Laurentiusschule

Lembeck: Raumnot zwang dazu, stets neue Schulen zu bauen

Das letzte Gebäude der Laurentiusschule wurde 1968 eingeweiht. Da hatte Lembeck schon eine über 300 Jahre alte Schulgeschichte hinter sich, die nachweisbar 1612 mit einer Schule in einem Raum des Schlosses und 1776 im Dorf Lembeck begann, das zu jener Zeit rund 1.400 Einwohner hatte. Die Herrlichkeit war dem Amt Ahaus zugeordnet, das wiederum zum Hochstift Münster gehörte. Dem Generalvikariat unterstand die Schulbehörde. Das kleine Schulgebäude stand gleich neben der Kirche. Das Klassenzimmer hatte eine Größe von 42 qm und eine offene Feuerstelle in einem Kamin. In der rechten Haushälfte wohnte die Hebamme Bernemann. Im hinteren Teil des Schulgebäudes war ein Stall untergebracht. Das Fachwerkgebäude steht heute noch in der Schulstraße.

Früheres Schulleben

Früheres Schulleben

Kinder mussten Torf als Heizmaterial mitbringen

Bis 1780, als mit Josef Siewerding der erste Lehrer mit hauptamtlicher Ausbildung eingestellt wurde, hielt der Küster mit Unterstützung von Handwerkern den Unterricht für die damals 113 Schulkinder in seiner Wohnung neben der Kirche. Schulgeld wurde in Naturalien entrichtet: Korn, Kartoffeln, Gartenfrüchte. 1738 bekam Lembeck mit Caspar Langenhorst einen neuen Schulmeister. 1794 wollten die Lembecker eine neue Schule bauen. Ihnen fehlte aber das Geld. Daher wurde das Küsterhaus umgebaut, was der Gemeinde 66 Taler kostete. Die Hebamme bekam eine neue Wohnung. Für den großen Ofen inmitten des Schulraums mussten die Kinder im Winter Holz und Torf zum Heizen mitbringen. 1801 wurde eine Mädchenklasse gebildet und 1803 löste Bernhard Siewerding seinen Vater als Lehrer ab. Als 1815 Lembeck preußisch wurde, bestimmte die Regierung in Münster auf Vorschlag des Grafen Merveldt die Anstellung der Lehrpersonen. Auf  Drängen des Landpfarrers von Droste-Senden erfolgte 1820 der Neubau einer zweiklassigen Schule (für Knaben und Mädchen) mit zwei Lehrerwohnungen. Er kostete 1.949 Taler, 7 Groschen und 5 Pfennige. Für die Mädchenklasse wurde Anna Lindemann als Lehrerin eingestellt.

Nachfolgende Lehrer(innen) mussten Vorgänger die Pension zahlen

Die alte Laurentiusschule wurde 1927 Museum

Die alte Laurentiusschule wurde 1927 Museum

1831 führte die Schulverwaltung in preußischen Landgemeinden den so genannten Industrie-Unterricht ein: Mädchen mussten Stricken, Nähen und Stopfen lernen, Jungs wurden in Obstbaukultur, Seidenraupen- und Bienenzucht unterrichtet. Und im Winter lernten die Jungs neben Körbeflechten auch das Stricken. Im August 1834 reichte Lehrer Siewerding seine Pensionierung ein. Vier Lehrer, die sich auf die Stelle beworben hatten, zogen ihre Bewerbung wegen der schlechten Besoldung wieder zurück. Im Januar 1835 bewarb sich Carl Plagge, dem Graf Merveldt 24 Scheffel Roggen und sechs Scheffel Buchweizen persönlich anbot, wenn er die Stelle annehme. Er erhielt in einem Jahr 104 Taler Schulgeld: 48 Taler aus der Staatskasse und Naturalien für 20 Taler. An seinen Vorgänger sollte er 50 Taler Pension zahlen, von denen der Graf 25 übernahm. Im Jahre 1840 lebten in Lembeck 2.062 Katholiken und 20 Juden. Nach den regierungsamtlichen Schulverordnungen sollte ein Lehrer nur 100 Kinder unterrichten. Da es in Lembeck aber 154 Schüler und 140 Schülerinnen gab, reichte der Schulraum nicht mehr aus. Allerdings wollte man aus Geldgründen keine neue Schule bauen. Daher umging man das Gebot und richtete Nebenschulen ein. Eine beim Bauern Hecking in Wessendorf und eine weitere beim Bauern Büddeken in Strock. 1847 wanderten etliche schulpflichtige Kinder mit ihren Eltern nach Amerika aus. 1851 wurde die Lehrerin Lindemann in den Ruhestand versetzt. Ihre Nachfolgerin Anna Borgelt erhielt 120 Taler im Jahr und musste davon ihrer Vorgängerin 40 Taler Pension zahlen.

Neue Schulen in den Bauerschaften der Herrlichkeit Lembeck

Schule in Endeln 1912

Schule in Endeln 1912

Graf Merveldt wollte gegen Ende des Jahrhunderts den Schulneubau. Daher schenkte er der Gemeinde 500 Taler und hinterlegte 1.500 Taler für eine Lehrperson. Neben der Schule (heute Café Böhmer) sollte eine Vorschule für die ersten drei Jahrgänge gebaut werden. Gemeinsam für Jungen und Mädchen. Ein Schulbau auf dem Lande war damals aufgrund der schlechten Straße nicht einfach: Die Erdarbeiten wurden durch Hand- und Spanndienste ausgeführt, ebenso die Anlieferungen von Materialien. 1891 erfolgte die Einweihung. Zur weiteren Entlastung der Dorfschule errichtete man in Wessendorf eine weitere einklassige Schule. 19 Kinder dortige Kinder gingen nämlich nach Klein Reken zur Schule, für die die Gemeinde Lembeck Schulgeld bezahlen musste. Die Wessendorfer Schule feierte ihre Einweihung im Jahre 1906. In Endeln wurde 1911 eine weitere Schule gebaut. Von Endeln gingen damals 21 Kinder zur Rhader Schule.

Neubau 1927 in Lembeck feierlich eingeweiht

Das Schulgebäude in Lembeck aus dem Jahre 1820 war veraltet. Die Planungen für einen Schulneubau mussten wegen des Ersten Weltkriegs verschoben werden. Daher beschloss der  Gemeinderat erst 1923 den Neubau nördlich der Dorfstraße, heute Schulstraße. Die Planung sah eine vierklassige Schule und einen Handarbeitsraum vor, dazu ein Wohnhaus mit zwei Lehrerwohnungen und einen Anbau für den Hausmeister. Zur Finanzierung sollte ein Kredit in Höhe von 100.000.000 Mark (Inflationszeit) aufgenommen werden. Alle Pferde wurden registriert, mit denen man die Natursteine aus der Hohen Mark geholt werden sollten. Allerdings wurde daraus nichts. Erst zwei Jahre später entschloss sich der Gemeinderat zum Bau und griff auf die alten Planungen zurück. Am 13. Dezember 1927 konnte die neue Lembecker Laurentiusschule feierlich eröffnet werden.

Laurentiusschule, mittlerer Teil 1968 eingeweiht

Laurentiusschule, mittlerer Teil 1968 eingeweiht

Als 2006 eine Hauptschule im Dorstener Norden geschlossen werden sollte, votierte die Politik mehrheitlich für den Erhalt der Lembecker Laurentius- und gegen die Wulfener Matthäus-Schule. Doch auch hohe Investitionen in Gebäudetechnik und Pausenhof (rund eine Million Euro) konnten die Schule letztlich doch nicht retten. Die Schule soll spätestens zum Ende des Schuljahres 2015/16 aufgelöst werden. Kinder, die die Schule dann noch besuchen, sollen nach Holsterhausen zur Bonhoefferschule oder auf die Hardt zur Geschwister-Scholl-Schule wechseln.

2014 wurde der Schulbetrieb nach über 80 Jahren beendet

Lehrerkollegium 1967

Lehrerkollegium 1967

Da die Laurentiusschule ab 2014 mit kaum mehr als 55 Schülern an den Start gegangen wäre, hätte die Bezirksregierung nicht genügend Lehrer zuweisen dürfen, um die nötige Unterrichts-Standards gewährleisten zu können. Viele Eltern hatten angesichts des drohenden Endes der Schule ihre Kinder schon jetzt an Hauptschulen in Raesfeld, Reken oder Haltern angemeldet. Die Schule hatte gerade noch 37 Schüler der beiden 10. Klassen. Sie waren die letzten, die an der Laurentiusschule ihren Abschluss machten. Die 40 Schüler der beiden 9. Klassen wechselten auf andere Schulen. Etliche Lembecker wollen die Laurentiusschule als Gebäude erhalten. Seit Ende 2014 sind Bestrebungen in Gang, einen Trägerverein  zu gründen, der das Gebäude verwaltet und für Nutzung sorgt (Sportvereine, Bücherei, Unternehmen). Seit Ende 2015 wird die leergezogene Schule als Notunterkunft des Landes für Flüchtlinge (200 Plätze) genutzt und soll mangels Flüchtlingszuweisungen zum 30. Juni 2016 wieder geschlossen werden. Mit ihr werden 20 von 47 Einrichtungen im Regierungsbezirk geschlossen. Von Januar bis Mitte April 2016 waren lediglich 77 Flüchtlinge Dorsten zugewiesen worden.

Das gesamte Grundstück hat eine Größe von 6.163 Quadratmetern, das Gebäude eine Nutzfläche von 4.247 Quadratmetern (Altbau 615 qm, Gebäudeteil Klassentrakt 2.043 am, Verwaltunsgebäude 1.589 qm). Das Foto zeigt das Lehrerkollegium im Jahr 1967; jeweils von links: Hans Scherf, Erich Wolf, Heinz Ressmann, vorne: Luzie Elvermann, Luzie Gramse, Christine Stockhoff (der Lembecker).

Don-Bosco-Grundschule 1970 eröffnet

In den 1960er Jahren stellte sich an der Laurentiusschule wieder eine große Raumnot ein. An der Schulstraße entstand ein neues Gebäude mit zehn Klassen, eingeweiht am 20. Dezember 1968. Eine weitere Baumaßnahme an der Laurentiusschule begann im September 1984. Am 26. Oktober 1970 bezog die Grundschule in Lembeck ihr eigenes Gebäude in Fertigbauweise. Sie erhielt den Namen „Don-Bosco-Schule“. Sie wurde im Laufe der Zeit zu klein und an den Gebäuden zeigten sich gravierende Mängel, die einen Neubau erforderlich machten, der 1987 eingeweiht werden konnte.


Quelle:
Gekürzt nach Ewald Setzer „Raumnot erweist sich als ein uraltes Thema“ in WAZ vom 6. November 2002.

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