Heilig-Kreuz-Kirche

Altendorfer Bauern ertrotzten beim Klerus 1934 den Kirchenbau

Grundsteinlegung der KIrche 19

Grundsteinlegung der Kirche in Altendorf-Ulfkotte durch Pfarrer Ludwig Heming 1938

Altendorf-Ulfkotte kam erst im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 vom Amtsverband Marl als Stadtteil nach Dorsten. Die dortige katholische Hl.-Kreuz-Kirche wurde erst drei Jahre später zur selbstständigen Pfarrkirche erhoben. Früher gingen die Altendorfer und Ulfkotter Katholiken zum Gottesdienst in die Agathakirche nach Dorsten. Dort hatten die Ulfkotter, die zur Kirche St. Agatha gehörten, die Altendorfer nach Marl, Sitzbänke, während die Altendorfer hinten stehen mussten. Aber nicht nur dieser aus heutiger Sicht amüsante Teil des kirchlichen Geschehens spornte die Katholiken in Altendorf-Ulfkotte an, sich mit einem eigenen Gotteshaus den stets beschwerlichen Weg nach Dorsten zu ersparen. Doch erst 1938, mitten in nationalsozialistischer Zeit, konnten sich die Altendorfer Bauern nach einem langen „Kirchenkampf“ gegen ihren eigenen Klerus in Dorsten und Münster – und mit Hilfe des Altendorfer NSDAP-Ortsgruppenleiters einer eigene Kirche an der Gräwingheide erfreuen.

Agatha-Pfarrer Heming gab der Forderung der Altendorfer endlich nach

Denn eine eigene Kirche wurde den Altendorfern jahrzehntelang von dem Agatha-Pfarrer Ludwig Heming kategorisch verwehrt, wobei ihn die Ulfkotter unterstützten. Erst 1934 musste der Stadtpfarrer dem mittlerweile erpresserischen Druck des seit 1903 bestehenden Altendorfer Kirchbauvereins nachgeben, denn der drohte dem Stadtpfarrer unverblümt damit, das in drei Jahrzehnten angesammelte Geld der Kirchbaukasse der örtlichen NSDAP zu übergeben, sollte nicht endlich die bischöfliche Genehmigung und der damit verbundene Segen für den Kirchbau kommen. Dieses „Argument“ überzeugte sowohl Pfarrer Heming wie auch den Bischof. Der Segen kam postwendend. Bereits am 18. August konnte der NSDAP-Ortsgruppenleiter, Bürgermeister und 2. Vorsitzender des Kirchbauvereins, Willi Schulte-Hemming feierlich den ersten Spatenstich für die Hl. Kreuz-Kirche auf dem Börmann-Grundstück vollziehen. Die Kirche wurde  1938 vom Bischof Clemens August Graf von Galen geweiht. Die nachfolgenden Kriegsjahre haben das aufkeimende Gemeindeleben stark beeinflusst. In der Nacht vom 20./21. Juni 1944 wurde durch Bombeneinwirkungen Fenster, Türen, Wände und Dach der Kirche schwer beschädigt. Diese Kriegsschäden konnten nach Beendigung des Krieges beseitigt werden. Erst 1954 wurde die Kirche endgültig renoviert und von allen Kriegsschäden befreit.

1972 konnte die neue Kirche konsekriert werden

Bis zu ihrer Selbstständigkeit 1963 wurde die Kirchengemeinde von Kaplänen der Gemeinde St. Agatha betreut. Im Jahre 1962 erhielt Pfarrer Beike den Auftrag, die Seelsorge in Altendorf-Ulfkotte zu übernehmen. Aus der ehemals unselbstständigen Gemeinde wurde am 1. Mai 1963 die heutige Kirchengemeinde Heilig Kreuz. Durch die in den 1960er-Jahren ausgewiesenen neuen Wohngebiete vergrößerte sich die Pfarrgemeinde so stark, dass das alte Kirchengebäude an vielen Tagen die zum damaligen Zeitpunkt noch regen Kirchenbesucher kaum noch fassen konnte. Hieraus ergab sich der Wunsch, die heute bestehende Kirche zu bauen. Nach dem Spatenstich vom 5. Januar 1972 wurde am Fest Christi Himmelfahrt 1973 dieses Kirchengebäude feierlich konsekriert. Die alte Kirche kam an die evangelische Gemeinde. Die neue Kirche kostete 1,3 Millionen Mark, davon die Altendorfer 144.000 DM selbst aufbringen mussten. Die Kosten für Glockenturm (1973), Orgel (1980), Buntfenster (1984) und Pfarrheim (1986) schlugen mit gewaltigen Summen zu Buche, die zum größten Teil von der Gemeinde aufgebracht werden mussten. Dass die kleine Hl. Kreuz-Gemeinde dies konnte, ist ein Zeichen der Schaffenskraft der kleinen Gemeinde, die seit 2009 in Zuge der von Münster angeordneten Gemeindefusion wieder in den Schoß der Muttergemeinde St. Agatha zurückkehren musste, von der sie seit 1978 getrennt war.


Siehe auch:
Kirchen, kath.

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