Leerung. Der NRW-Durchschnitt für diese Tonnen liegt bei 260 Euro. Herten, Waltrop und Dorsten liegen über diesem Durchschnitt. Herten liegt mit 312 Euro ganz oben, gefolgt von Waltrop mit 287,64 Euro und an dritter Stelle Dorsten mit 270 Euro. Danach: Oer-Erkenschwick mit 228,24 Euro, Castrop-Rauxel mit 222 Euro, Recklinghausen mit 210,40 Euro, Marl mit 199,32 Euro, Datteln mit 195,72, Halten  mit 189,70 Euro und am preisgünstigsten Gladbeck mit 175,96 Euro. In Herten und Castrop-Rauxel holen die Müllmänner bzw. Müllfrauen die Tonnen auch vom Grundstück, in den anderen Städten müssen sie an die Straße gestellt werden. Als einzige Stadt har Oer-Erkenschwick die Müllgebühren von 2015 auf 2016 um 20,04 Euro gesenkt (die Bürger erhalten ein 2015 erwirtschaftetes Gebührenplus zurück), in Haltern, Waltrop und Castrop-Rauxel sind sie gleich geblieben. Erhöht wurden sie in Gladbeck um 12,34 Euro, in Datteln um 11,24 Euro, in Marl um 10,73 Euro, in Recklinghausen um 6,80 Euro, in Dorsten um 4,80 Euro und in Herten um 2 Euro. – Bei den Gebührenkosten spielt auch die Einwohnerdichte eine Rolle. In Dorsten haben die Müllwagen wegen der inhomogenen Stadtstruktur weite Fahrzeiten, ebenso in Haltern. Dennoch liegen die Müllgebühren im Haltern um fast ein Drittel unter denen von Dorsten.

Wer einen Kaugummi ausspuckt, müsste 15 Euro zahlen – sehr theoretisch

Wer Müll in Wäldern, auf Parkplätzen und sonstwie illegal entsorgt, wird mit einem Ordnungsgeld zur Kasse gebeten. Das Ordnungsamt „bestraft“ aber auch kleine Müllsünden. Die Kosten betragen für wildes Plakatieren 35 Euro, für einen ausgeleerten Auto-Aschenbecher 30 Euro, für einen nicht angeleinten Hund sowie das Liegenlassen eines Hundehaufens jeweils 25 Euro, für das Wegwerfen von Flaschen, Dosen oder Kaugummi 15 Euro, das Wegwerfen von Essensresten, Pommestüten, Zigarettenkippen oder das Lagern in Anlagen 10 Euro, für das Wegwerfen von Verpackungen, Papier und Werbezettel oder Papiertaschentücher jeweils 5 Euro.

Die illegale Müllentsorgung hat bundesweit weiter Hochkonjunktur

Müll-Illegale-MuellentsorgungMüll, Müll, Müll – kommt es einem in den Sinn, schaut man in Dorsten und anderswo in Straßenecken, in Grünanlagen und vor allem in die Landschaft. Zwischen dem Grün von Wiesen, Bäumen und Sträuchern leuchten blaue Müllsäcke, Matratzen, bunte Textilien, ausrangierte  Kühlschränke, Staubsauger, Elektrokleingeräte, Öl- und Farbkanister, ausgediente Fernseher, Blech, Papier und Plastik, sogar Altreifen und Autowracks. Im Schutze der Dunkelheit oder bei Tageslicht illegal entsorgt von den Bürgern der Stadt oder irgendeiner anderen Stadt. Gemeint ist nicht achtlos Weggeworfenes, sondern das illegale und anonyme Zumüllen der Natur. Die Städte im Kreis Recklinghausen und darüber hinaus in Nordrhein-Westfalen und allen Bundesländern – zunehmend auch in den neuen – klagen laut darüber, dass es 2016 mehr Fundfälle illegalen Entsorgungsmülls in der Natur gegeben hat als in den Jahren zuvor. Mülldetektive, Müllfahnder oder – etwas spöttisch genannt – die „Müll-James-Bonds“ der Ordnungsämter versuchen, aus dem Müll erkennbare Hinweise auf Täter zu finden.

Aufklärungsquote der Müllsünder gering, die Entsorgungskosten hoch

Gesehen in Brandenburg

Gesehen in Brandenburg

Die Aufklärungsquote ist gering. Schätzungen liegen zwischen 3 und 10 Prozent. Die Geldbußen können bis zu 1000 Euro betragen. Allerdings sind beispielsweise der Stadt Dorsten bei der Fahndung nach Müll-Tätern seit Jahren durch die hohe Verschuldung Grenzen gesetzt, wie bereits 2010 eine Stellungnahme der Stadt zeigt: „Der Außendienst des Ordnungsamtes wurde im vergangenen Jahr (2009) bereits personell aufgestockt. Für die Einrichtung weiterer Stellen für diesen Bereich würde die Stadt nicht die Genehmigung der Kommunalaufsicht erhalten, da nicht der Nachweis zu führen ist, dass die zusätzlich anfallenden Personalkosten über zusätzlich Bußgeldeinnahmen gedeckt werden können.“ Verbleibt der Stadt dennoch die kostenintensive Entsorgung des illegalen Mülls zu Lasten der Steuerzahler. Es gibt ein Gefährdungspotential für den Waldboden, denn viele Wälder sind Trinkwasserspeicher. Schadstoffe kommen in den Umlauf und belasten das Grundwasser. Zum Beispiel bauen sich die Coffee-To-Go-Becher durch ihre Beschichtung kaum ab.
Durch die ausgedehnten Naturflächen zwischen den auseinandergezogenen Stadtteilen bieten die Flächen und Waldstücke ideale Müllablage-Orte für Umweltsünder. Ob das nun die Waldstücke zwischen Hervest-Dorsten und Wulfen sind, der Tüshausbusch oder abgelegene Parkplätze an Autobahnauffahrten, es bietet sich überall dasselbe vermüllte Bild, wie auch zwischen Dorsten und Marl. Immer wieder werden neue Müllkippen gesichtet und gesäubert. 2011 wurde in auf einem Barkenberg sogar ein abgewrackter Wohnanhänger entdeckt.

Entsorgung von abgemeldeten Fahrzeugen versteckt auf Parkplätzen

autowrack2472.5313356In den Monaten bis August 2016 beschäftigte das Dorstener Ordnungsamt bereits 80 ähnliche Fälle möglicher illegaler Fahrzeug-Entsorgung. Im ganzen Jahr zuvor waren es 109 Fälle abgemeldeter und ohne Nummernschilder irgendwo im öffentlichen Straßenraum „geparkter“.   Autos. Ist der Fahrzeughalter bekannt, wird er mit „Parkgebühren“ zur Kasse gebeten, wie die „Dorstener Zeitung“ berichtete: 22 Euro pro Monat im Außenbereich, 37 Euro in der Innenstadt. Muss das Auto abgeschleppt und von der Stadt entsorgt werden, kommen auf den Halter noch etliche hundert Euro Kosten und Gebühren hinzu – so er ermittelt werden kann.  Allerdings gibt es auch die Mutmaßung, dass sich Fahrzeughalter ihr abgemeldetes und abgestelltes Auto deshalb so „parken“, um sich dort mit Käufern treffen, um es auf diese Weise loszuwerden.

Wilde Müllkippen werden im Kreis ein immer größeres Problem

Müll wird in Dorsten und im Kreis immer häufiger einfach in der Natur entsorgt. Die Zahl der wilden Müllkippen ist letztes Jahr erneut gestiegen. In Recklinghausen zum Beispiel musste sich die Stadt um über 330 Fälle kümmern – fast 100 mehr als im Jahr davor. Alte Fernseher, Farbeimer, Bauschutt sind in Wäldern und an Wegesränder zu finden. Es wurde sogar der komplette Rumpf eines alten Segelbootes gefunden. Und der Trend setzt sich 2017 fort. Die Verursacher werden in den meisten Fällen nicht gefunden. Deshalb bezahlen die Bürger diese  Entsorgung über die Müllgebühren mit. Alleine die Stadt Herten hat letztes Jahr 330.000 Euro für die Beseitigung von wilden Müllkippen ausgegeben.

Stellungnahme der Verwaltung vom Juli 2010 zum Ordnungsdienst

Illegal entsorgter Sondermüll

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des City-Service haben aus rechtlichen Gründen keine Möglichkeiten, bei Verstößen gegen die ordnungsbehördliche Verordnung Bußgelder zu verhängen. Bei groben Verstößen informieren sie jedoch das städtische Ordnungsamt und stehen ggfls. als Zeugen zur Verfügung. Daneben gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Außendienstes des Ordnungsamtes Hinweisen auf wilde Müllkippen usw. ständig nach. Der Außendienst des Ordnungsamtes wurde im vergangenen Jahr bereits personell aufgestockt. Für die Einrichtung weiterer Stellen für diesen Bereich würde die Stadt nicht die Genehmigung der Kommunalaufsicht erhalten, da nicht der Nachweis zu führen ist, dass die zusätzlich anfallenden Personalkosten über zusätzlich Bußgeldeinnahmen gedeckt werden können.

2017: Ordnungsdienst soll in Dorsten für mehr Sauberkeit sorgen

In Dorsten sollen zwei neue Mitarbeiter für mehr Sicherheit und Sauberkeit in der Stadt sorgen. Im ersten Halbjahr 2017 sollen sie ihren Dienst beginnen und zum Beispiel darauf achten, dass auf öffentlichen Plätzen kein Müll herumliegt. Sie sollen auch Ansprechpartner für die Bürger sein und dafür sorgen, dass sich die Dorstener an unbeliebten Orten sicherer fühlen, unter anderem am Bahnhof. Andere Städte wie Recklinghausen haben bereits einen solchen kommunalen Ordnungsdienst eingerichtet.
An den Nordrhein-westfälischen Straßen und Rastplätzen liegen rund 6000 Tonnen illegal entsorgter Müll, der auf Kosten des Landesbetriebs Straßenbau NRW für knapp sieben Millionen Euro jährlich entsorgt werden muss. Um die Menge anschaulich zu machen: Rund 10.000 Tonnen Abfall landen jährlich in den Abfallbehältern. Durchschnittlich etwa 6.000 Tonnen, also mehr als die Hälfte des regulären Mülls, wird illegal an Straßen und Raststätten  in 80.000 Arbeitsstunden. Bis zu 15 Prozent des Unrats an Rast- und Parkplätzen wird laut Straßen-NRW dadurch verursacht, wenn Menschen den Mülleimer nicht treffen und dem Müll achtlos daneben liegen lassen oder ihn sogar dahin werfen.

Anekdotisches zum Thema Müll aus Dorsten

Über die Müllabfuhr lässt sich auch Anekdotisches berichten. Der längst verstorbene Dorstener Schmied- und Schlossermeister Gustav Haarmann schrieb in den 1960er-Jahren an die „Ruhr-Nachrichten“ einen Leserbrief, in dem er sich über die „Kübelmajore“, das sind die Männer der städtischen Müllabfuhr, wegen ihres lieblosen Umgangs mit den Mülleimern beschwerte. Ein großer Teil der Dorstener Müllgefäße hatte nämlich in der unteren Hälfte einen Knacks, was der Schmied- und Schlossermeister auf unsachgemäße Behandlung zurückführte. Seine Kritik löste damals einigen Wirbel aus, bis in die Amtsstuben des Rathauses hinein. Dem Leiter des Ordnungsamtes gab er zu bedenken, dass man so nicht mit fremdem Eigentum umgehen dürfe. Die „Kübelmajore“ nahmen Rache auf ihre Art, indem sie Haarmanns Kübel über die Hecke schmissen. Allerdings hatte sich Haarmann mit den Müllmännern bald wieder versöhnt. Sein Skatbruder Tönnessen indes verstärkte seinen Mülleimer durch sinnvolle Verstrebungen mit Stangen und Draht, um ihn so vor der Zerstörung zu bewahren, womit er zu beweisen glaubte, dass die „Kübelmajore“ nicht allein die Schuldigen an den kaputten Mülleimern sein mussten. Offenbar hatten die Mülleimer Konstruktionsfehler.

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