Insolvenz-Risiken 2022

Creditreform: Im Kreis Recklinghausen höher als im gesamten Ruhrgebiet

Die aktuellen Daten von Creditreform liegen vor. Die Zahl der Insolvenzen und damit auch das Pleiterisiko sind im Ruhrgebiet besonders hoch. Noch schlechter sieht es im Kreis Recklinghausen aus. Im Jahr 2021 gab es im Kreis 13.270 Firmen, von denen 202 in die Pleite rutschten – das macht eine Ausfallrate von 1,52 Prozent. So lauten die Zahlen in der aktuellen Analyse des Regionenchecks, den die Wirtschaftsauskunftei Creditreform veröffentlicht hat. Immerhin: Das Pleiterisiko ist deutlich zurückgegangen. Denn im Jahr 2019 habe es noch bei 2,08 Prozent gelegen. Im Zuge der Corona-Pandemie hätten staatliche Eingriffe und massive Finanzhilfen die Wirtschaft gestützt. Deshalb rechnet der Inkassodienstleister für 2022 auch wieder mit stark steigenden Zahlen, die fast das Niveau aus 2019 erreichen könnten. Allerdings sind die Pleiterisiken von Branche zu Branche unterschiedlich. Aber auch im gesamten Ruhrgebiet ist das Pleiterisiko deutlich höher als in anderen Landesteilen und nochmals höher als in anderen Bundesländern. Der Kreis Recklinghausen steht sogar noch schlechter da. Gute Karten haben im Kreis Recklinghausen die Unternehmen in der Land- und Forstwirtschaft mit einem sehr geringen Pleiterisiko von 0,43. Auf der anderen Seite steht die Branche „Verkehr und Lagerei“, wo das Risiko überproportional hoch ist mit einem Wert von 2,96 Prozent. Ähnlich hoch ist das Risiko im Gastgewerbe (2,87) und bei der Kunst, Unterhaltung und Erholung (2,64). Die meisten Pleiten im Kreis Recklinghausen gab es jedoch im Handel mit 47 Ausfällen. Allerdings existieren in dieser Branche auch die mit Abstand meisten Firmen: insgesamt 2.842. Dadurch liegt das Ausfallrisiko „nur“ bei 1,65.

Für das Jahr 2022 deutliche Erhöhung des Insolvenzrisikos

Die Entkoppelung des Insolvenzgeschehens von der aktuellen Wirtschaftslage durch staatliche Unterstützungsmaßnahmen erschwert eine Prognose für 2022 ebenso wie die anhaltenden Probleme durch Corona und die außerdem hinzugekommenen Einschläge durch den Ukrainekrieg. Auch weitere Effekte, die mittelfristig nicht verschwinden werden, wirken laut Creditreform auf das Wirtschaftsleben: gestörte Lieferketten, steigende Energiepreise, eine anhaltende Inflation, enorme Umweltauflagen und mühsame Fachkräftesuche. Deshalb geht die Wirtschaftsauskunftei davon aus, dass aufgrund der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen der letzten Jahre eine Vielzahl von sogenannten Zombiefirmen existiert, die ohne diese Unterstützung nicht überleben könnten. Daher rechnet Creditreform mit einer deutlichen Erhöhung des Insolvenzrisikos in 2022.

Siehe auch: Insolvenzen


Quelle: DZ vom 18.Mai 2022

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