Geflügelpest 2016

Stallpflicht für Federvieh auch in Dorsten und im Kreis Recklinghausen

Stallarrest im Kreis Recklinghausen für das Federvieh

Stallarrest im Kreis Recklinghausen für das Federvieh

Ob die Meldung von Mitte Dezember 2016, dass an der Pest eingegangenes Geflügel dazu beigetragen hatte, das traditionelle vorweihnachtliche Martingans-Essen zu vermiesen ist nicht bekannt. Die BILD-Zeitung meldete allerdings am 7. Dezember: „Vogelgrippe hat keinen Einfluss auf Festtagsbraten“. Das Veterinäramt Recklinghausen erließ am 21. November für das Stadtgebiet Dorsten eine Verfügung, dass jeder, der Geflügel hält, verpflichtet ist, die Tiere im Stall unterzubringen. Denn die Auswirkungen der Geflügelpest H5N8 in etlichen Bundesländern  betrafen nun auch den Kreis Recklinghausen.
Hintergrund dafür ist eine Tage zuvor vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) verhängte Ausweitung der Risikogebiete in Nordrhein-Westfalen mit einem Aufstallungsgebot. Dieses schreibt vor, dass in Städten mit einer Dichte von über 1000 Stück Geflügel pro Quadratkilometer Stadtgebiet das Geflügel in Ställen unterzubringen ist, unabhängig von der Größe des Bestands. Bereits am 6. Dezember musste das Federvieh in Bottrop (und Kirchhellen) in den Stall. In Bottrop waren 173 Geflügelhaltungen mit rund 15.000 Tieren gemeldet. Am 20. Dezember wurde die Stallpflicht auf gang Nordrhein-Westfalen ausgedehnt. In einem Hof in Dellbrück (bei Paderborn) wurden inzwischen 36.000 Legehennen und 4000 Puten getötet; in einem Nachbarbetrieb vorsorglich 17.000 Küken und Junghennen sowie 2000 Enten.

Stallpflicht für Geflügel im Kreis Recklinghausen bleibt vorerst bestehen

Mit Erlass von 3. Februar 2017 hat das NRW-Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den Kreisen und kreisfreien Städten zugestanden, die bisher landesweit geltende Stallpflicht für gehaltenes Geflügel zu lockern. Davon konnten Städte und Gemeinden profitieren, in denen die Geflügeldichte unter 300 Tiere pro Quadratkilometer lagen. Betraf das nur einzelne Städte oder Gemeinden in einem Kreis, war zu prüfen, ob die Aufstallung beibehalten werden musste. Der Kreis Recklinghausen entschied, dass die Stallpflicht für Hausgeflügel im Kreis Recklinghausen und in Herne weiterhin bestehen blieb. Die Tierärzte bewerten die Risikoeinschätzungen in regelmäßigen Abständen neu und werden die Maßnahmen entsprechend der Veränderungen anpassen. Grund für die Entscheidung war die aktuelle Risiko-Einschätzung des Friedrich-Löffler-Instituts, das „von einem hohen Eintragsrisiko in Nutzgeflügelhaltungen und Vogelbestände in zoologischen Haltungen durch direkte und indirekte Kontakte zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel“ ausging. Es wies in seiner aktuellen Einschätzung darauf hin, dass die Aufstallung von Geflügel und weitere Biosicherheitsmaßnahmen das Risiko eines Kontakts und damit einer Ansteckung reduzierten. Bei anhaltendem Frost sei mit einer weiteren Dynamik an Vogelbewegungen und damit mit einer Ausweitung der Infektionen bei Wildvögeln zu rechnen (Radio Vest, 28. Februar 2017).
Mit Stand vom Februar 2017 wurden bundesweit 391.000 Tiere in Beständen mit nachgewiesener Geflügelpest gekeult. Weitere 154.000 Tiere wurden vorsorglich ohne postitiven Befubnd auf den Erreger H5N8 getötet.

Stadtgebiet Herten Sperrzone – Hunde und Katzen nicht frei laufen lassen

Im Hertener Schlosswald wurde Ende Dezember ein verendeter Wildvogel entdeckt, an dem die Geflügelpest H5N8 amtlich festgestellt wurde. Daher wurde das gesamte Hertener Stadtgebiet zum Sperrgebiet erklärt. In diesem Gebiet dürften Besitzer von Hunden und Katzen ihre Tiere im ausgeschilderten Beobachtungsgebiet nicht mehr frei laufen lassen. Damit sollte verhindert werden, dass sich die Seuche auf diesem Weg nicht weiter verbreitet. Auch Ausflügler, die beispielsweise in den nächsten drei Wochen im Schlosspark spazieren gingen, waren davon betroffen.

Stallpflicht im Kreis Recklinghausen wurde im März 2017 aufgehoben

Im Kreis Recklinghausen wurde Mitte März 2017 die Stallpflicht aufgehoben. Geflügeltiere wie Hühner und Gänse dürfen wieder nach draußen gelassen werden. Die höheren Temperaturen hätten zu einer raschen Eindämmung des Influenzavirus geführt und die Gefahr der Geflügelpest verringert, heißt es zur Begründung. Daher hat sich die Lage entspannt. Die Stallpflicht galt im Kreis seit Dezember 2016.

Zigtausende von Hühnern und Puten wurden gekeult

Hinweisschild

Hinweisschild

Geflügel im Sinne der Verordnung sind Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse, die in Gefangenschaft aufgezogen oder gehalten wurden. Sie mussten in geschlossenen Ställen oder in besonders geschützten Vorrichtungen untergebracht werden. Solche volierenartigen Vorrichtungen müssen aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten, dichten Abdeckung bestehen und mit einer das Eindringen von Wildvögeln verhindernden Seitenbegrenzung versehen sein. Zu ersten Erkrankungen von Wildvögeln war es Anfang November zunächst im Kreis Plön in Schleswig Holstein gekommen. Es folgten Fälle in Konstanz am Bodensee und im Kreis Vorpommern-Greifswald. Auch Vögel in Ungarn und Polen sowie Niedersachsen waren betroffen. Zudem wurde im Kreis Wesel ein erkrankter Wildvogel aufgefunden. Kurz darauf  wurden in Mecklenburg-Vorpommern bereits 31.000 Puten vorsorglich gekeult. Andere Bundesländer meldeten ebenfalls die Geflügelpest. In Nordrhein-Westfalen mussten Ende Dezember erstmals in einem Mastbetrieb in Anröchte/Soest über 7600 Puten und 14.000 Küken gekeult werden. Unterdessen schloss der Wuppertaler Zoo bis auf Weiteres, nachdem es dort Virus-Verdachtsfälle gegeben hatte.

Geflügelpest wurde erstmals 1878 in Italien beobachtet

Gefundene Vögel werden untersucht

Gefundene Vögel werden untersucht

Die Geflügelpest ist eine durch Viren hervorgerufene anzeigenpflichtige Tierseuche, von der Hühner, Puten, Gänse, Enten, wildlebende Wasservögel und andere Vögel betroffen sein können. Bei einer Infektion mit den aggressiveren Virusstämmen führt sie meist zum Tod der infizierten Vögel, sofern sie nicht zu den Reservoirewirten gehören. Einige Varianten der Geflügelpest-Viren, insbesondere die Variante A/H5N1, sind in Einzelfällen auf Menschen, Zootiere wie Leoparden sowie auf Hauskatzen übertragen worden. Die Geflügelpest wurde erstmals 1878 in Italien beobachtet. Nach wiederholten Ausbrüchen in den 1930er-Jahren in Europa, Amerika und Asien wurden 1983 in Irland und den USA Millionen Vögel getötet. Je einen weiteren großen Ausbruch gab es u. a. 1992 in Mexiko, 1997 in Hongkong und 2015 in den USA. Erst 1954 wurde durch den damals in Tübingen am Max-Planck-Institut für Virusforschung tätigen deutschen Virologen Werner Schäfer endgültig nachgewiesen, dass die Viren der Influenza des Menschen und der klassischen Geflügelpest der gleichen Gruppe zuzuordnen sind.

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