Marianische Bruderschaft

Hervester tranken im Namen der Muttergottes lieber Bier

Es gab in Hervest die Bruderschaft zur Verehrung der unbefleckten Empfängnis der seligsten Jungfrau Maria. Das Alter der Vereinigung ist nicht genau feststellbar. Doch wird in einer Urkunde aus dem Jahre 1409 eine Stiftung für den Altar „Unserer Lieben Frauen“ erwähnt, zu der später eine Bruderschaft gehörte. Diese soll 1471 als „Bruderschaft zu Ehren der unbefleckten Empfängnis“ gegründet worden sein.

Ablass der Bruderschaft

Ablass der Bruderschaft

Ein Bruderschaftsbüchlein von 1772 gibt an, dass die Marianische Bruderschaft „vor mehr als 300 Jahren von einer frommen Gemeinde angefangen und gestiftet worden war“, der Männer und Frauen angehörten. Die Stiftungsurkunde ist in den Wirren der Kriege, vermutlich während des Dreißigjährigen Krieges, verloren gegangen. Daher ist die Bruderschaft erst in einer Rentenverschreibung vom 17. Juli 1523 nachgewiesen; ebenso mit einer Anzahl Kaufbriefen aus den Jahren 1503 bis 1523, aus denen man die Namen der Pfarrer der Kirche St. Paul sowie die Bruderschaftsmeister und Präfekten ersieht. Aus dem Jahre 1511 wird als Kirchmeister und „Bewahrer unserer lieben Frau“ ein Bernd Schulte genannt, in einem Kaufbrief von 1526 ein ter Wode als „Vormünder unserer Lieben Frau“. 1522 waren Voßbeck und Wemhoff „Profisores“ (Brüdermeister).

Am Mariendienst unentwegt festhalten

In einer Rentenverschreibung von 1523 wird der Zweck der Bruderschaft genannt: „Behuf des Gelöchtes und der Zierung unserer lieben Frau.“ Die Mitglieder verpflichteten sich mit einem Gelübte als wahre Diener Marias deren Ehre zu wahren, zu mehren und zu schützen. Sie versprachen, mit Gold, Silber und „liegenden Güter“ die Marienverehrung zu fördern und an allen Marienfesten und Prozessionen eine große Wachskerze anzuzünden und den verstorbenen Mitgliedern je eine heilige Messe lesen zu lassen. Dieses Gelöbnis wurde jedes Jahr erneuert und dabei öffentlicher Zank und Streit unter den Mitgliedern öffentlich beigelegt sowie das Versprechen erneuert, am Mariendienst unentwegt festzuhalten. „Die unbefleckte Jungfrau gegen die Feinde zu schützen“, war nicht einziger Zweck der Bruderschaft, schrieb am 13. September 1929 die „Dorstener Volkszeitung“ ohne Quellenangabe.

„Sondern sie auch kindlich zu lieben und zu verehren, um ihren mütterlichen Schutz im Leben und im Tode zu erlangen. Um diese Liebe praktisch durchzuführen, verpflichteten sich die Mitglieder, die größte Sorgfalt darauf zu verwenden, um die schönen Beispiele im Leben Mariä nachzuahmen und andere zur Nachahmung zu ermundern…“

Papst erlaubte Ablässe für jeden Zweck und Anlass

Während des Dreißigjährigen Krieges erlosch das Interesse der Hervester an der unbefleckten Maria weitgehend. 1623 wurde die Bruderschaft aufgehoben und das Vermögen eingezogen, weil „die Upkünften und Intraden zum jährlichen Zech- und Gildebier und nicht zum Zwecke der Bruderschaft“ verwendet worden waren. Ein notarielles Dokument von 1631 besagt aber, dass in jenem Jahr Schulte Tenderich und Thies Brockhaus als Brüdermeister die aufgelöste Bruderschaft wiederbegründeten, dass sie „an der von ihren Vorfahren vor vielen urdenklichen Jahren begonnene Andacht zur hochwürdigsten Mutter Maria“ festhalten wollten, damit das junge Volk und die Kinder in Gottesfurcht und christlicher Andacht unterrichtet, erzogen und von Jugend auf gewöhnt werde. Rund 100 Jahre später, 1732, wurde die Marianische Bruderschaft in Hervest erneuert. Papst Clemens XII. verlieh der Bruderschaft 1737 eine große Reihe von Ablässen: So am Tage der Aufnahme in die Bruderschaft, am Todestag und am Hauptfest, dem Tag Mariä Geburt, einen vollkommenen Südenablass nach andächtigem Empfang der hl. Sakramente. Ferner große Ablässe an den Festen Ostern, Pfingsten, Maria Himmelfahrt und Weihnachten sowie bei jeder hl. Messe und Andacht in der Pfarrkirche in Hervest, bei den Bruderschaftsandachten und für jedes Werk der Barmherzigkeit. Pfarrer Konrad Joseph Freyssem erneuerte 1765 die Bruderschaft. Erst 1850 taucht der Name der Bruderschaft in einer Rezess-Urkunde auf und 1855 gestattet der Bischof von Münster das Mittragen des Muttergottesbildes in den üblichen Prozessionen. 1872 verkaufte die Bruderschaft Grundstücke an die Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft und  aus dem Jahre 1888 gibt es ein Hinweis, dass die Bruderschaft ihr Vermögen selbst verwaltet. 1908 wurden weitere Grundstücke an die Zeche veräußert. Das letzte schriftliche Zeugnis der Marianischen Bruderschaft Hervest stammt aus dem Jahre 1929, als die „Dorstener Volkszeitung“ über eine Marienprozession in Hervest berichtete. Danach ist sie aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden.

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