Gnadenbild in Hardenberg

Dorstener Franziskanerpater machte Neviges zum Wallfahrtsort

Hätte Pater Antonius Schierle vom Franziskaner-Konvent Dorsten im Jahre 1680 beim Beten vor dem Bildchen nicht die Worte Marias gehört „Bring mich nach dem Hardenberg, dort will ich verehrt sein“, wäre Dorsten und nicht Neviges seit über 300 Jahren der älteste nördlich der Alpen gelegene Wallfahrtsort zur Verehrung der unbefleckten Empfängnis. Doch Pater Schierle folgte den gehörten Worten Marias und brachte das Bild mit der ebenfalls gehörten Weissagung über Krankenheilungen nach Hardenberg in Neviges. g-gnadenbild-von-hardenbergDamit war er, der Dorstener Pater, der eigentliche Begründer der Wallfahrt, wenn auch sein Bischof, Ferdinand von Fürstenberg, Fürstbischof von Paderborn und Münster, ein Jahr später mit seinem Segen die Wallfahrt erst richtig ins Leben rief. 1968 wurde in Neviges der Wallfahrtsdom seiner Bestimmung übergeben. Er besteht aus Beton, bietet 7.000 Pilgern Platz und wird jährlich von Hunderttausenden besucht. 1978 kamen der Primas von Polen, Kardinal Stefan Wyszynski, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Joseph Höffner, und der Kardinal Karol Wojtyla zur Wallfahrtskirche. Wojtyla wurde wenige Tage später zum Papst gewählt. In einer Säule im Inneren des Doms befindet sich das „Hardenberger Gnadenbild“, auf dem Maria dargestellt ist. Die Pilger stellen sich davor und berühren das Bild, welches sich hinter Glas befindet, beten oder bitten um etwas.

Maria auf der Mondsichel – Symbol der Unbeständigkeit der Menschen

In der Offenbarung des Johannes sieht: „Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt einen Kranz von zwölf Sternen“ (Offb 12, 7). Auf dem Nevigeser Gnadenbild ist Maria mit der Sonne bekleidet, den Mond unter den Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen. Mit der Sonne bekleidet sein, heißt mit Christus umkleidet zu sein. Der Mond, auf dem Maria steht, ist ein Symbol für Unbeständigkeit und Wankelmüdigkeit der Menschen vor Gott, die Schlange symbolisiert die Versuchung und die zwölf Sterne sind die Apostel (siehe Unsere liebe Frau von Holsterhausen). – Der Dorstener Franziskanerpater Antonius Schierle (auch Shirley geschrieben) starb am 18. August 1694 während der Missionierung Frieslands und ist im Kloster zu Aschendorf beigesetzt.

2016 gestohlen und in Butterbrotpapier anonym zurückgebracht

Bislang unbekannte Täter hatten das Gnadenbild Anfang Februar 2016 aus der Wallfahrtskirche „Maria Königin des Friedens“ im Mariendom entwendet. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Tathergang ist bislang ebenfalls noch unbekannt. Generalvikar Dominik Meiering war bestürzt über den Diebstahl. Vor der Presse: „Das Bild hat eigentlich materiell überhaupt keinen Wert. Ideell dagegen ist der Diebstahl ein unschätzbarer Verlust für die unzähligen Menschen, die Jahr um Jahr nach Neviges pilgern und denen es so viel bedeutet. Ich appelliere an den oder die Täter, uns und den Pilgern das Bild wie auch immer zurückzugeben, auch anonym.“ Einen Tag später sagte er: „Halleluja! Zu unserer aller größten Erleichterung haben wir heute Nachmittag das gestern gestohlene Nevigeser Gnadenbild vor unserer Klosterpforte aufgefunden.“ – In Butterbrotpapier eingepackt.

 

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