Hervester Bruch

Lippe-Auen mit überwiegend nährstoffarmen Sandböden

Hervester Bruch, Foto: JF

Das 168 Hektar große ehemalige Niederungsgebiet befindet sich nordöstlich des Stadtteils Hervest-Dorsten und wird durchschnitten von der L 608 (L 608n), die von Gelsenkirchen in nordwestlicher Richtung nach Wulfen verlä uft. Das Gebiet ist durch den Bergbau und dessen Folgen beeinflusst. Steigendes Grundwasser und Bergsenkungen veränderten das durch Landwirtschaft geprägte Landschaftsbild. Quartäre Lockersedimente und mächtige kreidezeitliche Gesteinsschichten überlagern die in bis zu 800 Metern Tiefe liegenden Steinkohlenlagerstätten aus dem Zeitalter des Karbons.

Gerade neu gebauter Steg am Hervester Bruch (2012), Foto: JF

Der Hervester Bruch ist ein ehemaliger verlandeter Nebenarm der Lippe und Bestandteil der Hervest-Wulfener Sandplatten, alten Niederterrassenflächen der Lippeaue, in denen nährstoffarme Sandböden vorherrschen. Die ursprüngliche Vegetation war wahrscheinlich ein teilweise feuchter und teilweise höher gelegener trockener Eichen-Buchenwald. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das natürliche Landschaftsbild durch Kultivierungsmaßnahmen stark verändert. Aus sandigen Böden des Münsterlandes entstanden nährstoffarme Heidegebiete. 1842 weist das Ur-Messtischblatt den Hervester Bruch als weitläufige Heidelandschaft mit geringem Waldanteil aus. Feuchtheide- und Niedermoorflächen in den tief liegenden sowie Trockenheide auf den höher gelegenen Bereichen prägten zu diesem Zeitpunkt das Landschaftsbild.

Artenreiche Vogelwelt entwickelt sich im Hervester Bruch gut

Aussichtsplattform am Hervester Bruch, Foto: JF

Gezieltes Eingreifen des Menschen veränderte es während der nächsten 50 Jahre wiederum nachhaltig. Der Hervester Bruch war bis 1892 in ein klein parzelliertes, stellenweise durch Wallhecken gegliedertes, feuchtes bis trockenes Grünlandgebiet umgewandelt worden. Bis Ende der 1980er-Jahre veränderte sich das Landschaftsbild kaum. Extensivbeweidung mit Wildrindern und natürliche Vegetationsentwicklung im Osten sowie Entstehung neuer Feuchtbiotope und Besiedelung mit einer artenreichen Vogelwelt im Westen des Hervester Bruchs kennzeichnen heute einen durch den Bergbau stark geschädigten, aber in einer positiven Entwicklung begriffenen Landschaftsraum. Nach einer Entscheidung des Kreises Recklinghausen ist der Hervester Bruch im Jahre 2012 unter dem Arbeitstitel „Der Storch ist gekommen“ zu einem zusammenhängenden, störungsfreien Gebiet umgestaltet worden, damit die Störche störungsfrei sich dort niederlassen können. Das Amt für Landschaftsplanung und -gestaltung des Kreises Recklinghausen hatte sich im Frühjahr 2008 mit diesem Projekt erfolgreich an dem Tourismuswettbewerb „Erlebnis NRW” beworben.

Vielleicht ist das Luise im Hervester Bruch

Vielleicht ist das Luise im Hervester Bruch

Der Hervester Bruch ist ein Brut-, Rast- und Erholungsgebiet für über 40 Vogelarten geworden  Rundwege und Informationstafel, Aussichtskanzeln und Holzstege wurden angelegt, um die Natur zu schützen und die touristische Attraktivität zu erhöhen. Das Vestische Umweltzentrum stellte Mitte 2012 das Förderprogramm vor. Um den Hervester Bruch attraktiver zu gestalten und gleichzeitig bei immer stärkerem Tourismus die Pflanzen- und Weltwelt zu schützen, werden 400.000 Euro aufgewendet, die 80 Prozent aus der EU und dem Bund, der Rest vom Kreis Recklinghausen kommt. – Hoffentlich erweist der Kreis den Störchen damit keinen Bärendienst, denn der angestrebte verstärkte Tourismus der Störche- und Vogelgucker wird die Störche und andere Vögel in ihrer Lebensart mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinträchtigen.
Die Feuchtwiesen sind auch ein Paradies für vier junge Wasserbüffel, die im April 2015 in das Vogelparadies eingezogen waren. Dafür pachtete der Landwirt Christoph Kiekenbeck vom Kreis Recklinghausen eine 20 Hektar große Naturschutzfläche nördlich des Weges „Wedenhof“.

Erlebnisroute

Hinweistafeln am Hervester Bruch, Foto: JF

Heute ist das Gebiet für den Verkehr gesperrt. Eine ausführliche Beschilderung führt Spaziergänger und Radfahrer durch den gesamten Hervester Bruch. Bänke, Stege und mehrere Aussichtsplattformen mit vielen Infotafeln laden zu kleinen Pausen ein, in denen man die heimische Vogelwelt, Störche und Heckrinder beobachten kann. Der Heimatverein Dorf Hervest kümmert sich mit viel Engagement um die bestehende Anlagen.


Quelle:
Sabine Huckemann: „Der Hervester Bruch“ in HK 2000.

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